Es ist seine vorletzte Saison und in gewissem Sinne auch seine letzte. Basels Theaterdirektor Andreas Beck hat gestern den Spielplan für 2018/19 vorgestellt. Er wird in einem Jahr auch noch denjenigen für die Saison 19/20 präsentieren. «Und zwar das komplette Programm: Spielplan, Besetzung und Budget», wie er betont.

Aber Beck wird kurz danach nicht mehr in Basel arbeiten, sondern ab September 2019 am Residenztheater München. «Der Auflösungsvertrag steht», sagt er. In der Schweiz werde man ja als Erstes gefragt, wie denn das mit dem Lohn geregelt sei, sagt er schnippisch. Dabei ist im Theaterbetrieb Usus: Die jeweils neue Leitung ist für die Vorbereitung der ersten Spielzeit mit einer Aufwandsentschädigung eher schlecht bezahlt. Dafür profitiert sie am Ende, wenn sie im letzten Jahr nicht mehr so viel gebraucht wird.

Zurzeit ist Beck in der Phase der Doppelbelastung. München fordert neue Ideen, Ankommen am Ort. In Basel soll es aber trotzdem an nichts fehlen. «Das ist intensiv», gesteht er.

Beck kennt das Basler Publikum

Eine «Lame Duck» ist Beck trotzdem nicht. Mit dem Briten Robert Icke, dem Isländer Thorleifur Örn Arnasson, dem Ungarn Andrés Dömötör, mit Regisseuren wie Stephan Kimmig oder Schorsch Kamerun bringt er neue, klingende Namen nach Basel. An der von Beck wieder belebten Basler Dramaturgie, dem Überschreiben von bestehenden Stoffen, halten er und sein Team fest.

Zurecht, denn es ist eine erfolgreiche Strategie. «Ich sag’s mal so: Das Schiff läuft und eine radikale Kurskorrektur wäre fahrlässig. Die Route führt nach Süden, aber doch mit einigen Abstechern auf unbekannte Inseln.»

Nach drei Saisons hat Beck ein Gespür für das Basler Publikum entwickelt. «Wie überall ist es auch hier so: Was man kennt, das funktioniert. Will heissen, ’Traviata’ funktioniert besser als ’Spieler’». Da unterscheide sich Basel nicht von anderen Orten. «Dennoch würde ich mir manchmal noch mehr Neugierde wünschen, eine grössere Bereitschaft, Stoffe, die ausserhalb des gängigen Repertoires liegen, zu entdecken», so Beck. «Anstatt immer das Bekannte abzufragen.»

Hier sei es so, und er meine dies keineswegs verbittert, dass am Ende des Abends gefragt werde: «War es mir das Geld wert?» Aber manchmal müsse eine Liebe eben auch grundsätzlicher Natur sein, ohne dass der Preis hinterfragt werde. Es passiere ja auch, dass Stücke, die einem im ersten Moment nicht gefallen, über die Zeit zu wichtigen Erinnerungen heranwachsen, so Beck.

«Theater ist keine Kapitalanlage. Es funktioniert anders. Im Gedächtnis, im Gefühl. Eine gute Aufführung, die etwas im Zuschauer bewegt hat, lebt in diesem fort bis an sein Lebensende.» Da ist die Leidenschaft des Theatermannes zu greifen: «Diese unbedingte Liebe, die fehlt mir manchmal hier. In der Kunst sollte man das Kosten-Nutzen-Denken hinten anstellen.» Wenn man das in den Vordergrund stelle, entdecke man nichts Neues.

Eine Frage der Politik

Wo die Liebe zur Kunst oder zum Theater hinfällt, kann aber durchaus marktwirtschaftlich begründet sein. Ein Theaterbesuch ist hierzulande oft ein teurer Spass. Dies obwohl Subventionen garantieren sollten, dass der Zutritt für alle Interessierten möglich ist.

Im deutschsprachigen Ausland sind die Ticketpreise um Vieles günstiger als in der Schweiz. Im Residenztheater München, Becks nächster Wirkungsstätte, kosten reguläre Tickets zwischen zehn und 54 Euro. In Basel liegen die Preise zwischen 30 und 137 Franken. Ein guter Premierenplatz kostet auch mal 180.

Beck würde gerne radikaler an den Preisen schrauben. 16 Franken pro Ticket, eine Flatrate, wie sie das Theaterhaus Gessnerallee in Zürich erfolgreich eingeführt hat, findet Beck «total richtig». Nur so könne eine grundsätzliche Neugierde erzeugt werden. Da sei jedoch die Politik gefragt.

In Basel gehört es zum Auftrag der Theaterleitung, 25 Prozent des Budgets selbst zu erwirtschaften. Ein hoher Wert. In München liegt dieser unter 20 Prozent, beim Basler Sinfonieorchester gar bei 13 Prozent.

Die Suche nach der Nachfolge Becks kommt nun in die heisse Phase. Die Findungskommission werde noch im Juni die Nachfolge bekannt geben, hiess es gestern. Wer immer es wird: Diese Person wird sich fragen müssen, ob die finanziellen Vorgaben für das Theater Basel richtig justiert sind.