Ein grosser Vorteil von Regisseurin Suna Gürlers Zugriff: Es hat sicher keinen Streit darüber gegeben, wer den Hund spielen darf. Genauer: Die sympathische Hündin Dinka. Alle fünf jugendlichen Darsteller dürfen sich die Hundemaske mal überziehen und darunter sehr befreit ein Tier sein: Krauleinheiten einfordern, sich anschmiegen, herzig sein, störrisch sein, den Bösewicht in die Hand beissen.

Meist abwechslungsweise, manchmal im Chor: Alle sind alle in dieser neuen Stückfassung von David Grossmans Roman «Wohin du mich führst». Neben vielen Kürzestrollen sind sie reihum einer der drei Protagonisten: Da ist der 16-jährige Assaf, der eigentlich nur ein wenig Geld bei einem Job im Tierheim verdienen wollte. Da ist eben diese herrinnenlose Hündin Dinka, die Assaf an der Leine in ein Abenteuer zieht. Und alsbald landen sie im Versteck der Hundebesitzerin: Tamar, die ihren drogenabhängig gewordenen Bruder aus den Fängen einer mafiösen Bande befreit.

In hohem Tempo wechseln die Schauspieler von Rolle zu Rolle, von Gruppenformation zu Formation. Alina Immoos, Fabio Savoldelli, León Cremonini, Milla Grobéty und Paula Müller geben sich voller Energie, Lust und Wachheit in dieses Karussell. Was nun auf der Bühne ganz leicht und natürlich wirkt, soll den Jugendlichen zunächst sehr schwer gefallen sein, erwähnt später Theaterleiter und Dramaturg Uwe Heinrich. Denn normalerweise dürfen die jungen Darsteller zu weiten Strecken authentisch sein oder zumindest eine zu ihnen passende Rolle spielen. Diesmal sei das zum ersten Mal anders.

Junger Basler hat Stück verfasst

So natürlich wie ihr Spiel wirken auch die Dialoge in mehreren Dialekten. Als ob «Wohin du mich führst« von Anfang an ein Schweizerdeutsches Jugendstück wäre und kein israelischer Roman. Da hat der junge Basler Autor Lucien Haug aus der 440-seitigen Vorlage ein sehr stimmiges Stück verfasst.

Nach viel Action folgt ein Innehalten: Was ist, wenn Tamars lebensgefährlicher Rettungsversuch nur dazu führt, dass der Bruder bald wieder in die Sucht zurückfällt? Was solle sie tun, es gar nicht erst versuchen? «Ich kann nicht nichts machen, weil ich Schiss habe, dass es nicht gut herauskommt», sagt Tamar. Schnitt. Da, wo der Roman auf sein glückliches Ende zusteuert, wagt das Theater, es offenzulassen.

Am Freitag ist die nächste Vorstellung. Weitere Daten: jungestheaterbasel.ch