Neben ZIBBZ haben auch Angie Ott aus Neuenburg mit "A Thousand Times", Naeman aus Zürich mit "Kiss Me", Chiara Dubey aus Ronco sopra Ascona mit "Secrets and Lies", Alejandro Reyes aus Lausanne mit "Compass" und Vanessa Iraci aus Freiburg DE mit "Redlights" für die Liveshow am 4. Februar auf SRF erreicht, wo der diesjährige Schweizer Song für den Eurovision Song Contest bestimmt wird.

Um die Erfolgschancen der Schweiz am internationalen Gesangswettbewerb zu erhöhen, wurde die Auswahl der Songs komplett erneuert. Erstmals konnten in der Vorauswahl Produzenten und Komponisten Songs ohne Interpreten einreichen. Eine 20-köpfige unabhängige Jury hat die Songs ausgewählt, welche an der Liveshow mit dabei sind. In einem zweiten Schritt wurden die für die Songs passenden Interpreten bestimmt.

Der herausragende Song ist auch diesmal nicht dabei. Wirkliche Originalität bleibt beim Schweizer ESC Mangelware. Es dürfte für die Schweiz auch in diesem Jahr schwer werden, sich für das Finale in Lissabon zu qualifizieren. Doch alle ausgewählten sechs Songs sind professionell produziert und alle Interpreten garantieren für einen gewissen Standard. Der  grosse Absturz sollte uns also erspart bleiben. Zur Qualititätssteigerung hat auch das Schweizer Songwriting Camp beigetragen, das erstmals von der Suisa ermöglicht wurde. Vier der sechs Beiträge sind denn auch in diesem Camp entstanden.

Das sind die sechs Songs und unsere Einschätzung:

Naeman (23) aus Zürich mit «Kiss Me»

Der Zürcher Sänger und Tänzer Naeman mit Wurzeln in Indonesien, Holland und Appenzell war Teilnehmer bei «Die grössten Schweizer Talente» und «Deutschland sucht den Superstar», hat dort aber keine grösseren Spuren hinterlassen. Auftrittserfahrung hat er vor allem als Strassenmusiker in 35 Städten gesammelt. Es wäre eine grosse Überraschung, wenn er mit „Kiss me“ für Aufsehen sorgen würde. Der Party-Dance-Song des internationalen Komponistenteams mit Eric Lumiere, Kate Northrop, Ken Berglund und Alejandro Reyes ist hundertprozent durchhörbar. Schwupp und weg!

Vanessa Iraci (23) aus Freiburg (D) mit «Redlights»

Auch Vanessa Iraci kennen wir von „The Voice Of Switzerland“. Die Halbsizilianerin aus dem deutschen Freiburg erreichte in der zweiten Staffel den Halbfinal. Sie singt in der Basler Band Myron und pendelt deshalb zwischen Freiburg und Basel. „Die Schweiz ist meine zweite Heimat, Es wäre mir eine grosse Freude, für die Schweiz nach Lissabon zu fahren“, sagt sie. Vanessa Iraci verfügt im mittleren und unteren Bereich über eine interessante Stimme, im fortissimo singt sie gut und sicher, aber auch austauschbar. Das vierköpfige Komponisten-Team hat internationale Erfahrung, zwei sind aus Schweden. Genau so klingt auch der Song. Im aktuellen Mainstream fällt er weder ab noch auf. Professionell, aber tausendfach gehört.

Angie Ott (27) aus Neuchâtel mit «A Thousand Times»

Angie Ott? Da war doch mal was! Ach ja, genau. In der ersten, besseren Staffel von «The Voice of Switzerland» erreichte die Sängerin den beachtlichen zweiten Rang hinter Nicole Bernegger. Singen kann sie, das hat sie schon damals bewiesen. Seither ist es um sie aber wieder ruhiger geworden. «A Thousand Times» ist eine typische Liebesballade mit viel Bombast, die davon handelt, sich von Dingen zu befreien, die uns auf der Stelle treten lassen. Dass Celine Dion ihr Vorbild ist, hört man dem Song und Angie Ott an. Ob sie aber in die Fussstapfen des kanadischen Weltstars treten kann, die 1988 mit „Ne partez pass sans moi“ den Eurovisions Song Contest für die Schweiz gewann, darf bezweifelt werden. Zu ausgetreten sind die Pfade des Songs der Eurovisions-erprobten Songschreiber aus Schweden und Malta.

Alejandro Reyes (26) mit «Compass»

Nochmal Alejandro Reyes (siehe „Kiss Me“). Diesmal singt der in Chile geborene Musiker den Song aber gleich selbst. Nach einer turbulenten Kindheit mit vielen Ortswechseln kam er im Alter von zehn Jahren in die Schweiz. „Compass“ beginnt mit akustischer Gitarre und einem folkigen Grundton, im Refrain ist er mit Reggaeton-Einflüssen durchsetzt. Es ist auch nicht der überragende Song, aber viel besser als „Kiss Me“. Alejandro Reyes hat den Song in Zusammenarbeit mit Laurell Barker und Lars Christen komponiert. Christen hat in jüngster mit Sängern wie Bastian Baker, Pegasus, Kunz, James Gruntz und Damian Lynn zusammen gearbeitet.

Chiara Dubey (24) aus Ronco sopra Ascona TI mit «Secrets And Lies»

Oha ! Der Song beginnt a capella, ganz intim, haucht Chiara Dubey uns ins Ohr. «Secrets And Lies» klingt sehr verträumt, zart und hat etwas Bezauberndes. Der Song ist anders und fällt gerade deshalb auf. Die 24-jährige Tessinerin mit indischen Wurzeln studiert an der Musikhochschule in Zürich und spielt Violine und Klavier. Sie ist klassisch geschult und das hört man im Song auch. Die Pop-Ballade hat klassische Elemente und erinnert teilweise an Kate Bush oder Tori Amos. Chiara Dubey ist trotz ihres jugendlichen Alters eurovisions-erfahren. Sie ist schon zum dritten Mal im Schweizer Finale dabei. Bisher hat es noch nie geklappt. Vielleicht ja jetzt.

ZIBBZ aus Boswil mit «Stones»

Zibbz, die Geschwister Corinne «Co» Gfeller (32) und Stee Gfeller (30) aus Boswil, sind in der Schweizer Musikszene keine Unbekannten. Zum ersten Mal haben die beiden bei Gölä auf sich aufmerksam gemacht. Stee als Drummer, Co als stimmgewaltige Background-Sängerin. Im aargauischen Boswil aufgewachsen, haben sich die beiden selbständig gemacht und leben heute in Los Angeles und Gisikon. Für ihren „ESC“-Song „Stones“ haben sich die beiden mit Laurell Barker zusammen getan. „Stones“ ist ein Power-Song, massgeschneidert für die kraftvolle, rauchige Stimme von Co Gfeller. Unser klarer Favorit. Unser Song für Lissabon.

Der Eurovision Song Contest 2018 (ESC) findet vom 8 bis 12. Mai in Lissabon statt.