Ontologie ist das Studium des Seins, und die objektorientierte Ontologie (OOO) die Philosophie, die unser Sein über menschliche Perspektiven hinweg zu verstehen versucht. Wider den Anthropozentrismus, Objekte haben ein Eigenleben. Dies führt uns nach Andreas Angelidakis an einen Ort, an dem keine Grenzen mehr bestehen zwischen Wissen und Nicht-Wissen, Verstehen und Nicht-Verstehen, Mögen und Nicht-Mögen.

«OOO Object Oriented Ontology» heisst auch die Ausstellung, die Angelidakis in der Kunsthalle Basel als Beitrag an die Jahresausstellung Regionale kuratiert hat. Der griechisch-norwegische Künstler und Architekt setzt sich immer wieder mit der Region auseinander. An der Dokumenta in Athen füllte er eine Wohnung mit psychedelischen Installationen, die das Wesen Athens als Raum analysierten. Auch in Basel setzt Angelidakis auf Objekt-Psychedelik und versteht seine Ausstellung als Installation. Doch was bedeutet das alles für die ausgestellte Kunst?

Angelidakis wählte aus 800 Dossiers über 100 Werke von 46 Kunstschaffenden aus, um sie zu einer «Wolke» zu vereinen. Als historischer Ausgangspunkt dieser Masslosigkeit dient ihm die traditionelle Weihnachtsausstellung der Kunsthalle, die früher alle Mitglieder des Kunstvereins ihre Werke präsentieren liess. Seit je ist die Schau dabei von der Diskussion um Exklusivität und Inklusion begleitet. Zum 50. Mal jährt sich der Eklat von 1967, als abgewiesene Künstler und ihre Sympathisanten Bilder abhängten, übermalten und Ohrfeigen verteilten. Gleichzeitig wird die Regionale gerne als Sammelsurium verspottet. Diese widersprüchliche Geschichte wird nun um ein Kapitel erweitert.

Wie ein analoges Internet

Angelidakis bezeichnet seine Wolke als ein «Hyperobjekt», das die regionale Kunstproduktion zu einer Masse verschmelzt, die von den Beziehungen zwischen den Einzelwerken zusammengehalten wird. Das Konzept des «Hyperobjekts» ist eine Spielart der OOO, die als philosophischer Trend vor ein paar Jahren in die Kunst überschwappte; wobei es irgendwie logisch erschien, dass Künstler Objekten ein Eigenleben zugestehen wollen. Dem Diskurs, der bis anhin vor allem von Post-Internet-Künstlern geprägt werde, wolle er nun Malerei beifügen, so Angelidakis.

Tatsächlich lässt sich seine Ausstellung als eine Art analoges Internet erleben, ein virtuelles Erlebnis im Ausstellungsraum – mit Bilderflut und Orientierungslosigkeit, und ohne Qualitätskontrolle? Angelidakis begnügt sich nicht mit den Wänden der Kunsthalle, sondern schafft mit Holzkäfigen neue Räume, die Orientierung nehmen und Platz schaffen für überraschende Mini-Inszenierungen. Hier herrschen keine optimalen Lichtverhältnisse, sondern liegen Neonröhren und Baustrahler als visuelle Stolperfallen auf den Böden verstreut. Genausogut könnten sie selbst Kunst sein. Sind sie ja irgendwie auch.

Dass dieses «Hyperobjekt» als Abwertung des einzelnen Werks verstanden werden kann, liegt auf der Hand. Man sieht es am Vernissageabend in den Gesichtern gewisser Künstler und hört es in den Gesprächen, die im Foyer der Kunsthalle intensiver sind als nach manch anderer Eröffnung. Ein Kurator hat die Aufgabe, Kunst zu präsentieren und nicht zu kreieren! Malerei wird wiedermal zum Mittel des Zwecks degradiert! Und wie schmeichelhaft ist die Teilnahme an einer Ausstellung, die offensichtlich auch schlechte Kunst zeigt? Die Einwände sind verständlich. Doch macht alles wohl vor allem deutlich, dass wir es hier mit dem Werk eines kuratierenden Künstlers und nicht eines Kurators zu tun haben.

Überraschend transparent

Wohl nicht zufällig wird Angelidakis von Kunsthalle-Direktorin Elena Filipovic dem Vernissage-Publikum als «architect, artist and sometimes curator» vorstellt. Auch dem Künstler-Kurator kann dabei wenig vorgeworfen werden. Der theoretische Unterbau der OOO fällt wohl ein wenig flach, auch angesichts dessen, dass Angelidakis seinen Objekten schon immer Persönlichkeit zusprach. Sonst aber läuft hier alles überraschend transparent ab. OOO ist ein Trip und macht Spass.

Davon kann man halten, was man will – und genau deshalb erweist sich die Wahl von Elena Filipovic als äusserst gewitzt. In Bezug auf die Regionale 18 mit Sicherheit, und hoffentlich auch auf die Diskussion zeitgenössischer Ausstellungspraxis an sich.