Mit Kunst fängt es an: Weil das Kunsthaus Baselland seinen Eingang für einmal in den Seitenflügel verlegt hat, fällt der Blick gleich auf die erste Zeichnung. Da ist noch eine improvisierte Garderobe, sonst nichts.

Erst ganz am Schluss, nach dem Rundgang durch die verwinkelten Räume des ehemaligen Gewerbegebäudes, haben die Besucher und Besucherinnen ihr Eintrittsticket zu bezahlen.
Wer den Eingang gefunden hat, muss kurz darauf ein Kunstwerk durchqueren: die schwarze, schleusenartige Installation «Monument» von Georg Faulhaber.

Was als Erstes auffällt: Die ausgestellten Arbeiten haben viel Raum um sich. Später, im Untergeschoss, beeindruckt etwa die grosszügige Videoinstallation «Rauschen 2» des Basler Künstlerpaars Christine Camenisch und Johannes Vetsch: Ein raumfüllendes, düster-poetisches Durcheinander aus Ästen, Zweigen und Blättern, die ab und zu von einem Windstoss bewegt werden, umgibt den Besucher. Dumpfe Töne begleiten die Bilder.

In hartem Kontrast dazu gibt es daneben ein winziges Holzfigürchen zu entdecken – buchstäblich: Die Miniskulptur «Mann, rotes Hemd, blaue Hose» des Deutschen Hartmut Meyer misst nicht einmal drei Millimeter und ist nur mit einer Lupe wahrnehmbar.
In Präzisionsarbeit aus der Spitze eines einfachen Zahnstochers geschnitzt, nimmt der kleine Mann gleich einen ganzen Raum ein: an der Grenze zwischen Kunst und Handwerk.
So haben die unterschiedlichsten Werke gleichwertig Platz in der «Regionale», dem jährlichen Querschnitt durch das Kunstschaffen im Dreiländereck. «Being Syntopic» lautet hier der Titel, Dasein am selben Ort.

Die 22 Künstlerinnen und Künstler arbeiten in verschiedenen Gattungen und kommen aus den Zentren Basel, Freiburg, Karlsruhe und Strassburg, manche bringen dazu Auslanderfahrungen mit. Einmal mehr zeige die länderübergreifende Schau, «dass Kunst sich nicht eingrenzen lässt und dazu beiträgt, die Verbindung zum Anderen zu erhalten», hiess es an der Vernissage.

Der Blick von aussen

Doch wie wird das aktuelle Kunstschaffen im Dreiländereck von aussen wahrgenommen? Poka-Yio, griechischer Künstler, Kurator und Mitbegründer der Athen-Biennale, hat die Auswahl der diesjährigen Werkschau zusammen mit Kunsthaus-Direktorin Ines Goldbach getroffen. Er sei von der künstlerischen Vielseitigkeit und Kreativität in dieser Region mitten in Europa positiv überrascht, sagt Poka-Yio. Aber sein Eindruck sei auch, dass die Künstlerinnen und Künstler hier in einer Art Elfenbeinturm leben.

Ganz anders in seiner Heimatstadt Athen, wo Kunst in der aktuellen Krise eine andere Funktion erfülle, indem sie sich viel stärker und intensiver in Politik und Gesellschaft einmische. Einer der Gründe dafür sei, dass es in Griechenland keinen funktionierenden Kunstmarkt mehr gebe: «Die Dinge bewegen sich an den beiden Orten in völlig unterschiedlichen Geschwindigkeiten», stellt Poka-Yio fest. So sei er beim Kuratieren der Regionale nur selten auf Arbeiten mit einem politischen Hintergrund gestossen.

Kunsthaus Baselland Bis 8. Januar. St.-Jakob-Strasse 170, Muttenz. Öffnungszeiten: Di bis So, 11 bis 17 Uhr. www.kunsthausbaselland.ch