Am Ende waren sie sich alle einig, Findungskommission, Verwaltungsrat und Regierungsrat: Benedikt von Peter soll die Nachfolge von Andreas Beck antreten und das Theater Basel in die Zukunft führen.

Der 41-Jährige ist in Köln geboren, Opernspezialist und seit 2016 Intendant des Luzerner Theaters, ebenfalls ein Dreispartenhaus. Dort hat er einen Generationenwechsel vollzogen und die Struktur enthierarchisiert.

Dass er in der Oper gerne mit Mitteln des Erzähltheaters arbeitet, gehört zu den Qualitäten, die die Findungskommission überzeugt haben. Auch seine ganzheitliche Bespielung von Theaterräumen, seine Sozialkompetenz und Teamfähigkeit machen ihn für das Theater Basel zur «idealen Führungsperson», wie Verwaltungsratspräsident Samuel Holzach sagt.

Aussergewöhnlicher Regisseur

Keine Frau also, die das Rennen gemacht hat. Keine Absicht dahinter, sagt Verwaltungsrätin Caroline Barthe. Fünf Frauen und fünf Männer hätten es auf die Shortlist geschafft, Parität sei sehr wichtig gewesen beim Auswahlverfahren. Auch dass auf den Schauspielspezialisten Beck nun ein Opernmensch folge und damit eine ungeschriebene Regel weitergeführt werde, sei nie Bedingung gewesen.

Wie von Peter sich und seine Ideen präsentierte, wie er Publikum und Kritiker erfreut, habe für ihn gesprochen. Dass er zwischen den Sparten und Szenen Brücken schlage, sei eine weitere Qualität, die ihn auszeichne. Ganz abgesehen davon, dass er «einer der aussergewöhnlichsten Regisseure im deutschsprachigen Raum ist», wie seine künftigen Arbeitgeber schwärmen.

Benedikt von Peter studierte in Bonn Musikwissenschaft, Germanistik, Jura und Gesang. Seine Theaterkarriere begann er in der freien Szene. Mit Benjamin von Blomberg, dem designierten Direktor des Zürcher Schauspielhauses, gründete er ein Theaterkollektiv. Später arbeitete er unter anderem in Berlin, Hannover und Frankfurt.

Auch das Basler Publikum bekam schon einen Eindruck seiner Handschrift: 2009 inszenierte er Francis Poulencs «Dialogues des Carmélites» und setzte dabei das Orchester auf die Bühne, «auf Augenhöhe mit dem Publikum», wie er es betont. Das Aufbrechen alter Strukturen sei ihm wichtig. «Unsere Generation beschäftigt sich ja mit der Frage, was nach dem klassischen Kanon kommt.»

Eine seiner Antworten: das Raumtheater. Als junger Regisseur benötigte er dafür Spielstätten, die ihm Vertrauen schenkten und ihn ermutigten. «Ich durchlebte damals eine Angstphase», sagt er. Eine Phase, in der er nie wusste, wie viele Chancen er noch erhalten würde.

Basel habe er als Oase erlebt, als angstfreien Ort, wo der damalige, gefeierte Opernchef Dietmar Schwarz Ruhe ausstrahlte. Offenbar war Schwarz beeindruckt vom Jungregisseur. Denn er gehörte nun der Findungskommission an, nebst zwei weiteren gestandenen Theatermachern: Stefan Bachmann und Stefanie Carp.

Lehrreiche Wanderjahre

Es seien lehrreiche Jahre gewesen mit dem Regietheater auf Reisen, resümiert von Peter. 2011 brachte er Richard Wagners «Parsifal» in Basel auf die Grosse Bühne – und spaltete das Premierenpublikum mit seiner mehrstündigen Inszenierung.

Dass er Emotionen zu entfachen weiss, bestätigte Benedikt von Peter als Opernchef am Theater Bremen. Er überraschte mit seinen Interpretationen alter Klassiker: «La Bohème» präsentierte er ganz ohne Frauen, «La Traviata» als Monolog. «Benedikt von Peter suchte in seinen Inszenierungen stets das Aussergewöhnliche, fernab der gewohnten Interpretationen», hielt die norddeutsche «Kreiszeitung» vor seinem Abschied anerkennend fest.

2015 wurde er für seinen Mut mit dem Kurt-Hübner-Preis ausgezeichnet, ehe er sich nach Luzern verabschiedete, wo man ihn ebenfalls als Erneuerer des Theaters feierte. «Und wo ich erstmals auch Budgetverantwortung für ein ganzes Haus trage.»

Keine einfache Aufgabe

Sein Abschied falle ihm schwer. «Ich habe mich nicht beworben in Basel, ich war sehr glücklich in Luzern», sagt er. Und er weiss auch, dass die Aufgabe nicht einfach sein wird.

Man könne es nicht schönreden, das klassische Stadttheater stecke in der Krise. «Es ist mir ein Anliegen, den Aufbruch, den Andreas Beck in Basel ausgelöst hat, weiterzuführen.» Zu den Herausforderungen gehöre auch, zu den Leuten zu gehen, die noch nicht oder nicht mehr ins Theater gehen. «Da klopf ich an. Wie wir das schaffen, werden wir noch sehen.»

Damit er seine Tätigkeit als Intendant auf die Saison 2020/21 wahrnehmen kann, bedurfte es des Goodwills des Luzerner Theaters. Sein Vertrag wäre eigentlich erst ein Jahr später ausgelaufen. So wie Basel dem aktuellen Leiter Andreas Beck entgegengekommen ist, der zum Münchner Residenztheater wechselt und seinen Vertrag nicht bis zum Schluss erfüllen wird, so wird auch von Peter Luzern vorzeitig verlassen. Und zumindest 2020 noch einige Monate, wie er offen zugibt, für beide Häuser tätig sein.

Eine weitere Kaderstelle am Theater Basel wird demnächst ausgeschrieben: Verwaltungsdirektorin Danièle Gross hat nach 12 Jahren die Kündigung eingereicht und wird das Haus Ende November verlassen.

Der 41-Jährige leitet seit 2016 das Theater Luzern, ebenfalls ein Dreispartenhaus, bei dem er einen Generationenwechsel vollzog. Wo er mit seiner Begeisterung und seiner Expertise mit spartenübergreifenden Arbeiten Publikum und Kritiker erfreut hat.

Dass er Emotionen zu entfachen weiss, hat Benedikt von Peter schon an seinem vorherigen Arbeitsplatz, dem Theater Bremen, gezeigt. Er leitete die Opernsparte und überraschte, ja, polarisierte auch mit seinen Interpretationen alter Klassiker: "La Bohème" etwa präsentierte er ganz ohne Frauen, "La Traviata" als Monolog einer gescheiterten Marilyn. "Benedikt von Peter suchte in seinen Inszenierungen stets das Aussergewöhnliche, fernab der gewohnten Interpretationen", hielt die norddeutsche Kreiszeitung vor seinem Abschied anerkennend fest. 2015 wurde er für seinen Mut und seine Arbeit mit dem mit Kurt-Hübner-Preis ausgezeichnet.

Er gilt als Erneuerer des Theaters

Einen neuen, frischen Blick verspricht man sich denn auch in Basel vom 41-Jährigen, der als Theatererneuerer gilt. 1977 in Köln geboren, studierte er in Bonn Musikwissenschaft, Germanistik, Jura und Gesang. Nach einigen Jahren in der Freien Szene inszenierte er unter anderem in Häusern in Berlin, Hannover und Frankfurt. Auch das Basler Publikum konnte sich schon einen Eindruck seiner Handschrift verschaffen: 2009 inszenierte er Francis Poulencs «Dialogues des Carmélites» und 2011 Richard Wagners «Parsifal», wo er das Premierenpublikum mit seiner vierstündigen Inszenierung spaltete, indem er das Warten auf Erlösung, diesen Stillstand, regelrecht zelebrierte.   

Dass er in der Oper gerne mit Mitteln des Erzähltheaters arbeitet, gehört zu den Qualitäten, die die Findungskommission überzeugt haben, auch seine ganzheitliche Bespielung von Theaterräumen, seine Sozialkompetenz und Teamfähigkeit machen ihn für das Theater Basel zur «idealen Führungsperson», wie der Verwaltungsrat mitteilt.

Damit er die Intendanz für das Theater Basel schon in der Saison 2020/21 wahrnehmen kann, bedurfte es des Goodwills des Luzerner Theaters.