Lasst den Löwen brüllen, das Matterhorn erstrahlen und die Titelmelodie erklingen! Der neuste Blockbuster aus Hollywood, will heissen den Niederungen des Schweizer Privatfernsehens hat Premiere gefeiert. Und die Stars stehen Schlange! «Me nennt mich de türkischi Schorsch Kluuni!», verkündet Cem lauthals. Und man muss sagen, ja, das tut man. So wie man den Munot die Schaffhauser Hagia Sofia nennt. Und Cem ist mehr als das, er ist offenbar auch der türkische Leonardo DiCaprio, denn bei seinem «Dreamdate» mit der holden Adela steht er mit ihr im Bug, wie jener weiland auf der Titanic hinter Kate Winslet.

Doch Cem ruft nicht «I’m the king of the world». Denn in Cems Welt, da ist der König der Welt ein kleiner Angestellter von Cem. «Du wirst ein grösseres Boot brauchen», sagte einst der Sheriff in «Der weisse Hai» – Das braucht auch Cem. Denn sein Ego braucht viel Platz. Es ist so gross, die Villa, in der nur noch vier von 22 Anfangskandidaten residieren, ist absolut voll.

Adela brüllt «Wir halten jetzt nach Norden, mein lieber Doktor, wir segeln wieder der Sonne entgegen.» Nein, tut sie nicht, denn Cem ist vieles, aber ganz sicher kein Doktor und der Satz ist von Russell Crowe in «Master and Commander». Adela flötet ganz unnautisch «let’s go captain!»

Dann geniessen die beiden nahezu nackt wie Gott, die Chirurgen, das Fitnessstudio und viel Kosmetikprodukte sie schufen eine Bootsfahrt durch die thailändischen Küstengewässer. Und Cem hätte Sonnencreme nehmen sollen, denn nun hat er eine rote Birne, dass man ihn auch für den türkischen «Hellboy» halten könnte. Und wir erfahren vieles über Cems Liebesleben mit «jo so öbbe 20 Fraue» zu dem Rhett Butler wohl seinen unsterblichen Satz sagen würde «Ehrlich gesagt, meine Liebe, das ist mir egal!» Doch hier wird nichts vom Winde verweht, jedes Häärchen sitzt.

Adela stammelt immer wieder ein «megaschön, megatoll, megamega» und Cem findet alles «Hammer». Man ist versucht ihm zuzurufen «Bist Du etwa der Gott der Hämmer», wie Odin Thor in dessen drittem Marvel-Abenteuer. Aber Cem ist da wohl eher monotheistisch veranlagt und hält sich für den Gott von allem. Ein Gentleman ist er gemäss Adela, und dass die Blonde bevorzugen, das wissen wir dank Marilyn Monroe ja auch. Und Cem, der liebt Frank Sinatra und man ist versucht es mit jenem zu sagen und Cem in alle Ewigkeit zu verdammen. Doch halt! Das ist das Privileg von Adela und ihren Rosen. Und so lassen wir Adela und Cem alleine im Bett, über das sich ein Weichzeichner breitet, wie in einem 70er-Jahre Softporno.

Vorhang auf für das Doppeldate der Staffel, David, der mittlerweile ständig dreinschaut wie Jack Nicholson in «The Shining», wenn es um Adela geht, ist am Start. Und Safak, der seit Adela den Kandidaten zur Hausaufgabe gemacht hat, einen Brief zu schreiben, deprimiert in der Gegend rumschleicht wie Gollum. «Warum weint es, Smeagol?», würden wir gerne fragen. Und Safak zögert auch nicht lange, er schüttet Adela sein Herz aus, und das ist leer. Nix Gefühle für die Holde.

Adela ist geknickt und sauer, und David schreit «Nobody puts Baby in a corner!», allerdings sieht er dabei nicht so gut aus wie Patrick Swayze in Dirty Dancing. Dabei benutzt er doch viel mehr Gesichtscreme. Und Rizinusöl für die Augenbrauen, hat er Safak verraten. Und wenn das durch die Haut ins Hirn läuft, dann gibt’s eben Sprechdurchfall. Den hat er auch diese Woche wieder, der Arme und gewährt Einblicke in Abgründe. Um Adela schreiben zu können, muss er erstmal ein Beautyprogramm absolvieren und schreiben kann er gut, denn seine Ex war Gymilehrerin und hat ihn zum Lesen gezwungen.

Und darum fragt er nun eloquente Sachen wie «hendd er eu uusgreedet?» Und freut sich schamlos über den Abgang von Safak. Dabei war der doch sein volltätowierter kosmetisch aufbereiteter Muskelkumpel. Einfach zwei Köpfe kleiner. Ein bisschen sahen sie nebeneinander aus wie ein Kleiderschrank und die dazu passende Kommode. Süss. Doch nun landen erst mal Adela und David im Bett und lassen dort ihre Gesichtscremes ineinander verlaufen.

 Davide, der einzige der noch hier ist, der nicht aussieht, als ob er sich von Steroiden und Wachstumshormonen ernährt, bekommt auch ein Einzeldate. Doch zuerst erklärt ihm Cem noch, er habe keine Chance. Adela brauche einen Mann, einen trainierten, kein Kind. Wie Colonel Nathan Jessup es einst Tom Cruise in «Eine Frage der Ehre» ins Gesicht brüllte: «Sie können die Wahrheit doch gar nicht ertragen!» Doch Davide kann, zieht einmal die Nase hoch, setzt seinen besten leichtverheultromantischen Blick auf, wie Susi in «Susi und Strolch» und schwänzelt in sein Date.

Für ihn gibt’s keine Jacht, dafür ein Floss und den Dschungel. Tja, «Ich sehe tote Menschen» sagt ein kluger kleiner Junge zu Bruce Willis. Wir sehen einen Kandidaten ohne Blümelein dastehen. «Die Leute sollten wissen, wann sie besiegt sind», sagt einst Quintus zu Maximus in «Gladiator». Aber eben, würden wir es? Würde es Davide?

Doch halt! Der Reihe nach! «In diesem Land musst du zuerst Geld machen! Wenn du das Geld dann hast, bekommst du die Macht. Und wenn du die Macht hast, bekommst du die Frauen!» Und wenn es nach diesen weisen Worten von Tony Montana in «Scarface» geht, dann gewinnt Cem alles! Der Mann hat gefühlt 17 Anzüge mit nach Thailand genommen «fiiinsti italieeeenischi Siiiiide» quietscht er. Was anderes lässt er nicht an seinen Körper.

Cem ist nicht oberflächlich, Cem hat Geld. Das wird ihm vom katarischen Königshaus, wo er als Trainer arbeitet, in den muskulösen Hintern geblasen. «Show me the money» hiess es schon bei Jerry McGuire, doch Cem lebt nach der Devise von John Pullman in Space Balls: «Wir tun das nicht nur für Geld, wir tun es für einen Scheiss Haufen Geld!» David ist beeindruckt, doch eben, in dem Kleiderschrank wird das oberste Regal grundsätzlich leer gehalten. Mr. Proteinshake hat übrigens ein ganz anderes Problem. Beim Schreiben seiner fünfzeiligen Liebes-Epistel an die Holde hat er sich «sauweh a de Sehne» gemacht. Therapieren will er das mit Liegestütze. Einfacher wäre es an Jesse Venturas zeitsparendes Motto in «Predator» zu denken: «Ich habe keine Zeit zu bluten.»

Am Ende stehen Cem und David in ihren Anzügen vor Adela. Davide hat sich für einen rosafarbenen Pyjama entschieden. Die drei stottern ab ihren Zettelchen ihre Liebesbriefe. Das sieht aus wie die Kinderchen am Santiglaus die ihre Verse runterlabern. Das Vorlesen der Briefe ist für Menschen, die etwas für Romantik, Poesie und die deutsche Sprache übrig haben eine Folter. Da haut David ein paar fette raus, und er wäre gerne «der Mann auf Adelas Seite». Cem fands irrelevant. Cem findet alle doof. Ausser Cem.

Mit dem würde er ins Bett steigen, wenn er das könnte. Und auch er hat gut bei sinnsprüche.de abgeschrieben. Statt den Klunkern der anderen schenkt er Adela zwei Flugtickets nach Paris «We’ll always have Paris», meinte einst ein Mann, der so cool war, dass man seinen Namen nicht neben den von Cem schreiben darf. Das wäre Wahnsinn! Blasphemie! Der Film hiess aber «Casablanca».

Adela findet Davides Brief den emotionalsten. Und muss dann unterbrechen, denn die Emotionen übermannen sie. «Ich will das grad nit» sie muss sich mal beim Produzenten ausweinen. Oder wie es Julia Robert in «Notting Hill» hauchte: «Ich bin doch nur ein Mädchen, das vor einem Jungen steht, und ihn bittet, es zu lieben.»

Doch dann kehrt sie zurück. Und da sie ja schon von Anfang an immer gesagt hat, dass sie nicht aufs Äussere schauen will und einen Mann mit Tiefgang sucht fragt sie David und Cem «Was haben Sie eigentlich für ‚nen Schaltfehler im Kopf, Sie dumme Nuss? Haben Ihnen Mami und Papi nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt, als Sie ein Kind waren?»

Nein, tut sie nicht, dabei wäre die Frage aus «Full Metal Jacket» völlig berechtigt. Adela dagegen schickt den letzten nach Hause, der einen ganzen, fehlerfreien Satz bilden konnte: Davide. Der murmelt, «Es ist als wären in meinem Kopf lauter Glasscherben.» Nein, tut er nicht, aber er schaut aus der Wäsche wie John Coffey in «The Green Mile» bevor er in die Todeszelle darf/muss. Wir dürfen noch nicht sterben. Denn nächste Woche ist es Zeit für das Finale. High Noon in Koh Samui.

Die ganze Sendung können Sie hier schauen: 3plus.tv/bachelorette