Eingewandert, Fremde, Heimat – so manche Stichworte aus dem Titel der neuen Sonderausstellung im Museum.BL in Liestal lassen vermuten, dass es dieses Mal um die aktuelle Flüchtlingsdebatte geht. «Das war keine Absicht», verspricht Projektleiter Pit Schmid. «Aber auch zu dieser Debatte kann unsere Ausstellung etwas beitragen, ohne dass wir sie thematisieren.»

Warum es stattdessen in der Ausstellung «Eingewandert: Wie das Fremde Heimat wird» geht, erklärt sich am besten durch ihre Entstehungsgeschichte: Die Idee komme ursprünglich vom Kantonsarchäologen, so Schmid. Dieser habe erwähnt, dass er immer wieder mit Wanderbewegungen konfrontiert sei, und damit, dass es eigentlich nichts gibt, das schon immer da war. «Wir sehen immer nur einen sehr schmalen Ausschnitt, und an dem halten wir fest», sagt Schmid. Das heisst, was wir heute als Heimat empfinden, ist eine Momentaufnahme. Und was wir als so typisch baselbieterisch empfinden, hat oft eine ganz andere Herkunft.

D'Säägesse schlyffe und los goht's

Magerwiesen aus den Cevennen

Die neue Sonderausstellung zeigt ab Samstag, 21. Mai, zwölf Beispiele von prägenden Elementen der Region und deren Ursprung. So gehts von den französischen Cevennen auf die Magerwiese in Blauen, von China in die «Grün 80» in Münchenstein oder von Ostia in eine Sissacher Pizzeria. Damit sich der Museumsbesucher da nicht verirrt, kriegt er schon am Eingang einen Kopfhörer. Diesen kann er bei Betreten der Ausstellung einstöpseln, wo er mit einem musikalischen Video auf das Bevorstehende eingestimmt wird. «Nit vo do und ghört zu uns, alls het sini Gschicht», wird da gesungen.

La Tour de Liestal

Diesen Geschichten macht sich der Besucher ebenfalls mit Kopfhörer auf die Spur. «Es ist eine Reise durchs Baselbiet und gleichzeitig durch die Weltgeschichte», erklärt Schmid. Diese wird chronologisch aufgerollt. Die erste Station beschäftigt sich mit dem Entstehen unsere Landschaft vor rund 160 Millionen Jahren, die letzte mit den Errungenschaften, die aus dem Silicon Valley zu uns herrüberschwappen. Das Wort «Station» darf dabei wörtlich genommen werden. An einer Art Bushaltestelle können die Besucher jeweils Platz nehmen und ihre Kopfhörer einstecken. Dann hören sie plötzlich die zwölfjährige Lara und ihren Vater, die den amerikanischen Austauschschüler Julien durchs Baselbiet führen und dabei selbst jede Menge Neues lernen. So wird per Hörspiel erklärt, was es mit dem aktuellen Posten auf sich hat. Wer das Gehörte weiter vertiefen will, kann an jeder Station zwei fingierte Zeitungen lesen – eine aus der Fremde und eine aus der Heimat.

An jedem Posten haben die Besucher auf der einen Seite Aussicht auf den Ursprung eines Elements der Heimat, etwa auf eine Landschaft in Tansania oder auf das antike Ostia. Auf der anderen Seite ist das dazugehörige Bild aus dem Baselbiet zu sehen, etwa eine Bushaltestelle in Bubendorf oder ein Buchenwald auf dem Wartenberg. Dazu kommen Stücke aus der Museumssammlung wie Glasperlen aus einem Grab, einer der ersten Stromzähler oder ein Stück Schiene des grossen Eisenbahnunglücks in Münchenstein von 1891.

Ohne China wäre alles anders

Was jetzt zusammenhangslos klingt, zeigt dem Museumsbesucher klar: Was wir heute als baselbieterisch wahrnehmen, kam irgendwann von irgendwoher zu uns. Ohne Forschungsreisen nach China würde unsere Flora und Faune etwa ganz anders aussehen, und ohne Grafen, die ihre Macht ausdehnen wollten, wären Burgen heute nicht so typisch für das Baselbiet. Da passt es auch, dass die Besucher am Schluss selbst gefragt werden, was in Zukunft hier im Baselbiet heimisch werden soll. Und spätestens, wenn man am iPad die besten Antworten auf diese Frage aussucht, ist die Flüchtlingsdebatte wieder im Kopf. Denn neben Palmen, Reisfeldern und Seelandschaft gibt es dort auch die Vorschläge «Eritreer», «Syrer» und «Islam».