Um 9:15 trabten die zahlreichen Läufer des Halbmarathons über die Startlinie. Wir starteten zu dritt in der vorderen Mitte, in der Nähe des Ballons mit der Zeit für 1:45. Es war etwas kühl, aber langsam kam die Sonne hervor – perfekte Laufbedingungen. Im Unterschied zu anderen Volksläufen starteten die Läufer um den genannten Ballon relativ gemütlich. Das Feld war auf den ersten zwei, drei Kilometern ziemlich dicht und das Überholen daher schwierig. Dies kam meinem Ziel, locker zu starten, sehr entgegen.

Schon bald zogen wir dann am 1:45 Ballon vorbei. Dies hatte den Vorteil, dass wir nicht in die Quere kamen mit der Traube, die sich um den Ballon herum meistens bildet. Dafür folgte immer wieder ein Blick nach hinten und die Unsicherheit, ob der Pacemaker einem plötzlich einholt. Bei der ersten Verpflegungsstation war ich richtig warm, das Laufen fühlte sich aber noch nicht wirklich anstrengend an. Mein Fokus war nach aussen gerichtet. Ich hatte noch Luft, um Beobachtungen zu besprechen oder über Basel zu reden.

Alleine wäre ich auf den nächsten paar Kilometer wahrscheinlich etwas gemütlicher gelaufen. Ich hatte aber einen motivierenden Begleiter, der mich zog und wir waren bereits ab Kilometer 5 für meine Verhältnisse sehr schnell unterwegs. Um mich nicht zu früh zu verausgaben, versuchte ich ab und zu auf meine Herzfrequenz zu achten. Diese pendelte sich bald bei 180, meiner anaeroben Schwelle, ein.

Sobald es leicht bergauf ging oder wir etwas zu schnell wurden, kam ich massiv ausser Puste, bis mein Puls wieder unter 181 sank. Die Zeit pro Kilometer betrachtete ich bewusst nicht. Mein Hauptziel war es, mit einem guten Gefühl bis ins Ziel zu laufen. Ich wollte die bestmögliche Zeit erreichen, auf keinen Fall einbrechen und nach dem Lauf nicht komplett ruiniert sein. Falls dies dem Ziel 1:45 entsprach: Super. Falls nicht: Egal!

Bei der zweiten Verpflegungsstation im Gundeli war ich zum ersten Mal etwas besorgt, ob das Tempo nicht doch über meiner Leistungsfähigkeit liege. Das Laufen fühlte sich zwar gut, aber schon etwas wie ein Intervalltraining an, ganze Sätze brachte ich nicht mehr heraus. Es gab etwas isotonisches Sportgetränk, ein Stück Riegel in ganz kleinen Bissen und das Tempo wurde gehalten.

Die Strecke hinunter zum Zoo und die darauffolgende Schlaufe liefen mir ganz gut und ich habe wenige Erinnerungen daran. An die Steigung vom Barfi Richtung Uni hingegen schon. Der fiese Hügel brachte mich schwer an mein Limit - war dann aber doch recht schnell überwunden. Auf den nächsten Kilometern achtete ich auf eine lockere Lauftechnik mit vielen kleinen Schritten. Über das lockern der Arme versuchte ich ein unangenehmes Spannen im Nacken- und Schulterbereich zu lösen.

Dem Rhein entlang Richtung St. Johann lief es mir tiptop. Der 1:45 Ballon war noch immer nicht in Sichtweite hinter uns und ich war zum ersten Mal begeistert vom eigenen Tempo. Wenn ich die Geschwindigkeit durchhalten konnte, würde ich mein Ziel sogar übertreffen. Gemäss meinem Vorsatz musste ich mich ab 16 Kilometer nicht mehr schonen und ab 18 Kilometer wollte ich kämpfen, um mit letzter Energie möglichst schnell ins Ziel zu gelangen. Auf der Dreirosenbrücke sprach jemand auf Französischen über das bzw. die Biere im Ziel. Langsam kam die Vorfreude auf den Zieleinlauf.

Danach sagte ich erst mal nichts mehr. Ich blendete alle Informationen auf meiner Uhr aus, um ganz nach Gefühl zu laufen. Bei dieser Intensität wollte ich die Herzfrequenz lieber nicht sehen. Hauptsache weiter rennen. Eigentlich schaffte ich es, den ganzen Lauf durch Spass zu haben. Aber es wäre massiv übertrieben, von einem guten Gefühl zu reden, das ab Kilometer 16 eintrat.

Die lange Gerade Richtung Hafen habe ich sehr anstrengend in Erinnerung. Langsam setzte der «Tunnelblick» ein und ich konzentrierte mich einzig auf «dran bleiben, weiter rennen». Nach der Wende zurück Richtung Stadt gab mir ein Schluck Iso und ein kleines Stück Riegel Energie, um am persönlichen Limit weiter zu laufen. Als dann die Mittlere Brücke näher kam, war das Ziel spürbar nah und ich konnte wieder lachen. Fast geschafft. Auf der Zielgerade versuchte ich nochmals anzuziehen, um an jemandem dran zu bleiben. Dies war aber schlicht nicht mehr möglich und es wurde mir eher übel beim Versuch. Also einfach das Tempo halten, um die Kurve, etwas bergab und geschafft, unter 1:45!

Nach zwei Minuten verschnaufen fühlte ich mich wieder wohl und freute mich über den Lauf und meine Zeit. Die angespannte Atmosphäre vom Start hatte sich in eine gemütliche, glückliche Stimmung verwandelt. Für uns gab es ein wohl verdientes «Cola-Weizen» beim Zusehen und Anfeuern am Team-Lauf.

Wie ich im Nachhinein feststellte, lief ich eine Zeit von 1:42:23. Dies ist nur 3 Sekunden langsamer als meine persönliche Bestleistung von 2011. Für die drei Sekunden hätte es sich fast gelohnt auf die Uhr zu sehen.

In diesem Sinne, vielen Dank fürs Lesen, danke an die Organisatoren und vielleicht bis nächstes Jahr auf 42.19 Kilometer.