Da fläzt sie auf dem Sofa und langweilt sich. Eine junge Dame, platinblond perückt, weiss gekleidet, in roten Stöckelschuhen. Typ Lady Gaga. In den Händen eine «Vogue», an den Wänden Vasen wie Nasen.

Vor ihr liegt ein Hündchen, ein süsser Pudel. Hin und wieder gähnt er, und die Lady hebt den Kopf.

Das lebt, was man hier sieht – und ist doch wie gemalt in Szene gesetzt. «Tableau vivant» heisst so was, wenn man Kunsthistoriker fragt. Eine Darstellung durch lebende Personen, die Ende des 18. Jahrhunderts erstmals aufkam (wenn man Wikipedia fragt).

Dieser formschönen Installation begegnet man an der Art Unlimited, in Halle 1, wo die Kunst den Rahmen sprengt. Geschaffen hat sie John Baldessari, der heute seinen 86. Geburtstag feiern kann. Ein alter Meister, der die Konzeptkunst geprägt hat, sprich: Ein Name, den sich auch Laien merken sollten. 2009 schuf Baldessari dieses «Ear Sofa; Nose Sconces with Flowers (In Stage Setting)» für eine Retrospektive, die ihm die weltberühmte Londoner Tate Modern widmete.

Inspirieren liess er sich unter anderem vom Jugendstil, der ihn fasziniert, weil «er so überdesignt ist, so theatralisch», wie er in einem Interview sagte. «Deshalb passt er gut zu neureichen Menschen.» Deren gepflegte Langeweile manifestiert sich in seiner Installation auf wunderbar ästhetische Weise. Warum aber Ohren und Nasen, die schon in früheren Werken eine Rolle spielten? «Augen und Münder tauchen in der Kunstgeschichte schon an vielen Stellen auf. Aber niemand hat sich wirklich mit Nasen und Ohren beschäftigt», so Baldessari. Damit hatte er den richtigen Riecher.

Was die Kaufmöglichkeit und den Preis angeht, so gibt sich die Galerie Sprüth Magers (Berlin, London) äusserst bedeckt. «Auf Anfrage» heisst es – auf unsere Anfrage.