Der Krieg ist eine Konstante der Menschheitsgeschichte genauso wie das Theater. Nur logisch also, dass ein global ausgerichtetes Festival den Krieg auf unterschiedlichste Weise thematisiert. Das Theaterfestival Basel zeigt in der diesjährigen Ausgabe gleich drei Stücke, die sich explizit dem Thema widmen: Die Argentinierin Lola Arias, hierzulande bekannt durch ihre Arbeiten mit dem Schweizer Regisseur Stefan Kaegi, hat sechs Veteranen des Falklandkrieg dazu gebracht, 36 Jahre nach dem blutigen Konflikt gemeinsam auf der Bühne zu stehen.

Die in Ungarn geborene Choreografin Eszter Salamon untersucht Kriegstänze aus Regionen, gegen welche der Westen Krieg geführt hat. Jetse Batelaan und sein Theater Artemis haben sich gefragt, wie sie Kindern den Krieg erklären können. Die Holländer tun es anhand eines irrwitzigen Theaters der Objekte, das total aus dem Ruder zu laufen droht.

Alain Platel lädt zum Requiem

Die Programmmacher Tobias Brenk und Niklaus Bein zeigen in zwölf Tagen 18 Produktionen, die aktuelle Debatten, politische und wirtschaftliche Krisen aufgreifen. Zudem laden sie Stücke nach Basel, die von der erzählerischen Kraft des Theaters berichten. Diese wohnt der direkten Begegnung von Publikum und Akteur noch immer inne – trotz, oder gerade wegen der Globalisierung. Ihr Festival steht explizit für die grenzüberschreitende Kooperation von Künstlerinnen und Künstlern.

So lässt sich Germaine Acogny, die Ikone des zeitgenössischen Tanzes in Afrika, vom jungen französischen Regisseur Mikaël Serre inszenieren. Sie erzählt die Geschichte ihrer Familie über drei Generationen hinweg.

Oder da sind, sicher ein Höhepunkt des Festivals, Alain Platel und Fabrizio Cassol. Der Choreograf und der Komponist aus Belgien kreieren auf der Basis von Mozarts Komposition das «Requiem pour L.» Sie geben die Partitur in die Hände von Musikerinnen und Musikern aus dem Kongo, aus Südafrika, Brasilien und Europa und schaffen so eine globale «Ars Moriendi».

Der Ungare Kornél Mundruczó erzählt in «Imitation of Life» bildhaft, wie Armut und soziale Missstände die Würde des Menschen in seiner Heimat zerstören. Einen ironischen Blick auf den Nationalismus an der Donau werfen seine Landsleute Kristóf Kelemen und Bence György Pálinkás. Sie thematisieren die ungarische Akazie, eine Pflanze, welche die Ultrarechte Ungarns zum nationalen Symbol stilisiert, da aus ihr der Pàlinka, der Nationalschnaps gebrannt wird. Ironischerweise ist die Akazie aber vor 300 Jahren aus Amerika importiert worden.

Politisch wird es auch, wenn jeweils sechs Zuschauer am Tisch der belgischen Gruppe Ontroerend Goed die Mechanismen des Finanzkapitalismus durchspielen können. Neue Arrangements von Spiel und Zuschauer bieten zudem die Neuseeländerin Kate McIntosch oder der Nouveau Cirque Pakman. Dieser wird mit seiner Lastwagenbühne durchs Baselbiet touren. Theater für alle wird der Holländer Nick Steur auf dem Barfüsserplatz zeigen. Wie weiland Sisyphos hebt er tonnenschwere Steine zu Gebilden, welche die Gravitation ausser Kraft setzen.

Einen utopischen Gemeinschaftsgarten initiiert die Künstlergruppe Mamaza. Die Baslerinnen und Basler können in einem Biotop in der Turnhalle Klingental ihre Topfpflanzen in Urlaub geben. Sie werden das Ambiente bilden für Yogakurse, Konzerte, Diskussionen und viel Gemeinschaftsgefühl.


Theaterfestival Basel 29. August bis 9. September. www.theaterfestival.ch.