Knapper hätte der Entscheid kaum ausfallen können. Mit nur einer Nein-Stimme mehr hat das Basler Parlament gestern den Vorstoss für einen Steuerabzug vom Lohn abgelehnt. Bereits in der vorbereitenden Kommission war das Ergebnis gleich knapp ausgefallen, dort allerdings zugunsten der Linken. Unmittelbar nach der Abstimmung kündigte die SP an, eine entsprechende Initiative lancieren zu wollen. Dies als politische Zwängerei abzutun, wäre verfehlt. Bei einer Niederlage im Grossen Rat hätten die Bürgerlichen ihrerseits wohl auch das Referendum ergriffen.

Und das ist auch richtig so: Beim automatischen Lohnabzug für die Steuern handelt es sich nicht bloss um eine kleine technische Anpassung. Ob man das nun als Bürokratiemonster zur fortschreitenden Entmündigung der Steuerzahler wie die Bürgerlichen oder als Pionierprojekt zur Bekämpfung der Schuldenfalle wie die Linken einordnet, ist Ansichtssache. Klar ist: Ein solcher Abzug wäre eine nicht unwesentliche Systemänderung. Dass dazu der Stimmbürger das letzte Wort hat, macht Sinn.

Und auch die SP hat gute Gründe für die Initiative: Im Gegensatz etwa zur Verkehrspolitik hat die Linke in sozial- und finanzpolitischen Fragen in Basel einen sicheren Stand. Dies liegt nicht zuletzt an ihrer Finanzdirektorin Eva Herzog, die bis weit ins bürgerliche Lager grosse Glaubwürdigkeit geniesst. Gelingt es der SP, den Steuerabzug als pragmatische und unbürokratische Lösung zu verkaufen, stehen die Chancen nicht schlecht, den automatischen Steuerabzug so doch noch lancieren zu können.