Wer in meiner Jugend die Welt verändern wollte, gründete eine Partei oder eine Bürgerinitiative. Revolutionärinnen und Revolutionäre von heute starten eine Firma. In der
Region Basel gibt es etwa Unternehmen für Klimaschutz, für die Förderung des fairen Handels,
für Biolandbau, für Armutsbekämpfung, für Kleider ohne Kinderarbeit und Gift, für vegane Pelze, für die Abschaffung von Plastik, für effiziente Energienutzung oder für lokale Landwirtschaft. Die Liste lässt sich unendlich verlängern.

Diese Unternehmen sind alle gewinnorientiert. Sie haben eine hohe Moral, ohne religiös zu sein. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen ihren Lebensunterhalt verdienen, indem sie die Welt verändern. In den struben 1970er-Jahren hätte man sie Berufsrevolutionäre genannt. Statt auf die Grenzen des Wachstums setzen die Jungen auf ein grenzenloses Wachstum des Guten. An die Stelle von Parteiprogrammen und Statuten sind Businesspläne und Managementwissen getreten. Und die angesagten Kürzel sind nicht mehr RML (Revolutionäre Marxistische Liga) oder GAK (Gewaltfreie Aktion Kaiseraugst), sondern IPO (Initial Public Offering, also Börsengang) und IRR (Internal Rate of Return, ein Mass für die Rentabilität).

Ist nun diese Entwicklung gut oder schlecht? Das ist nicht die entscheidende Frage. Offenbar hat die «Generation Y» (definiert als die nach 1980 Geborenen) genau beobachtet, wie weit ihre Eltern mit politischen Bewegungen kamen – und mitunter strandeten. Als Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer testen sie jetzt einen anderen Weg. Dieser ist nicht zu verwechseln mit den sogenannten «Ich-AGs» der 1990er-Jahre. Damals ging es einfach darum, per Egotrip möglichst viel Geld zu verdienen.

Die neuen Revolutionäre sind Teamplayer, Kollektive, Partnerschaften, die sich geschickt die Arbeit teilen. Weder schrecken sie vor kapitalistischen Methoden noch vor gewagter Verschuldung zurück, wenn es um ihren guten Zweck geht. Sie hängen nicht einer Ideologie an, sondern folgen einer unternehmerischen Vision. Diese fügt sich nahtlos in ihre ideale Weltsicht ein, kommt also ohne gefährliche Atomenergie aus und bekämpft Klimaerwärmung, Hunger, Wasserknappheit, Geschlechterdiskriminierung oder Artensterben.

In Basel ist gerade ein «Impact Hub» am Entstehen. Wie zuvor in anderen Städten, will dieser neue Treffpunkt möglichst vielen «Sozialunternehmen», wie sie heissen, eine Heimat und Unterstützung bieten. An einem Treffen im Februar thematisierte der «Impact Hub Basel» beispielsweise, was «Start-ups» tun können, wenn sie im täglichen Kleinkram versumpfen und vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Tröstend hiess es, dass es «viel Zeit und Ausdauer braucht, um ein Geschäft oder einen Prototyp zu entwickeln». Da will der «Impact Hub» (ein Ort, ein Team) zur Hand gehen. Deshalb präsentierten am Event «fünf der hellsten Köpfe Basels» (Originalton «Hub»-Website) ihre Ideen und wo sie stecken blieben.

Darunter war beispielsweise eine Initiative mit dem seltsamen Namen KimiBGood. Sie will Öko-Mythen entlarven und nach eigenen Angaben «ALLE Menschen» aufklären, wie sie sich umweltgerecht verhalten können. Oder Youtrition: Dieses «Start-up» stellt aus einem Gratis-Ausgangsprodukt, nämlich Urin, Dünger her. Benutzer des Youtrition-Filters schliessen aber nicht nur Stoffkreisläufe, sondern sollen dabei auch Geld sparen.

Für die neuen Revolutionäre gibt es spezielle Unternehmerpreise und Finanzierungsplattformen, die oft von erfolgreichen Tycoons wie dem Multimilliardär Hansjörg Wyss alimentiert werden. Und so schwirrt bereits eine grosse Schar spezialisierter Beratungsunternehmen und Risikokapital-Investoren wie Bienen um den Honigtopf der «Start-up»-Szene. Die allgemeine Begeisterung geht so weit, dass selbst die «Neue Zürcher Zeitung» kürzlich titelte: «Klima-Champions an der Schweizer Börse». Mit Swisscleantech hat die Branche auch einen eigenen Wirtschaftsverband. Er bietet dem Establishment von Economiesuisse die Stirn, wenn der traditionelle Unternehmerklub in Umweltfragen allzu lahm agiert.

In anderen Ländern ist das Denken von Swisscleantech bereits Staatsdoktrin. So veranstaltet Kanadas Regierung den «Clean Innovation Race». Konkurrenten in diesem «Wettrennen der sauberen Innovationen» sind Technologien wie die Herstellung von Kunststoffen aus landwirtschaftlichen Abfällen oder ein Bergbau-Unternehmen, das keine fossilen Brennstoffe mehr verbrennt. «Schlauer Wohlstand» (smart prosperity) steht auf den Banderolen dieser Revolution. Basel tut gut daran, seine Wirtschaftspolitik auf diese Bewegung einzustellen. Denn hier entstehen die Arbeitsplätze von morgen.