Er war der Rotz-Löffel, der Pop-Schnösel und Schnuderi der Nation. Kokettierte mit den Hooligans der Muttenzerkurve («Schiri, i weiss wo dis auto schtoht») und mit Porno-Stars («Wenn das Gott wüsst»). Baschi war immer gut für eine Schlagzeile, den kleinen Skandal und die gezielte Provokation. Und ja: Er liebte es, mal über die Stränge zu schlagen. Wie damals, bei den Music Awards, als er zwei, drei Gin-Tonic über den Durst getrunken hatte.

Baschi war anders. Einer, der sich unverblümt ausdrückte, offen, direkt und ohne Rücksicht auf Verluste. Eigentlich ein gutmütiger Kerl. Aber manchmal auch unüberlegt, spontan, unberechenbar, emotional, offensiv und überheblich. Ein unverfrorener, junger Heisssporn. Baschi scherte sich um Konventionen und war auf eine erfrischende Art unschweizerisch.

Kein Wunder, schieden sich an ihm die Geister. Baschi-Bashing! Wer austeilt, muss auch einstecken können. Man liebte oder hasste ihn. Seine engsten Berater versuchten, den Heisssporn zu bändigen, ihm ein Image-Problem einzureden, nahmen ihn aus dem Schussfeld und erteilten ihm gar Sprechverbot. «Wenn du so weitermachst, können wir keine Verantwortung mehr für dich übernehmen», hiess es.

Lieber Bad-Boy-Image als gar keines

Nein, Baschi war nicht der Traum der Schweizer Schwiegermütter. Aber es war diese ungehobelte Art, die einen Teil seines Erfolgs ausmachte. Dieser jugendliche Übermut, der ihn von den braven Teilnehmern der Casting-Shows abhob. Die stromlinienförmigen MusicStar-Sieger verschwanden schnell wieder in der Versenkung, Baschi setzte sich durch und wurde zum Star. Lieber ein Bad-Boy-Image als gar kein Image.

Was man heute vergisst: Baschi war damals 17 Jahre alt. Seither hat er fünf Mundart-, ein hochdeutsches Album herausgegeben und mit «Bring en hei» den erfolgreichsten Schweizer Chart-Song gesungen. Erfolgreich hat er sich vor fünf Jahren von seinem einstigen Ziehvater Roman Camenzind gelöst und emanzipiert, steht heute auf eigenen musikalischen Beinen. 6-mal Platin und 4-mal Gold. Eine stolze Ausbeute einer zehnjährigen Karriere. Damit zählt der Baselbieter zu den erfolgreichsten Schweizer Popmusikern der letzten Jahre.

Doch jetzt ist es um Baschi ruhiger geworden. Das Leben hat ihn gebändigt. Die Trennung von seiner langjährigen Freundin Katy Winter hat Spuren hinterlassen. Baschi ist nachdenklicher geworden. Gibt es eine neue Beziehung? «Ich schaue für mich. Mir geht es gut», sagt er zögernd.

Noch einschneidender wirkt sich das Studio aus. Vor zwei Jahren hat er es mit seinem Musikerkollegen Philippe Merk in Basel gebaut. Musik ist damit nicht mehr nur Zeitvertreib, sondern hartes Geschäft geworden. «Mein Leben war früher richtig easy. Ich konnte bis um 11 Uhr schlafen, locker in die Ferien fahren, Konzerte spielen, auf Tour gehen und dann wieder ein neues Album aufnehmen», sagt der Neo-Unternehmer. Jetzt steht er von neun bis neun auf der Matte.

Das Studio ist zu einem zweiten Standbein geworden. Schon sechs Alben haben die beiden produziert, und Dutzende Songs für andere Bands geschrieben. Dazu Jingles und Werbespots. Musik als Dienstleistung.

Das Studio ist eine Folge der Marktbedingungen in der Schweizer Musikbranche, in der auch die Erfolgreichsten kaum mehr allein vom Musikerdasein leben können. Es ist die neue Realität. Baschi hat seinen Lebensstandard diesen neuen Verhältnissen angepasst: Lebte er bisher in einem grossen Haus mit Blick aufs Fricktal, wohnt er heute bescheiden in einer Basler Stadtwohnung. «Baschi macht nur noch einen kleinen Teil meines Lebens aus. Ich bin heute mehr Sebastian Bürgin als Baschi», sagt er. Und es hat ihn verändert. «Das Geschäft hat mich persönlich weitergebracht», sagt er. Baschi ist auf dem Boden angekommen.

Kein Newcomer-Bonus mehr

Doch wie soll sich seine Karriere als Popmusiker entwickeln? Was kann er noch erreichen? Baschi ist in einer entscheidenden Phase. Auf den Newcomer- und Jugendlichenbonus kann er nicht mehr zählen. Er ist nicht mehr der Shooting-Star, und auch im Publikum macht sich eine gewisse Sättigung breit. «Die Leute regen sich wegen mir nicht mehr so auf», sagt er, «das zeigt mir, dass etwas nicht mehr stimmt.» Umgekehrt waren die Reaktionen auf seine Eskapaden manchmal schon sehr hart. Sie haben ihn getroffen. «Da wünschte ich mir manchmal, ich wäre ein Typ wie Ritschi, den alle gern haben. Doch das kann und will ich nicht sein. Wenn dich alle gern haben, bist du nicht mehr interessant.»

Zwischen «Wahn und Vernunft» singt er, und in diesem Zwiespalt ist das neue, siebte Album entstanden. «Zwüsche dir und mir» sind elf professionell produzierte Songs mit typischen Melodien Marke Baschi. Der bald 29-Jährige gibt sich gesellschafts-, sozial- und selbstkritisch. Sauberes Handwerk, keine Frage. Doch wir vermissen den Aufreger, den rebellischen Baschi, der an Tabus rüttelt und die Welt im Sturm erobern will. «Ich suche die Provokation nicht mehr so wie früher», sagt er dazu. «Davon bin ich weit entfernt.» Genauso klingt das neue Album. Zu viel Sebastian Bürgin, zu wenig Baschi.

Baschi begegnet der Stagnation mit einem frischen, jungen Promotions-Team und einer neuen Band. «Ich brauche frischen Wind», sagt er. Eine neue Herausforderung. Und Baschi hat eine Vision. «In zehn Jahren lebe ich in Mallorca auf einer Finca mit einem grossen Garten, Hühnern und einer riesigen Küche, wo ich Leute bekoche. Das ist meine grosse Leidenschaft, auch wenn mir das niemand glaubt. Daneben habe ich ein Tonstudio, in dem ich ohne Druck meine Musik mache.»

Baschi Zwüsche dir und mir, Universal. Erscheint am 28.8.