Wir leben im Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie. Und so wuchert mit Reizen, wer Quote und Clicks zu erzielen sucht. Was jedoch daraus wird, wenn das Mass verloren geht, zeigt sich exemplarisch an der Sendung «Arena/Reporter», die am Sonntagabend erstmals auf SRF 1 ausgestrahlt wurde. Kein Mittel liessen die Programm-Köche aus, um ihr Gericht zu würzen.

Die garantiert bittere Note gab das Thema des einleitenden «Reporter»-Films über den Kesb-Vorzeigekritiker Christian Kast. Gesalzen waren nach bewährter «Arena»-Manier die Einlagen der Politprofis Pirmin Schwander (SVP, Kontra-Kesb) und Viola Amherd (CVP, Pro-Kesb), die einen mehrfach erprobten Schlagabtausch ablieferten. Gesüsst, die Bedenklichkeitsprosa der Buchautorin Julia Onken, die besser in den «Club» passt, wo sie die Gerechtigkeit mindestens sitzend einfordern kann. Rechthaberisch-säuerlich schliesslich, als sässe er bei der «Rundschau», ereiferte sich der Basler-Kesb-Leiter Patrick Fassbind.

Gegen ein mehrgängiges Menu ist grundsätzlich nichts anzuwenden. Doch wenn in einer Sendung die Formen Reportage, Streitdiskussion, filmische Einblendungen und ein Interview mit dem Filmautor vermengt werden und gleichzeitig Publikumsmitwirkung versprochen wird, kann sich kein Genuss einstellen. Ein Menu verlangt nach einem Ablauf und nicht nach einem Durcheinander von Vor-, Haupt- und Nachspeise.

Wie sich das ungleiche Moderatorenduo Jonas Projer und Christa Rigozzi geschlagen haben, ist eine handwerklich beachtliche Leistung. Professionell überspielten sie die zwangsläufig auftretenden Brüche. «Was meint das Publikum?» war die rhetorische Brücke, die Projer mehrfach betrat, um Kollegin Rigozzi einzubinden. Diese hatte den undankbaren Part, die zufälligen Publikumsreaktionen aufzubereiten und der damit verbundenen belanglosen Willkürlichkeit so etwas wie Bedeutung zu verleihen.

Die Aufmerksamkeitsökonomie lehrt: Mit gezielten Reizen lässt sich zwar rasch eine hohe Aufmerksamkeit erzielen, doch nichts verpufft schneller als Reize, die als solche entlarvt sind. Dann werden sich die Sendemacher wieder eines älteren Rezepts erinnern, das heisst: Weniger ist mehr.