Es kann gar nicht genug betont werden, wie offenherzig die Muttenzer Bevölkerung bisher auf die Einrichtung eines grossen Bundesasylzentrums im Feldreben reagiert hat. Umso trister ist es, wenn jetzt, wenige Tage vor der Eröffnung, klar wird, dass der Bund ein doppeltes Spiel gespielt hat. Man stelle sich bloss vor, was in einer aufgeheizten Atmosphäre wie beispielsweise in Seelisberg oder Oberwil-Lieli die Meldung auslösen würde, dass der Bund gegen eine Abmachung mit dem Kanton verstösst, und die Asylsuchenden plötzlich doppelt so lange wie ursprünglich kommuniziert vor Ort bleiben könnten. Daran ändert auch nichts, dass jetzt zu Beginn weniger Flüchtende als erwartet kommen.

Natürlich: Die Rahmenbedingungen im Asylwesen ändern sich oft sehr rasch. Schon bald könnte die Zahl der Flüchtlinge wieder nach oben schnellen. Als das Feldreben-Zentrum geplant wurde, befand sich das Flüchtlingsdrama auf seinem Höhepunkt. Aber entschuldigt dies, dass der Bund nicht von sich aus offen kommuniziert hat, dass sich der Zweck und die Aufnahmebedingungen des Feldreben-Zentrums bei rückläufigen Asylzahlen ändern könnten? Es ist genau diese wiederkehrend verkorkste Kommunikationspolitik, die der Bevölkerung suggeriert, dass sie in der Asylfrage von den Behörden immer nur übers Ohr gehauen wird.

Hoffentlich ändert diese Unart nichts an der Muttenzer Offenherzigkeit.