«Dr Jonas Breitenstein (*28. Augschte 1828 z Ziefe; †23. Mai 1877 z Basel)» – heisst es in der «Alemannischen Wikipedia» – «isch e Schwyzer Pfaarer un Volksdichter gsii.» Ein engagierter Zeitgenosse und Seelsorger mit offenen Augen, Gerechtigkeitssinn und grossem Herzen. Er baute eine Suppenküche auf, begründete eine Nähstube und den Frauenverein, der Alten und Gebrechlichen «Hülfeleistung» bot; die «jungen Leute» sammelte er im Gesangverein, und noch bevor er als achtfacher Vater selbst die Sorgen von Eltern kannte, gründete er «d Chlaichinderschuel».

Er half gern, erwartete aber Pflichtgefühl und Selbstverantwortung. War der erste Baselbieter, der (1852) auf St. Margarethen in Binningen als Pfarrer eingesetzt wurde; doch da der Lohn für die grosse Familie nicht reichte, liess er sich 1870 zum Sekretär der Freiwilligen Armenpflege in Basel wählen und wurde 1872 Bürger der Stadt.

Vorbilder Hebel und Gotthelf

Und neben allen Ämtern und Diensten war er Dichter und sah in Johann Peter Hebel sein Vorbild. Benützte sowohl Mundart wie Hochdeutsch; verfasste Gedichte, Erzählungen, «Lebensbilder» und lange Versepen – «Idyllen» – in Hexametern: «Der Her Ehrli» etwa und «S Vreneli us der Bluemmatt», die als seine Meisterwerke gelten.

Zu einem «Baselbieter Gotthelf» hat es zwar, literarisch gesehen, nicht ganz gereicht, aber er hat seinen Platz als erster Dialektdichter des Baselbiets und seine Texte sind bei aller zwischenmenschlichen Dramatik auch wichtig als fein beobachtete Zeugnisse des Alltagslebens im 19. Jahrhundert. Behaftbar, sachkundig und menschenfreundlich; und die gelegentliche erzieherische Tendenz wird aufgefangen von Witz und warmherzigem Humor.

Aus der Vergessenheit holen

Aber «jetzt weiss man nichts mehr von ihm», beklagt Maja Samimi. «Auch in den Schulen nicht. Dabei gehörte er eigentlich zum obligatorischen Stoff.» Zusammen mit einer Gruppe engagierter Mitstreiter(innen) hat sie noch in ihrer Zeit als Leiterin des Binninger Dorfmuseums die Edition der Schriften Breitensteins begonnen und diese sorgfältig und beharrlich durchgezogen; immer in Kooperation mit dem Dichter- und Stadtmuseum in Liestal, wo Breitensteins Nachlass liegt.

Morgen Abend findet im Basler Schmiedenhof nun die Buchvernissage des dritten, dicksten und abschliessenden Bandes statt. Damit ist «zum ersten Mal das literarische Schaffen von Jonas Breitenstein in seiner ganzen Breite und Vielfalt greifbar», sagt Maja Samimi nicht ohne Stolz – und zwar nicht nur die bisher bekannten und längst vergriffenen Texte, sondern auch «eine ganze Reihe weiterer, bisher unbekannter Erzählungen». Sie wurden aufgestöbert, entziffert, transkribiert; ein bewundernswerter jahrelanger Effort, den man den Bänden nicht anmerkt.

Sie kommen souverän und schön gestaltet daher, sind eine anregende Lektüre und haben kulturhistorisches Gewicht: Die literarischen Texte wurden ergänzt um Vorworte, Glossare, den Familienstammbaum, zahlreiche Bilder, Dokumente, Personen- und Sacherklärungen. Eine Lektüre, die Breitensteins bescheidene Autor-Erwartung schliesslich bei weitem übersteigt. In der Widmung zum «Vreneli» schrieb er nämlich: «Ich bitt ech: nemmet’s fründlig a, / Wie’s isch, ’s isch wäger nit vill dra, / ’S isch zuer Erholig gsi für mi, / ’S will au für euch nüt anders si.»

Die Vernissage des dritten und abschliessenden Breitenstein-Bandes findet am Freitagabend um 19.30 Uhr im Zunftsaal Schmiedenhof statt.