Die am meisten übersehene Nachricht der Woche war für mich eine Studie, die sagt: Junge Leute verlassen Facebook massenhaft, noch viel schneller als bisher gedacht. Facebook wird, ich sage es ungern, zum Alters- und Pflegeheim.

Bald wird es Apps geben, bei denen wir Senioren Facebook-Altersturnen machen können. Statt lustige Katzenvideos zu posten, werden wir mit Zuckerberg Bingo spielen und virtuelle Kaffeefahrten machen, bei denen uns virtuelle Heizdecken und andere interessante Produkte präsentiert werden. Altersresidenzen werden erkennbar sein an dicht fliegenden Drohnenschwärmen, die Gesundheitsökofinken ausliefern, weil wir bei einer der unzähligen personalisierten Werbungen irrtümlich auf «Bestellen» gedrückt haben. Die Pflegeroboter werden sie zurückschicken, mit Drohungen unserer digitalen Oldies-but-Goodies-Juristen.

Verkaufs-Drohnen werden sich gegenseitig übelst bekämpfen mit riskanten Flugmanövern und Laserkanonen. Wir werden auf den selbstschwebenden Bänkchen vor dem Altersheim alles kommentieren und ziemlich happy sein. Und die jungen Leute, die Kinder und Teenager von morgen, warum sind sie weg von Facebook? Ganz einfach: Wer macht schon gerne Party, wo Eltern und Lehrer alles überwachen können? Also wandern sie massenhaft aus zu Instagram, Snapchat, Youtube und Twitter.

Und jetzt sage ich Ihnen, wie wir Alten die Welt retten können: Eröffnen Sie sofort einen Account in all diesen Netzwerken, wenn sie Kinder im Teenageralter haben oder über 50 sind. Posten sie möglichst peinliche Sprüche, die sie im Netz zu Millionen finden, wenn Sie selbst nicht mit allzu viel Humor gesegnet sind. Oder fotografieren Sie in der Senioren-Kantine das Essen, und zwar jedes. Und dann ab in die Social Media.

Ich sage jetzt mal prophetisch: Viel schneller als erwartet flüchten die Jungen auch aus den neuen Netzwerken, sie werden zu digitalen Migranten. Die kommende Generation wird verloren sein für den Schrott der russischen Trolle und der Weltverschwörer; der amerikanische Präsident wird nur noch seine Familie und einige hundert Anwälte als Follower haben. Millionen von Teenagern mit digitalem Migrantenhintergrund werden sich so heimatlos fühlen, dass sie anfangen Bücher zu lesen und Zeitungen zu kaufen.

«Wie schön ist das denn?!», werden sie einander zurufen, wenn sie (selbstverständlich nachhaltig produziertes) Papier in den Händen halten, mit gut recherchierten Reportagen und Kommentaren, sie werden Romane aus uralten und neuen Zeiten entdecken, die ihnen die Welt in einem neuen Licht zeigen und Empathie für anders Lebende und Denkende beibringen, so ganz nebenher. Und sie werden mit Begeisterung dafür bezahlen, weil was für alle gratis ist, war im Grunde immer schon wertlos. Sie werden ihre Daten sorgfältig schützen, weil sie sich nicht mehr ausnützen und benutzen lassen wollen von undemokratischen Parteien und Raubtierkapitalisten. Alles unrealistisch, sagen Sie? Gut, etwas wird nicht eintreffen: Wir werden weiterhin Katzenvideos posten. Ist voll okay.