Genau 48 Stunden nach den Attentaten von Paris, starteten sämtliche verfügbaren Kampfjets der französischen Luftwaffe im Mittleren Osten, um insgesamt 20 schwere Bomben auf Stellungen der Terrormiliz IS abzuwerfen. Frankreichs Präsident François Hollande reagierte damit auf die mörderischen Anschläge vom Freitagabend. Sein Land ist im Innersten getroffen und steht weiterhin unter Schock.

Man kann die spontane, wütende Reaktion Frankreichs zum Teil verstehen. Sie gutzuheissen, fällt jedoch schwer. Die martialische Antwort auf die Terroranschläge ist mehr von Emotionen als vom Verstand geleitet. Das liegt auch ein wenig am französischen Temperament – in Paris sind politische Entscheide impulsiver als anderswo. Aber es macht die Dinge nicht besser. Schon gar nicht gegenüber einer neuen Dimension des Terrorismus, dem nur mit überlegtem Handeln zu begegnen ist.

Es stimmt zwar: Die Dschihadisten wähnen sich selbst im Krieg und zwingen ihn den zivilisierten Nationen – der ganzen Welt – auf. Doch mit Vergeltungsschlägen tappt Frankreich nur in die Falle des Terrors. Innenpolitisch mit dem Rücken zur Wand stehend, versucht er sich in Frankreich nicht nur als souveräner Landesvater, sondern auch als entschlossener Feldherr zu profilieren. Mit Bomben regelt er aber die gescheiterte Integration französischer Immigrantensöhne nicht, die ein Potenzial manipulierbarer Möchtegern-Dschihadisten geschaffen hat. Und diesem gewaltigen Problem ist mit der Bombardierung von IS-Stellungen im fernen Syrien nicht beizukommen.