Aus 200 Bewerbungen begaben sich sieben Theaterproduktionen auf die Rennbahn der Treibstoff Theatertage. Unfallfrei haben alle sieben das Ziel erreicht. Seit Juli probten sie in Basel an unterschiedlichen Orten: im Theater Roxy, im Sportstadion-Rankhof, an der Technologie Messe in Basel, in einer Wohnung an der Mattenstrasse und im Jungen Theater Basel. Ihre Stücke produzierten sie mit dem vom Festival erhaltenen Treibstoff im Wert von 18 000 bis 25 000 Franken.

Sprit, der unterschiedlich gut brannte, aber allen die nötige Antriebskraft verschaffte, um über die Ziellinie zu flitzen. Für manche schien die Rennstrecke hürdenfrei zu sein, andere schleuderte es von der Fahrbahn in den Boxenstopp und wieder auf die Rennstrecke. Jedes der sieben Theaterteams fuhr einen eigenwilligen Fahrstil, der bei den Zuschauern unterschiedliche Reaktionen hervorrief: «Zu grossspurig», «avantgardistisch und unverständlich», «gelungen experimentell», aber auch «genial», wurden die Produktionen genannt.

Eine Erfolgsgeschichte

Angefangen haben die Theatertage mit einer Doppelpremiere, die für Langeweile und begeistert belustigte Teilnahme sorgte. Eine Gruppe befragte im Stück «Schichten» unsere Auffassung von Sein und Zeit anhand toten Gesteins; eine andere Gruppe formierte sich zu Kriegshelden und spielte in «Die grosse Schlacht» das Gemetzel bei St. Jakob um 1444 im Sportstadion Rankhof nach. Am nächsten Tag wurde die Ausstellung der irren Sonderbarkeiten «Komm auf meine Seite» in einer Wohnung an der Mattenstrasse eröffnet. Darin konnten sich die Besucher auf einen geruchsintensiven und entdeckerischen Parcours durch die Wohnung begeben und seine irren Bewohner kennenlernen.

Drei Projekte, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Und genau das zeichnet die diesjährige Treibstoff-Ausgabe aus: Ein bunter Mix aus Ideen und Menschen, der zu einer Erfolgsgeschichte geworden ist. Die diesjährige Ausgabe ist bereits die siebte. 2004 wurde Treibstoff gegründet, um der freien Theaterszene in Basel Nachschub zu besorgen. Aus dem einst lokalen Festival ist ein internationales geworden, das über die Ländergrenzen wirkt und auch dort noch Aufmerksamkeit bekommt.

Internationale Veranstalter sind in diesen zehn Tagen nach Basel gereist, um die aufstrebende Nachwuchsgeneration in Augenschein zu nehmen. Vertreter und Vertreterinnen von namhaften Theatern und Festivals – Hau (Berlin), Sophiensäle (Berlin), La Loge (Paris), Festival Actoral (Marseille) und Det Kongelige Teater (Kopenhagen) – waren unter den Zuschauern. Dass die Treibstoff Theatertage zu einer ernstzunehmenden und erfolgreichen Plattform gewachsen sind, widerspiegelt sich auch in den 200 Bewerbungen, die in diesem Jahr eingegangen sind — doppelt so viele wie in der vergangenen Ausgabe.

Rund 1500 Zuschauer seien zum Festival gekommen, das sind 100 mehr als in der vergangenen Ausgabe, wie die Geschäftsleiterin Eva Heller sagt. Die Auslastung liege somit bei 72 Prozent. Für Eva Heller und die Programmgruppe sei dies ein Erfolgserlebnis. Denn es sei ungewöhnlich und umso schöner, wenn die Zuschauer kommen, obwohl die Künstler noch unbekannt sind. Die Produktion «Days of the Dead» war immer ausverkauft und auch die letzte Premiere «Clap» bestätigte die Vermutung, dass man des Öfteren von diesen Künstlern hören wird.

Ein Grund zum Klatschen

Ihre Vorgänger haben es bewiesen: Thom Luz, Patrick Gusset, Ariane Koch, Zino Wey und Boris Nikitin, die bei Treibstoff ihre ersten Stücke produzierten, sind heute nicht mehr aus der freien Theaterszene wegzudenken.