Ich liebe Bücher. Von aussen und von innen. Ich besitze sogar ein Buch nur mit Bildern von Bibliotheken. Trotzdem habe ich mich vor einigen Jahren entschlossen, einen E-Book-Reader zuzulegen. Ein Entscheid, der mir schwergefallen ist. Aber mein Koffer für die Ferien und meine Handtasche (ich schleppe mein aktuelles Buch immer mit mir herum) ist seither viel leichter geworden.

Das Knistern der Seiten und die schönen Covers fehlen mir. Eine Buchhandlung kann ich nicht ohne Bücher verlassen. Da ist es als Glück zu bezeichnen, dass mein Interesse für die Ornithologie und die Welt der Meere von einem E-Book-Reader nicht befriedigt werden können.

Wie komme ich auf das Buch «Der Pfau»? Sie kennen das sicher, oft liest man Bücher derselben Sorte. Immer wieder Krimis, Biografien, Liebesromane, Historisches, oder Werke der gleichen Schriftsteller. Jedenfalls erkannte ich bei mir diese Tendenz. Um dies zu ändern, habe ich mir ein Buchabo geschenkt. Aus einer Auswahl von 40 Büchern (Verlagsvorschläge) kann ich da jeden Monat vier Bücher wählen. Die Vorschläge erwarte ich immer mit Spannung.

«Der Pfau» war eine dieser Empfehlungen. Ein Buchtitel mit einem meiner geliebten gefiederten Freunde im Titel. Mein Interesse stieg. Im Kurzbeschrieb war zu lesen: «Ein völlig durchgedrehter Pfau, der bei Blau nur noch Rot sieht». Vogel und Farbe in einem Buch?! Als Malermeisterin und Hobbyornithologin war für mich alles klar: Ein rascher Klick, und der Pfau landete in meinem E-Book-Reader. Daher liegt das Buch nicht wirklich auf meinem Nachttisch.

«Der Pfau» überstand meine «Die ersten 20 Seiten»-Regel. Ein Schriftsteller hat jeweils zwanzig Seiten Zeit, um mich zum Fertiglesen zu gewinnen. Es gibt schlichtweg zu viele gute Bücher, aber zu wenig Lebenszeit, um schlechte zu lesen.

Bücher müssen nicht immer lebensweisend sein. Bücher dürfen auch nur zur Unterhaltung dienen. Ein Buch, das mir ein schallendes Lachen entlockt, hat meine grösste Hochachtung. Und Isabel Bogdan brachte mich mehrmals zum Lachen. Der deutschen Schriftstellerin gelang mit ihrem Debütroman ein Stück Wellness-Literatur.

Sie wählt als Handlungsorteinen heruntergekommenen Landsitz in den schottischen Highlands. Eine Gruppe Investmentbanker plus Chefin reist mit einem ambitionierten weiblichen Coach und einer kreativen Köchin aus London an, um in der ländlichen Abgeschiedenheit bei einer Teambildungsmassnahme die Zusammenarbeit zu verbessern. Da sind also vier Banker, die etwas werden wollen, und eine Chefin, die bereits etwas ist. Dazu die eigentliche Protagonistin des Buches: die Köchin. Als Gastgeber amten Lord und Lady McIntosh, alter Adel mit modernen Berufen. Sie ist Ingenieurin für Windkraftanlagen und er Altphilologe.

Amüsantes Chaos

Im grossen Park stolziert eine unübersichtliche Anzahl wild lebender Pfauen. Allerdings gerät einer der Vögel vom rechten Weg ab. Sei es, dass er schlecht sieht oder ihn ein pubertärer Hormonschub drängt: Er stürzt sich auf alles, was blau ist, und hackt kreischend und Flügel schlagend darauf ein. Dazu die eine oder andere Verwechslung. Diese Zusammensetzung reicht der deutschen Autorin aus, um ein amüsantes Chaos zu formen.

Die Autorin ist darauf bedacht, niemanden blosszustellen oder schlechte Eigenschaften (zum Beispiel bei der etwas schwierigen Chefin) direkt zu benennen, das alles geschieht durch die Blume.

Hinzu kommt der witzige Einfall mit dem Pfau, der grosse Verwirrung stiftet und dafür sorgt, dass jeder etwas vor dem anderen verheimlicht oder verheimlichen möchte beziehungsweise jeder von einer vollkommen anderen Situation ausgeht, was zu irrsinnigen Situationen führt. Herrlich entspannend.

Am Ende jedes Buches stelle ich mir die Frage: Mit welcher Figur kann ich mich am meisten identifizieren? Eine schwierige Entscheidung, aber für mich immer der krönende Abschluss einer Lektüre. Wer ist es in diesem Buch? Ja, das bleibt mein Geheimnis …

Isabel Bogdan: «Der Pfau»

Isabel Bogdan: «Der Pfau»