Heute übersieht man die beiden Skulpturen leicht, die sich vor dem Badischen Bahnhof befinden: Auf der nördlichen Seite eine Frau mit einem Ochsen, auf der südlichen ein Mann mit einem Pferd. Die weibliche steht für den südbadischen Fluss Wiese, die männliche für den Rhein. Die Tiere symbolisieren die Urkraft des Wassers.

Bei der Einweihung 1921 waren beides Brunnen. Seit 2005 sind die Tröge mit Erde gefüllt, weil sie oft als Abfalleimer missbraucht wurden. Die zentrale, breite Treppe zwischen den Skulpturen hat der Erweiterung der Schwarzwaldallee weichen müssen und der ehemals helle Kalkstein ist heute schmutzig grau. Den Urzustand zeigt ein grossformatiges, historisches Foto, das in der Ausstellung über den Basler Künstler Carl Burckhardt bis Ende März im Kunstmuseum Basel zu sehen ist.

Reinigung des Natursteins kontraproduktiv

Mit der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes, die mit der neuen Tramlinie Erlenmatt geplant war, sollten die Brunnen wieder in Betrieb genommen werden. Das Nein zum Tram im Referendum 2014 hat diese Pläne auf unbestimmte Zeit beerdigt. Eine regelmässige Reinigung des Natursteins ist laut Bau- und Verkehrsdepartement kontraproduktiv und zurzeit nicht geplant.

Den Auftrag dafür erhielt Burckhardt vom Architekten Karl Moser, der von 1906 bis 1913 den Badischen Bahnhof bauen liess, um den zu klein gewordenen Vorgängerbau an der Mustermesse zu ersetzen. Mit Kosten von damals 65 Millionen Franken, die heute inflationsbereinigt 600 Millionen Franken entsprechen sollen, war es der teuerste Bahnhof der Badischen Staatsbahn. Die beiden Brunnen stehen für die Verbindung mit der Wiesentalbahn nach Zell im Wiesental und die Hochrheinbahn Richtung Waldshut und Schaffhausen.

Zahlen tat die Stadt

Die Kosten für die Brunnenanlage müsste die Stadt übernommen haben, glaubt Kuratorin Claudia Blank. Darauf verweist ein Brief Mosers an Burckhardt, in dem der einflussreiche Architekt berichtet, dass er finanzielle Nachforderungen des Künstlers unterstützt habe. Der Brief ist neben Vorstudien und weiteren Fotos in der Ausstellung zu sehen.

Burckhardt begann im Dezember 1914 mit ersten Modellierarbeiten für die Skulpturen. Als Vorbild diente ihm der Wittelsbacher Brunnen von Adolf von Hildebrand, den er aus einem Studienjahr 1898 in München kannte. Hildebrand galt als der deutsche Rodin. Anfänglich wollte Burckhardt die Menschen auf den Rücken der Tiere platzieren wie eine Entwurfszeichnung aus dem Kupferstichkabinett des Basler Kunstmuseums belegt.

Bis zu den definitiven Gipsabgüssen wurde es Mai oder Juni 1918. Sie haben junge Bildhauer von der zweiten Hälfte 1919 bis zum Frühjahr 1921 in einer Bauhütte, die aus Holz vor dem Badischen Bahnhof erstellt wurde, in die Originalformen übertragen – zuletzt war dies vor allem der Künstler Hermann Scherer. Ab Juni 1920 hat sich Burckhardt an den Arbeiten beteiligt und dabei die Nerven von Scherer strapaziert, weil er am eigenen Werk immer wieder etwas zum Verbessern fand.

peter.schenk@bzbbasel.ch