Die Feuerwehrleute waren zu den brennenden Chemikalien vorgedrungen – als diese explodierten: 173 Tote, 797 Verletzte, 17'000 betroffene Wohnungen, 1700 Firmen, 675 Geschäfte...

Nein, das war nicht der Schweizerhalle-Brand, sondern das Explosionsunglück im Hafen von Tianjin im August 2015. Doch zwischen den Katastrophen bestehen Zusammenhänge.

Erstens hätte auch Schweizerhalle explodieren können: Der für Chemikalien vorgesehene Schaum reichte nicht für einen solchen Brand. Also bekämpfte man das Feuer stundenlang mit 400 Liter Wasser pro Sekunde. Wasser setzte die Feuerwehr auch ein, um die Nachbarhalle zu schützen. Was die Männer kaum wussten: Darin lagerte Natrium, das mit Wasser heftig reagiert und hoch explosives Wasserstoffgas freisetzt.

«Die Feuerwehr spielte russisches Roulette», kommentierte Bendicht Hurni vom Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie später. Doch sie und die Region Basel hatten mehr Glück als die Feuerwehrleute und zivilen Opfer in Tianjin.

Zweitens verbesserte die Chemiebranche in Europa zwar die Sicherheitsvorkehrungen, und man verschärfte die Umweltgesetze. Doch angesichts der billigeren Bedingungen wanderte die Chemie nach China ab. Dort leitet man bunte Abwässer ungeklärt in die Flüsse, vergräbt Chemiemüll und setzt Substanzen ein, die hier verboten sind. Hergestellt werden unter anderem über vier Fünftel der Generika-Wirkstoffe.

In der Region Basel verblieben vorab die bezüglich Umwelt unbedenklichen Endschritte der Medikamenten-Herstellung. Heute finden nicht nur problematische Produktionsschritte, sondern auch «Schweizerhalle» anderswo statt – beispielsweise in Tianjing. Es wurde – global gesehen – schlimmer statt besser.

Vor 30 Jahren: Grossbrand in Schweizerhalle

Vor 30 Jahren: Grossbrand in Schweizerhalle

Vor 30 Jahren geschah das Unglück: Eine Lagerhalle der Chemiefirma Sandoz brannte auf dem Areal Schweizerhalle. Tonnenweise Chemikalien verseuchten damals den Rhein. Es kam zum grossen Fischsterben. Die Folgen sind bis heute spürbar.