Die Diskussion um den Uber-Fahrdienst führt uns, wenn es nach der Gewerkschaft Unia geht, wieder in die Industrielle Zeit zurück. Wo es nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegeben hat. Wenn man an den Bahnhöfen sieht, wie stundenlang Taxis auf Kunden warten, wird eines sofort klar: Das ist ein ineffizientes System. Ein System, das Bedarf nach Fahrten effizienter vermittelt, ist besser für alle. Es gibt objektiv keinen Grund, sich für diese Taxischlangen einzusetzen. Auch die Fhrer, die dort stehen, würden wohl lieber fahren, wenn es Kunden gibt, statt auf sie zu warten. Ein Uber-Fahrer kann seine Zeit effizient einteilen, weil er über Informationen verfügt, wie viele Fahrten wo nachgefragt werden. Ob er dafür korrekt entschädigt wird, masse ich mir nicht an, zu beurteilen. Sicher ist, dass die Fahrer, die für Uber fahren, das freiwillig tun. Also geht die Rechnung wohl auf.

Arbeitsrechtlich ist Uber an und für sich ein gutes System. Jede Fahrt ist dokumentiert, man kennt Kunde und Fahrer, Spesen auf Seite des Gastes und die Abrechnung auf Seite des Fahrers sind zu hundert Prozent korrekt. Es gibt keinen Raum für Spesenbetrug, auch keinen Raum für Schwarzarbeit. Allein schon aus diesen Gründen sollte der Staat ein Interesse haben, dass es vermehrt solche Systeme gibt. Und es ist selbstverständlich, dass auf Umsätzen, die solche Systeme generieren, die MwSt, Sozialabgaben und Einkommenssteuer geschuldet sind.

Ob Uber ein Arbeitgeber ist oder nicht, ist in der Schweiz eine schwierig zu beantwortende Frage. Ein wichtiges Kriterium ist dabei folgendes: Kann der Uber-Fahrer seine Zeiten frei bestimmen oder nicht? Wenn er frei ist, ist die Frage anders zu beantworten, als wenn Uber vorgibt, wann und wo der Fahrer zu fahren hat. Das Angestelltenverhältnis hat nichts mit der Frage der Sozialversicherung zu tun. Diese müssen in beiden Fällen abgerechnet werden. Die Sprache der Gewerkschaften klingt wie nach dem 19. Jahrhundert, sicher nicht nach dem Jahrhundert der Digitalisierung. Heute und in Zukunft wird es eine Vielfalt von Arbeitsformen geben. Abhängigkeitsverhältnisse ändern sich. Mitarbeiter können sich heute ganz anders wehren und auf Missstände hinweisen. Schlechte Einträge etwa auf einschlägigen Plattformen haben grössere Wirkung als Unia-Megafone.