Der Februar ist die Zeit der Awards. Mit Pomp und Brimborium werden Grammy Awards, Brit Awards und die Swiss Music Awards die Erfolgreichsten, Schönsten und manchmal auch die Besten der Musikbranche geehrt. Auch bei der 61. Gala in Los Angeles standen die Hauptkategorien von Pop, Rock, Hip-Hop und Country im Fokus. Der Glitzer-und-Glamour-Faktor ist hier garantiert.

Spannend wird die Liste der Preisträger aber erst ab Kategorie 30 der insgesamt 84 Kategorien. Also dort, wo die weniger kommerziell ausgerichteten Sparten wie «American Roots Music», «Latin», «World» und «Jazz» aufgeführt sind. Jene Sparten, die gar nie im Scheinwerferlicht der grossen TV-Gala-Show stehen, musikalisch aber umso interessanter sind.

Natürlich, auch in diesen Kategorien gewinnen nicht unbedingt die besten Musiker. Vielmehr sind es jene, die über das beste Netzwerk verfügen und das beste Lobbying betreiben. Doch immerhin findet man dort immer wieder auch amerikanische Perlen in Sparten, die in unseren Breiten weniger im Rampenlicht stehen oder die mangels Vertrieb und Promotion kaum wahrgenommen werden. In diesem Jahr zum Beispiel der Exilkubaner Dafnis Prieto, der mit seiner Big Band in der Kategorie «Best Latin Jazz Album» gewann oder The Travelin’ McCourys sowie die Punch Brothers in den Kategorien des hierzulande unterschätzten Blue Grass.

Die grösste Entdeckung verbirgt sich aber hinter dem Sieger der Kategorien 67 und 68. Unter dem Titel «Voices of Mississippi» ist der Produzent, Filmemacher und Folklorist William Ferris in den 60er- und 70er-Jahren in akribischer Feldforschung den Wurzeln des Blues und Gospel nachgegangen und hat sie durch die Dokumentation auf CD, DVD und im Buch unsterblich gemacht. Für seine Arbeit ist Ferris mit zwei Grammys für das beste historische Album und den besten Begleittext ausgezeichnet worden. In meiner Award-Liste nehmen die «Voices of Mississippi» einen prominenten Platz ein.

Das gilt auch für die Sängerin Pamela Mendez und den Sänger Abu. Beide wurden zwar in das neue Förderprogramm der Swiss Music Awards aufgenommen, an der Fernseh-Gala wurde es aber verpasst, ihre Musik wirklich vorzustellen. Immerhin auf dieser Playlist soll das nachgeholt werden.

Künzlis Playlist

> Cécile McLorin: Visions

> Dafnis Prieto Big Band: Una Vez Mas

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> Wayne Shorter: Pegasus

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> John Daversa Big Band: Don’t Fence Me In

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> Terence Blanchard: Blut und Boden

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> The Travelin’ McCourys: Let Her Go

> Buddy Guy feat. Jeff Beck & Keith Richards: Cognac

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> Fantastic Negrito: Plastic Hamburger

> Punch Brothers: Three Dots and a Dash

> Soweto Gospel Choir: Avulekile Amasongo/One Love

> William Ferris: Voices of Mississippi

> Pamela Mendez: Time

> Abu: Beautiful Waste