Vrrroooaaaam! Sie fahren mit durchgedrücktem Gaspedal auf der letzten Strecke. Mit rasender Geschwindigkeit flitzen sie auf die Ziellinie zu, die Steuerräder ruckeln nervös zwischen den Fingern, genauso ungeduldig wie die Fahrer der sieben Rennwagen. Morgen ist es so weit; morgen erreichen sie das Ziel nach langen Wochen der Vorbereitung: die Eröffnung der Basler Theatertage Treibstoff und damit die Uraufführung sieben Theaterprojekte.

Sieben Theaterteams haben sich hierzu vor einigen Monaten in die Startlöcher begeben. Sie haben ihre Projekte bei einer Basler Fachjury eingereicht, wurden zu Gesprächen eingeladen, haben dort ihre Konzepte verteidigt, geistige Flexibilität und Teamgeist bewiesen und gehören nun zu den Erfolgreichen, die im Rennen rund 200 Bewerber von der Fahrbahn verdrängt haben. Sie gehören zur neuen aufstrebenden Nachwuchsgeneration Theaterschaffender. Sie kommen aus Basel, aus Dresden, aus Zürich, aus Jena, aus Berlin, aus Schaffhausen und und und.

Ein Produktionsfestival

Was sie nach Basel zieht, ist der Treibstoff in Form und Wert von 18 000 bis 25 000 Franken. Damit finanzieren sie ihre Projekte, die sie vom 2. bis zum 12. September im Roxy Birsfelden, im Jungen Theater Basel und an verschiedenen Orten in der Stadt Basel vorstellen. Es ist eine Basisförderung, die normalerweise die Kosten einer 2-Mann-Produktion deckt. Die Organisatoren der Theatertage stehen zusätzlichen Finanzierungen nicht im Weg: Jede Gruppe solle sich so organisieren, wie sie am besten arbeiten könne. Das betrifft die Zeiten und Dauer der Proben, aber auch die Finanzierung.

Treibstoff ist kein übliches Theaterfestival, sondern ein Produktionsfestival für Nachwuchskünstler. Das heisst, die Teilnehmer bewerben sich mit einem Papier, auf dem sie ihr Projekt beschreiben. Ein Projekt, das es erst noch zu entwickeln gilt. Ein Projekt, das in der Ausführung gelingen oder auch scheitern mag.

Es ist also ein Produktionsfestival mit Risiken und positiven Nebenwirkungen. Denn viele der bisherigen Teilnehmer haben den Sprung in die etablierte Theaterszene geschafft. Zum Beispiel Boris Nikitin, Ariane Koch, Thom Luz, Patrick Gusset, Phil Hayes und Zino Wey. Auch junge Grafiker kommen bei Treibstoff zum Zug. Das Duo Hanna Zürcher und Lorenz Peter, die für die letzte Ausgabe das Treibstoff-Design mit den farbigen Rauchschwaden entworfen haben, konnten danach ein eigenes Grafikbüro namens Rocket Ruby eröffnen.

Plattform für Nachwuchskritiker

Auch junge Nachwuchskritiker werden unter der Regie der Profikritiker Andreas Tobler und Christoph Fellmann vom «Tages-Anzeiger» gefördert. Sie können sich in den zwei Wochen, in denen die Theatertage stattfinden, als Kritiker versuchen. Eine Auswahl dieser Texte wird auf der Internetseite veröffentlicht.

Die Treibstoff Theatertage haben ihre Taufe längst hinter sich. 2004 wurden sie ins Leben gerufen. Damals verpflichteten sich die Theatertage den lokalen Nachwuchskünstlern. Heute ist das Produktionsfestival international geworden. Die Ausschreibung lädt auch junge Theaterschaffende aus Österreich, Deutschland und der restlichen Schweiz ein, in Basel ihre Projekte zu produzieren. Durch die Vermischung internationaler, nationaler und lokaler Künstler erfährt die Szene einen Aufschwung, das Netz wird breiter und dichter gewoben. Das Kriterium, das die Teilnehmer an Treibstoff zwingend erfüllen müssen, ist, dass sie noch Frischlinge auf ihrem Gebiet sind.

Die sieben Theaterprojekte wurden von einer achtköpfigen Jury ausgewählt, die aus folgenden Mitgliedern besteht: Boris Brüderlin, Fachausschuss Theater und Tanz beider Basel; Carena Schlewitt und Tobias Brenk, Kaserne Basel; Sven Heier und Yves Regenass, Roxy Birsfelden; Barbara Engelhardt, Kuratorin «Premières» und «Fast Forward»; Uwe Heinrich, Junges Theater Basel; Eva Heller, Projektleiterin Treibstoff.

Zudem: An jedem Spielort können die Zuschauer per Abstimmungszettel ihren persönlichen Favoriten unter den Theaterprojekten wählen. Am Samstag, 12. September, wird dann der Publikumssieger gekürt. Welche Theaterprojekte es zu entdecken gibt, erfahren Sie in der linken Spalte.

Mehr Informationen zum Programm finden Sie unter: www.treibstoffbasel.ch