Totgesagte leben länger. Diese alte Weisheit gilt auch für die Vinyl-Schallplatte. 70 Jahre nach ihrer Erfindung erfreut sie sich grösster Beliebtheit – aller Unkenrufe zum Trotz, die das Medium nach der Einführung der CD als Auslaufmodell sahen. Seit gut zehn Jahren feiern die schwarzen Scheiben ihr Comeback (siehe Kasten unten). Sie sind für ihre Anhänger nicht lediglich Retro-Träumerei, sondern verschaffen ihnen ein authentischeres Klangerlebnis als das Material aus digitalen Quellen wie beispielsweise CD, Spotify oder Apple Music.

Das österreichische Start-up Rebeat Digital macht sich jetzt daran, diesen Markt noch mal anzukurbeln. Die analogen Tonträger sollen als «HD Vinyl» voraussichtlich ab Mitte 2019 stark verbessert in die Läden kommen. Das neue Format verspricht eine längere Spieldauer, eine bessere Klangqualität und eine effizientere beziehungsweise umweltverträglichere Herstellung. Das Beste daran: Sie können für das HD Vinyl ihren alten Plattenspieler verwenden, falls Sie bereits einen besitzen.

Um eine solche Scheibe zu produzieren, benötigt man eine HiRes-Aufnahme. Eine spezielle Software rechnet diese Klanginformationen in ein dreidimensionales Modell einer Vinylscheibe um und brennt mit einem präzisen Hightech-Laser dessen Relief in einen Keramik-Master, mit dem die Vinylplatten später erzeugt werden. Zwischen der ersten und letzten Pressung können dank dieser neuen Technik nicht mehr die von früher her berüchtigten Qualitätsunterschiede entstehen. Die Produktionskapazität wird dadurch ebenfalls erhöht, was die Wartezeit auf neue Longplayer in Zukunft verkürzen dürfte.

Start noch diesen Herbst

Durch die neue Technik ergeben sich weitere Vorteile: So gibt es laut Firmenchef Günter Loibl keine klanglichen Abweichungen mehr, zudem lassen sich damit bis zu 30 Prozent mehr Informationen auf einer Schallplatte unterbringen. Eine Seite bietet künftig also statt bisher 25 über 30 Minuten Spielzeit. Das heisst, wir können uns etwas länger Zeit lassen, bis wir die Scheibe umdrehen oder wechseln müssen. Auch beim Frequenzbereich verspricht die neue Technik einen deutlichen Fortschritt, da die neuen Hochleistungslaser den bisherigen Schneidsticheln beim Hineinschneiden der Schallrillen weit überlegen sind.
Die Finanzierung des Projekts lief lange etwas harzig, obwohl laut Start-up-Chef Günter Loibl viele Plattenfirmen schon früh Interesse bekundet hatten. Eine grössere Finanzspritze ermöglichte dann vor kurzem das endgültige Durchstarten. Wenn alles klappt, kann die neue Technologie Anfang Oktober an der Fachmesse Making Vinyl in Detroit vorgestellt werden.

Neuer Vinyl-Boom?

Sollte das österreichische Start-up den geplanten Zeitrahmen einhalten können, dürfte das kommende Jahr dem Vinyl-Boom weiteren Rückenwind verschaffen. Begünstigend dafür ist auch die Kompatibilität der alten Platten, denn die Anschaffung einer neuen Hardware entfällt. Selbst ein eventueller Kauf eines neuen Plattenspielers, den viele trotz grosser LP-Sammlung bisher scheuten, dürfte durch den Nachschub an Vinylplatten wieder attraktiver werden. Ob die Klangpuristen allerdings bei HD Vinyl mit an Bord kommen, muss abgewartet werden.