Frau Egger, sind Sie zufrieden mit dem Start von Rossinis La Cenerentola?

Esther Egger: Ich bin sehr zufrieden. Die Produktion 2018 ist grossartig. Wir haben auf ein junges Team gesetzt und dieses arbeitet hochprofessionell und auf einem Topniveau. Die Umsetzung der 1816 uraufgeführten Oper von Rossini in die heutige Zeit gelingt mit dem Glücksrad und einer damit verbundenen Casting-Show auf äusserst unterhaltsame Weise. Die witzige Inszenierung mit vielen Verwechslungen und Verkleidungen und die herrlich gezeichneten Charaktere lassen das Publikum immer wieder schmunzeln und provozieren spontane Lacher. Trotz ein wenig Klamauk ist die tiefgründige Absicht, dass nicht nur Schönheit, sondern Werte wie Demut, Natürlichkeit und Bescheidenheit zählen, sehr gut umgesetzt. Dazu verzaubert die wunderbar perlende Musik von Rossini den Schlosshof und seine Gäste.

Sie sind seit 2005 im Vorstand und seit 2007 Präsidentin des Vereins. Wie beurteilen Sie La Cenerentola im Vergleich zu den anderen Opern? Was ist besser, was schlechter?

Die bisher gespielten Opern in besser und schlechter einzuteilen, wäre nicht korrekt. Jede Oper hat ihre Eigenheiten und Höhepunkte und jeder Regisseur, jede Regisseurin prägt eine Oper mit seiner/ihrer Persönlichkeit. Aus Sicht des Vereins hat sich bewährt, dass seit 2012 auf bekannte Opern gesetzt wurde. Publikumsmässig war Il Barbiere di Siviglia im Jahre 2012 das absolute Highlight. In diesem Jahr haben wir aber eine spezielle Neuheit. Im Schlosshof wurde erstmals ein Kubus aufgebaut, in welchem auf der Höhe des Publikums das Orchester spielt und der gleichzeitig auf zwei Ebenen als Spielbühne dient. Die musikalische Qualität konnte so nochmals merklich gesteigert werden. Ebenso ist die Bühne von allen Plätzen noch besser einsehbar. Das Gesamterlebnis hat sicher nochmals gewonnen.

Wie war das Echo beim Publikum?

An der Premiere habe ich rundum begeisterte Stimmen gehört und Komplimente erhalten. Die tolle Gesamtleistung – die Sängerinnen und Sänger bestechen nicht nur durch wunderbare Stimmen, sondern auch durch schauspielerische Höchstleistungen – wurde immer wieder durch Szenenapplaus bestätigt, und unser Opernorchester Argovia Philharmonic hat einmal mehr seine Klasse bewiesen. Ich hoffe, dass diese Begeisterung weitergetragen wird, denn persönliche Referenzen sind immer die besten.

Wie steht es mit der Ausstrahlung?

Die Oper Hallwyl strahlt sicher über den Kanton Aargau hinaus. Gäste aus der Zentralschweiz und auch aus Basel, Solothurn und Zürich bestätigen dies. Es ist seit je das Ziel des Vereins, den Kulturkanton Aargau mit dem Museum Aargau auf Schloss Hallwyl in der ganzen Schweiz bekannt zu machen. Es freut uns deshalb sehr, dass während der gesamten Proben und an der Premiere der Oper 3sat und SRF für eine Sendung zu den Inseln der Schweiz auf Schloss Hallwyl gefilmt haben. Der Beitrag erscheint allerdings erst im Herbst 2018.

Wie viele Zuschauer müssen die Oper besuchen, damit sie eine schwarze Null schreiben?

Ungefähr 9000.

Sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Ticketverkauf? Wie ist die bisherige Auslastung?

Zufrieden sein darf man nie, solange nicht ausverkauft ist, und das sind wir bis anhin nicht. Die Auslastung ist jedoch keine verlässliche Kennzahl, da diese direkt von der Kapazität der Bühne abhängig ist. Aber im Moment wünschten wir uns schon eine bessere Auslastung. Dazu muss man sagen, dass sich die sehr guten Kritiken in der Presse und die begeisterten Zuschauerreaktionen auch erst jetzt auf die Verkäufe auswirken können.

Worauf führen Sie die Zurückhaltung des Publikums zurück?

Auch bei der Oper Schloss Hallwyl bestätigt sich der allgemeine Trend zu kurzfristigen Buchungen. Die heute üblichen platzgenauen Ticket-Bestellungen ermöglichen, dass nicht schon im Winter eine Sommeroper gebucht werden muss. Äusserst ärgerlich, ja gar frech ist, was sich die fremde Ticketing-Plattform Viagogo leistet. Sie vermarktet Tickets zur Oper Schloss Hallwyl zu horrenden Preisen und unangemessenen Gebühren. Sie agiert mit falschen Angaben zu Platzkapazitäten (wie z. B. ausverkaufte Aufführungen), Kategorisierung der Plätze, Türöffnungszeiten etc. Dieses Vorgehen erstaunt nicht. Die FIFA hat im Zusammenhang mit der WM in Russland Viagogo wegen Verstoss gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verklagt.

Werden Sie gegen Viagogo vorgehen?

Wir haben Viagogo per Einschreiben abgemahnt. Ob dies allerdings nützt, ist fraglich, ein langer Rechtsstreit wäre vermutlich teuer und nicht vor dem Ende der Oper abzuwickeln. Es ist uns aber zunächst sehr wichtig, dass unser Publikum Bescheid weiss über diese fragwürdigen Machenschaften und nicht auf diese falschen Angebote hereinfällt.

Freilichtveranstaltungen sind stark wetterabhängig. Wie glauben Sie, wirkt sich die Hitze auf den Ticketverkauf aus?

Es ist schwierig, zu sagen, ob das heisse Wetter Auswirkungen auf die Besucherzahlen hat. Die riesige Linde im Schlosshof, welche die Tribüne zu einem grossen Teil überschattet, und das Wasser rund um den Schlosshof lassen die Zuschauer die Hitze etwas weniger stark spüren. Wir hoffen, dass das schöne Wetter vielmehr animiert, sich eine Freilichtoper anzuschauen, als wenn Regen angesagt wäre.

Sind Sie mit der Unterstützung durch den Kanton zufrieden?

Der diesjährige Beitrag ist angemessen, da die Oper immer noch über ein Eigenkapital verfügt und kein gewinnorientiertes Unternehmen ist. Wir setzen uns zum Ziel, alle Rechnungen begleichen zu können und idealerweise ein geringes Eigenkapital für Unvorhergesehenes wie z. B. Schlechtwetterperioden äufnen zu können. Dies gelang bis anhin nicht immer, doch der Kanton unterstützt dies, indem er eine ausgleichende Unterstützungspolitik verfolgt. Zudem wurde dem Verein schriftlich die hohe Gewichtung der Oper Schloss Hallwyl durch den Regierungsrat bestätigt. Nach erfolgreichen Produktionen gibt es weniger hohe Beiträge, bei schlechteren Ergebnissen werden die Unterstützungsbeiträge etwas erhöht. 2015 hatten wir aufgrund des grossen Erfolgs von 2012 einen geringeren Beitrag aus dem Swisslos-Fonds erhalten. Diese Politik ist sinnvoll.