Der Mond sei weit mehr als eine Scheibe oder eine Sichel am Himmel, sagte die Kuratorin Cathérine Hug am Donnerstag vor den Medien. Der Beweis ist ihr mit der opulenten Ausstellung "Fly me to the Moon" gelungen. An thematischer und medialer Vielfalt lässt die Schau nichts zu wünschen übrig.

In acht Themenblöcken wie "Mondlicht und -schatten", "Mondkrankheiten und Grenzerfahrungen", "Moderne Kosmonautik. Kalter Krieg und Space Race" oder "Der Blaue Planet" finden sich rund 200 Malereien, Grafiken, Objekte, Fotografien, Videos und Installationen.

Parcours als Entdeckungsreise

Urheber der Werke sind in der Hauptsache internationale zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, wobei auch die Schweiz mit Roman Signer, Sylvie Fleury, Guido Baselgia, Marc Bauer, René Burri, Zilla Leutenegger, Pippilotti Rist, Ugo Rondinone, Michael Günzburger und Gianni Motti gut vertreten ist.

Beim Gang durch den verwinkelten und abgedunkelten Bührle-Saal folgen sich die Eindrücke Schlag auf Schlag. So wie der Flug zum Mond ist dieser Parcours eine Entdeckungsreise voller Überraschungen, wobei die Auswahl und die Gegenüberstellungen bisweilen auch verwirren.

Orientierungshilfe bieten die Texte, die in die Themenblöcke einführen. Empfehlenswert ist auch der Audioguide, der zahlreiche Kunstwerke hintergründig erläutert.

Erste Fotografie aus dem Weltraum

Anlass der Ausstellung ist die Mondlandung am 20. Juli 1969. Der Startschuss für den Space Race zwischen den USA und der Sowjetunion fiel allerdings zwölf Jahre früher, als der Satellit Sputnik in eine Erdumlaufbahn gebracht wurde. 1958 wurde in den USA die NASA gegründet, und 1961 schickte die UdSSR Juri Gagarin in der Raumkapsel Wostok 1 als ersten Menschen erfolgreich in den Weltraum.

Diese Ereignisse und deren künstlerische Verarbeitung sind in der Ausstellung verschiedentlich dokumentiert. Zum Beispiel mit der ersten von einem Menschen (John Glenn) aufgenommenen Fotografie aus dem Weltraum (Sonnenuntergang).

Die Ausstellung greift aber bis weit zurück ins 19. Jahrhundert und zeigt etwa Bilder von Johann Heinrich Füssli, in denen der Mond Szenen wie "Achilleus greift nach dem Schatten des Patroklos" (1803) in ein romantisch-fahles Licht taucht.

Mond als Omelette

Dass der Mond die Kunst bis in die Gegenwart zu faszinieren vermag, zeigt Cathérine Hug mit zahlreichen zeitgenössischen Werken, wobei sie auch vor Skurrilem nicht Halt macht.

So mutiert der Mond bei Michael Günzburgers Objekt "The dark side of the moon" (2006) zu einem Omelette. Zilla Leuteneggers Video "My First Car" zeigt einen Wagen, der durch eine gespenstische Mondlandschaft rast. Im Hintergrund schaut die Welt stoisch dem wunderlichen Treiben zu. Und absurd-witzig-utopische Züge hat eine Neoninstallation von Sylvie Fleury, die "High Heels on the Moon" in Aussicht stellt.

Wanderung nach Salzburg

Die Ausstellung "Fly me to the Moon" im Kunsthaus Zürich dauert vom 5. April bis 30. Juni. Anschliessend wandert sie ins Museum der Moderne in Salzburg. Im Ausstellungskatalog (57 Franken) schreiben verschiedene Autorinnen und Autoren über den Mond und seine Eroberung aus kulturwissenschaftlicher, technischer, ethnologischer und künstlerischer Perspektive. Das Rahmenprogramm ist unter www.kunsthaus.ch einsehbar.

Verfasser: Karl Wüst, ch-intercultur