Die Bedeutung der Pressefotografie als kulturhistorische Quelle ist in der Schweiz erst seit 15 Jahren erkannt. Das erstaunt, da ihre Leistung als Träger des kulturellen Gedächtnisses eines Landes oder Kontinents wichtiger Bestandteil für dessen Identitätsbildung ist. So auch für Afrika, um das sich die Ausstellung «Bilder des Zeitgeschehens. Pressefotografie und Pressearchive in Afrika» dreht.

Sie ist von der Organisation African Photography Initiatives (APhl) kuratiert und konzipiert. Die APhl setzt sich seit 2007 für den Schutz und die Erforschung des fotografischen Erbes Afrikas ein und wurde von Jürg Schneider und Rosario Mazuela gegründet. Der Ausstellungsort in der Universitätsbibliothek Basel ist ab diesem Samstag bis 26. August geöffnet.

Der herrschenden Bedrohung der Pressearchive in Afrika soll durch ein öffentliches Aufzeigen des Materials entgegengewirkt werden. «Das kulturhistorisch bedeutende Material im Pressefotoarchiv von Buea ist vom Verfall bedroht.

Es läge in der Verantwortung des Staates Kamerun, die dringend notwendigen Ressourcen zum Schutz der Fotografien und Negative zur Verfügung zu stellen. Was leider nicht passiert», erklärt Jürg Schneider. Da das internationale Interesse an der afrikanischen Pressefotografie in den letzten Jahren zugenommen hat, ist eine Sensibilisierung auch ausserhalb von Afrika sinnvoll.

Die Themen sind anders

Unterschiede zwischen der europäischer und der afrikanischen Pressefotografie, wenn es diese wirklich gibt, lassen sich laut Schneider eher an der Themenwahl als an der Bildsprache ablesen. Die Entwicklung eines internationalen Standards und der Einfluss des Medienmarktes machen die Kriterien des Pressebereichs grösstenteils homogen.

Auf afrikanischen Pressebildern ist kein vermeintlicher Kitsch oder Elend abgebildet, sondern der Alltag im staatlichen Handeln. Dieser zeigt die Bedeutung eines Staates an. So sind oft Bilder von Delegationen wirtschaftlicher Entwicklungsorganisationen abgebildet, auf denen sich zwei Männer die Hände schütteln. Um den Alltag im staatlichen Handeln, in seiner geschichtlichen Betrachtung, genauer zu analysieren, ist das Pressematerial für die Forschung von grosser Bedeutung.

Innerhalb der Erforschung der Pressefotografien und Pressearchive in Afrika kann man, wie in jedem anderen Forschungsbereich auch, Schwerpunkte setzten. Ein von Schneider genanntes Beispiel ist die genaue Nachverfolgung der «National Day»-Paraden über einen Zeitraum von 40 Jahren. Dabei konzentriert sich der Forscher auf die Frage, ob und wie an diesen Anlässen die Präsidenten abgelichtet werden.

Allgemein geht es bei dieser Art der Forschung also um ein Nachverfolgen von Ereignissen oder gesellschaftlichen Konventionen. Einzelne Gesten können dabei ebenso viel offenbaren. So erklärt Schneider: «Auffällig ist zum Beispiel, dass in einem Gruppenfoto von Afrikanern und Europäern erstere nur selten mit gekreuzten Beinen dasitzen, während es bei den Europäern gerade umgekehrt ist.

Natürlich sind dies zuerst einmal Konventionen, aber es lohnt sich zu fragen, wer an welchen Anlässen solche Konventionen ausser Acht lässt, und warum diese Person glaubt, sich diese ‹Unanständigkeit› leisten zu können.»