Lehrer sind in einer schwierigen Situation. Vorbei die Zeiten, als sie mit Pfarrer und Arzt die Dreifaltigkeit der Weltdeutung verkörperten. Heute sind sie von den Lebensumständen genauso ge- und überfordert wie alle anderen. Nur dürfen sie das vor den Schülern natürlich nicht zeigen. Anders ist das im Lehrerzimmer.

Das Basler Vorstadttheater nimmt sich dieser Kammer in der neusten Produktion an. Es ist das dritte Stück in Folge, in dem sich das etablierte Jugendtheater mit dem Bildungswesen auseinandersetzt. «Das Lehrerzimmer – eine Passion» basiert auf Recherchen und persönlichen Erfahrungen in Lehrer- und Konferenzzimmern.

Regisseur Matthias Grupp und sein siebenköpfiges Ensemble drehen Freud und Leid des Lehrerdaseins ins skurril Humoristische. Das fantastisch vertrackte Bühnenbild gibt dem Stück zudem einen surrealen Dreh.

Die Schrankwand ist mal Küche, mal Klettersteig, mal Sitzungstisch oder Ruheliege. Figuren entschwinden wie Schlangenmenschen durch die kleinen Türchen. Rektor und Altreformpädagoge Pfeuti sticht immer dann, wenn’s brenzlig wird, wie ein Kuckuck aus der Tür hervor.

Hier, im Umfeld der trostlos immergrünen Topfpflanze, quillt Allzumenschliches aus allen Ritzen. Als Eltern sind diese Lehrer Versager. Als Ehepartner ebenso. Als Witzereisser sind sie peinlich. Die Sportlehrerin spurtet kopfvoran ins Burnout. Der Werklehrer liebt sein Holz so sehr, wie er seine Schüler hasst. Die Biolehrerin zwingt sich und ihre Schüler seit Jahren ins Korsett des Leistungswettbewerbs, während die Deutschlehrerin die lyrischen Fähigkeiten ihrer Schützlinge zum Nonplusultra stilisiert.

Willkommen im Intrigantenstadl

Diese Lehrerschaft im traditionsreichen Schulhaus Wiesengrund wird zwischen den eigenen pädagogischen Idealen, persönlichen Problemen und den Ansprüchen des Pisalehrplans aufgerieben, das Lehrerzimmer zum Intrigantenstadl. Da muss schon mal geübt werden, im richtigen Ton «guten Morgen» zu sagen.

Für die betroffene Berufsgruppe hält diese Groteske einige Lacher und Seitenhiebe bereit. Für die Schüler im Publikum dürfte die Produktion erhellend sein. Sie holt die Pädagogen vom Sockel. Im Lehrerzimmer läuft es nicht viel anders als auf dem Pausenplatz.

«Das Lehrerzimmer – eine Passion». Bis 28. April. Vorstadttheater Basel.