Wer die kapverdische Musik allein mit der legendären Césaria Évora in Verbindung bringt, wird der Vielfalt an Stilen und Interpreten nicht gerecht. Mayra Andrade zählt mit Sara Tavares und Lura zu den bekanntesten Sängerinnen mit Wurzeln in der kleinen Inselgruppe und ehemaligen Kolonie Portugals. Andrades Musik widerspiegelt die Kreolität eines Landes, das im 15. Jahrhundert während des Sklavenhandels besiedelt wurde. Sprache und Kultur des Archipels vor der senegalesischen Küste gingen aus vielfältigen Bezügen zwischen Westafrika, Europa und Amerika hervor.

«Wer authentisch sein will, kann sich nie nur einem Stil zuordnen», sagt die 34-Jährige. So findet man in ihrer Musik kapverdische, portugiesische, brasilianische und kubanische Elemente, aber auch Reggae und Jazz. Sich selbst zu sein, heisst eben auch, offen zu sein für andere Einflüsse. Das gilt insbesondere für Mayra Andrade, deren Biografie eine durch und durch kosmopolitische ist: Als Tochter kapverdischer Eltern in Havanna geboren, folgte sie dem Stiefvater später in den Senegal, nach Angola, Deutschland und zurück auf die Kapverden. Andrades Leben ist, wie das Leben vieler Landsleute, von der Migration geprägt. Drei Viertel der Bevölkerung leben im Ausland.

«Wer von der Musik leben will, muss gehen», sagt auch Mayra Andrade. Auf den Kapverden sind die professionellen Strukturen, der Vertrieb und die Verwertung von Musik, erst im Aufbau. Andrade selbst lancierte ihre Karriere deshalb in Paris, wo sie hinzog, nach- dem sie an den «Jeux de la Franco- phonie» in Kanada als 16-Jährige die Goldmedaille als beste Sängerin gewann.

Lebenslust und Leichtigkeit

Jetzt, 20 Jahre später, veröffentlicht die Sängerin ihr fünftes Studioalbum, «Manga». Dazwischen liegen unzählige Auftritte in der portugiesisch- und französischsprachigen Welt und Kooperationen mit Charles Aznavour, Gilberto Gil, Césaria Évora, aber auch ihrem Landsmann Nelson Freitas.

«Manga» atmet das Lebensgefühl von Andrades neuem Wohnort Lissabon: «Die Stadt hat eine wunderbare Vitalität und Jugendlichkeit und Durchmisch- ung», schwärmt die Vielreisende. «Ich wollte Musik machen, die leicht ist und meiner Generation entspricht, die nach dem klingt, was ich höre, wenn ich durch die Strassen gehe: Musik, zu der ich gerne tanze.»

In letzter Zeit hörte Andrade viel Afrobeat. Für ihr neues Album arbeitete die Sängerin auch mit «Beatmakern» wie 2B und Akatché, die aktuell die urbanen Musikszenen in Abidjan (Elfenbeinküste) und Dakar (Senegal) aufmischen. Als Produzent fungierte daneben Romain Bilharz, der bereits mit Stromae, Ayo und Feist arbeitete.

Zwischen Paris, Lissabon und Westafrika entstanden, ist «Manga» im wahrsten Sinne des Wortes die Frucht von beharrlicher Arbeit und einer vielleicht neu gefundenen Leichtigkeit. «Ich muss das Leben auskosten, damit ich Lust habe, zu singen», sagt die charismatische Sängerin mit der sinnlichen Stimme dazu.

Mayra Andrade «Manga» (Columbia). Live: 21. 2., Moods Zürich.