Insgesamt müssen es mehr als zwei Jahrzehnte sein, die ich in Frankreich gelebt habe. Ab und zu gehe ich dort noch einkaufen. Nicht, weil es unbedingt billiger wäre als in Basel, sondern weil ich manche Produkte finde, die es meines Wissens hier nicht gibt und die ich lieb gewonnen habe. Ein wichtiger Aspekt ist mir dabei, meine Gäste damit zu überraschen.

Zum Apéro reiche ich gerne «Soufflés goût bacon», ein luftiges, salziges Gebäck mit Speckgeschmack. Lange Jahre war die frische «Tarte flambée» aus dem Supermarché Match in Huningue ein sicherer Wert. Seit geraumer Zeit gibt es die Flammekueche zu meinem Leidwesen auch in Basel zu kaufen – so frisch wie im Elsass, von wo sie auch stammt, habe ich sie dort allerdings noch nicht gefunden.

Bei den Süssigkeiten steht die «crème de marrons de l'Ardeche» oben auf der Liste – die Maronicreme wird mit natürlicher Vanille versetzt und seit 1885 in Privas hergestellt. Allein die Blechdose ist schön anzuschauen. Sparsam verwendet ergibt sich vermischt mit Quark ein einfach herzustellendes Dessert. Ich nehme immer «Fromage blanc battu» und dekoriere das Ganze mit einigen Erdbeeren.

Als Notvorrat kaufe ich regelmässig die kleinen runden Dosen mit fünf einzeln verpackten Cremes aus Schafmilch von Roquefort. Sie halten sich lange und sind einfach zu lagern.

Das typische französische Mineralwasser Perrier gibt es schon seit 1863. In einem Roman eines Schweizer Schriftstellers, dessen Namen ich leider vergessen habe, holte sich der Beizer und Ich-Erzähler am Abend nach der Arbeit statt einem Bier immer ein Perrier aus dem Kühlschrank. Tatsächlich gibt es im Match in Huningue kleine Perrier-Fläschchen mit zwei Zentilitern Inhalt: ideal zum alkoholfreien Entspannen – und erst noch schön anzuschauen.

Dass Perrier 1992 von Nestlé aufgekauft wurde, trübt ein wenig meine Freude. Ähnlich ist es Ricoré ergangen, ein löslicher Kaffee, der zu gut 60 Prozent aus Chicorée besteht, wegen den 34 Prozent Kaffee-Anteil aber immer noch einigermassen geniessbar. Ich habe Ricoré vor über 30 Jahren in meiner Strassburger Zeit entdeckt und als Alternative zum Kaffee-Missbrauch geschätzt. Mit Nestlé hatte er damals nichts zu tun, das wäre mir als links-alternativ korrekter Mensch, der ich zu dieser Zeit war, mit Sicherheit aufgefallen.

Leider stecken heute auch hinter vielen vermeintlich regionalen elsässischen Produkten oft grosse Konzerne. So wird im Elsass 60 Prozent des in Frankreich getrunkenen Biers gebraut – und das mit einer langen Tradition. Von den vielen grösseren unabhängigen Brauereien ist jedoch nur Meteor übrig geblieben. Das beliebte Kronenbourg gehört mittlerweile zu Carlsberg.

Mein Lieblingsbier Fischer, das in der schönen Retroflasche mit Henkelverschluss aus Porzellan angeboten wird, hat Heineken gekauft. Ich trinke es trotzdem noch gerne.

peter.schenk@bzbasel.ch