Selber ein herausragender, international erfolgreicher Pianist, vermittelt Oliver Schnyder mit seiner Konzertreihe «Piano District» in der Druckerei Baden immer wieder spannende Begegnungen mit grossen Pianistinnen und Pianisten, die verschiedenen Generationen angehören.

Mit Janina Fialkowska bestritt eine von Arthur Rubinstein geförderte und von der «FAZ» als «eine der Grandes Dames des Klavierspiels» titulierte Pianistin ein Soloprogramm, das nicht sinnvoller und stimmiger hätte sein können. Alle Kompositionen hatten auf unterschiedliche Weise mit Paris und damit auch mit ihrer Biografie zu tun. Ihren letzten Schliff hatte sie sich in der französischen Metropole bei Yvonne Lefébure geholt, einer Meisterinterpretin der französischen Klavierliteratur.

Bevor sie ihr Publikum grosszügig mit Raritäten verwöhnte, begann sie ihr stilistisch äusserst vielseitiges Rezital mit Mozarts Sonate a-Moll KV 310. In dem unmittelbar nach dem Tod seiner Mutter in Paris entstandenen Werk brachte die Solistin mit klanglichen Härten mehr die Unerbittlichkeit des Todes als die Schmerzempfindungen des Komponisten zum Ausdruck. Das Finale, eine Art Perpetuum mobile, spielte sie mit rasender Geschwindigkeit. Gäbe es so etwas wie eine Interpretenpolizei, hätte sie wegen des übersetzten Tempos wohl einen Strafzettel bekommen.

Klangschöne Trouvaillen

Zum entspannenden Aufatmen dienten hierzulande selten erklingende Trouvaillen wie das Intermezzo in As-Dur von Francis Poulenc, das mit wunderbarer Kantabilität gestaltete 4. Nocturne von Gabriel Fauré und das lyrisch-verträumte Impromptu in E-Dur von Germaine Tailleferre. Die von Ravel beratene Pariser Musikerin hatte dieses gleichmässig fliessende Stück im ungewohnten Neunachteltakt 1912 rund ein Jahrzehnt vor ihrer Beteiligung an der avantgardistischen «Groupe des Six» geschrieben. Janina Fialkowskas pianistischer Einsatz für die immer noch unterschätzte Komponistin berührte besonders sympathisch.

Debussys «Poisson d’or» fühlte sich, von ihr sensibel betreut, hörbar so wohl wie sie selber in der Klangwelt des Impressionismus. Im Prélude «Les sons et les parfums tournent dans l’air du soir» nach einem Zitat von Baudelaire kam klangliche Wärme auf.

Mit der Sonatine von Debussys Antipoden Maurice Ravel beschloss die jetzt in Deutschland lebende Pianistin den ersten Teil ihres frankophonen Programms. Hätte sie die Mahnung ihres Mentors Arthur Rubinstein, nicht zu schnell zu spielen, im Finale beherzigt, wäre ein günstiger Gesamteindruck zurückgeblieben. Bemühungen um Geschwindigkeitsrekorde schaden letztlich jeder Musik.

Unterkühltes Spiel

Nach der Pause sorgte Janina Fialkowska für eine weitere Überraschung. Sie passte in der verlockend schön geformten Werkgruppe von Chopin ihren Interpretationsstil leider der winterlichen Aussentemperatur an. Im Scherzo h-Moll op. 20, womit sie das ursprünglich vorgesehene Scherzo Nr. 3 in cis-Moll und zwei nicht gespielte Préludes ersetzte, zeigte sie allzu deutlich die im Stück versteckten Schwierigkeiten auf. Die spieltechnischen Mängel konnte die Musikerin mehr in drei Mazurken als im Nocturne op. 55 Nr. 2 wettmachen. Unterkühlung stellte sich abschliessend nochmals mit der ausstrahlungsarmen Wiedergabe der 4. Ballade von Chopin ein.