Tradition küsst Toleranz. Die Gugge Negro-Rhygass legt ihr umstrittenes Logo mit dem knochengeschmückten, pardon, Negerlein beiseite. Das ist für Basler Verhältnisse ein Fanal: Ein Fasnachtsverein ändert auf öffentlichen Druck hin das Erscheinungsmerkmal. Zumindest offiziell, denn künftig werden noch ein paar dieser Negerlein die Instrumente schmücken: Deren Entfernung würde vorerst zu sehr ins Geld gehen. Am Namen wird derweil nicht gerüttelt. Negro bleibt Negro. Das ist pragmatisch, ein Kompromiss – aber ist das auch in Ordnung? Die Antwort ist einfach: Rassismus hat an der Fasnacht so wenig verloren wie Grapschen, Gewalt und alle anderen Verletzungen der menschlichen Integrität. Nichts.

Denn nichts davon ist mit Satire zu rechtfertigen. Lachte man früher herrlich über dieses kannibalische Negerlein? Schön. Heute sind wir klüger. Wie die Gugge gerade beweist. Denn wenn die Fasnacht dieses Abbild der Gesellschaft ist, für die wir Fasnächtler sie halten, sie glorifizieren, dann sollte sie diese aufgeklärte, moderne Gesellschaft auch abbilden. Dann sollte sie, die sich selbst so gerne empört, ebenjene Verletzungen der Menschenwürde erkennen. Und gegebenenfalls auch tilgen.

Der Entscheid der Negro-Rhygass ist folgerichtig. Er schadet der Fasnacht nicht. Im Gegenteil. Er bringt sie voran. Und mit ein bisschen mehr Konsequenz – ja, in der Namensgebung – hätte dieser Entscheid vielleicht sogar noch mehr Wirkung gezeitigt. Denn zum Schluss zählt eins: Es lebe die Fasnacht. Und mit ihr die Menschlichkeit.