Höchste Konzentration in einer alten Fabrik in Baden. Die spanische Tänzerin Carmen Iglesias und die arabische Sängerin Karima Nayt, zwei der zehn Künstlerinnen und Künstler der Compagnie, üben ein Wechselspiel aus Tanz und Gesang. Die dunkle Stimme von Nayt legt den Boden für Iglesias’ Bewegungen. Im Proberaum von Flamencos en route lässt sich die Spannung fast greifen.

Choreografin Brigitta Luisa Merki lässt wenige, aber präzise Anmerkungen fallen. Sie hält die Konzentration bis zur letzten ¬Minute hoch. Hier arbeiten Profis, die ihren Beruf nicht erst seit ein paar Wochen ausüben: Seit dreissig Jahren bringt Merki ihre Choreografien für Tänzer und Musiker auf die Bühne.

Inspiriert von Barockmalerei

Dabei belässt sie es nicht bei der spanischen Flamencotradition. In «Ritual y Secreto» (Ritual und Geheimnis), das am Freitag in der Dampfzentrale uraufgeführt wird, liegt die Aufmerksamkeit auf dem Wechselspiel von Verhüllen und Enthüllen. Und auf den Ritualen im Tanz, die das Archaische und Geheimnisvolle aufspüren.

Die Choreografie sei inspiriert von der Malerei des spanischen Barockmalers Francisco de Zurbarán (1598–1664), sagt Brigitta Luisa Merki in einer Probenpause. Zurbaráns malerisches Werk aus barocker Zeit wird als «Wunder der Inwendigkeit» beschrieben. Auch die Kostüme von Carmen Perez Mateos sind von seinen Bildern beeinflusst – den Frauenbildnissen «Las Santas». «Die Körper der Frauen scheinen unter ihren Gewändern ein Geheimnis zu tragen», sagt Merki. Sie nimmt diese Bilder und setzt sie in Bewegung um.

Ihre Choreografie lebt vom Austausch zwischen Tanz und Musik. Wenn Karima Nayt ihren arabischen Gesang unter den spanischen von Rocio Soto legt, sorgt das schon an der Probe für Gänsehaut. Wenn Flamencotänzer Eloy Aguilar mit seiner schweren Capote, dem Torero-Umhang, tanzt, knistert der Moment. Wenn Isaac Tovar dann Aguilar entgegentritt, dann tut er das mit jugendlicher Leichtigkeit und spielerischer Anmut.

Was mit einem durchdachten Thema beginnt, löst sich im zweiten Teil in purer Emotion auf. Die Tänzerinnen und Tänzer ergeben sich dem Rhythmus des Flamenco. Choreografin Merki versucht aus den Charakteren ihrer Tänzerinnen und Musiker sowie ihren Ideen ein Ganzes zu schaffen, das ankommt. Bislang mit Erfolg; Flamencos en route hat sich zum grössten Schweizer Flamenco-Publikumsmagneten getanzt und gespielt.