Schweizer Pop hat sich mit der Produktion von Hits jahrelang schwergetan. Während Alben regelmässig die Spitze der Hitparaden stürmten, waren bei den Einzelsongs wirkliche Hits Mangelware. Der Tiefpunkt wurde 2017 erreicht, als es ein einziger Song in die Top 10 der Schweizer Hitparade schaffte: «Du» von Nemo. Der Jung-Rapper war auch der einzige Schweizer Musiker in der Jahres-Hitparade.

Im vergangenen Jahr konnte sich der Schweizer Pop nun rehabilitieren. Dank «079» von Lo & Leduc standen erstmals in der Geschichte der Schweizer Charts bei den Singles wie bei den Alben Schweizer Interpreten an der Spitze der Jahreshitparade. Dem Song dürfte deshalb auch der Swiss Music Award in der Kategorie «Best Hit» kaum zu nehmen sein. Dabei haben sich auch die beiden anderen nominierten Hits, «US Mänsch» von Bligg mit Marc Sway sowie «Adiós» von Loco Escrito, wacker geschlagen. Beide sind in den Top 50 des Jahres rangiert.

Trotzdem: Die Schweizer Singles-Hitparade hat einen Makel. Denn gemäss dem aktuellen Charts-Reglement werden nur jene Songs für die Hitparade gezählt, die auch als Singles veröffentlicht wurden. Also nicht der Konsument, der Käufer, Streamer oder Downloader entscheidet. Das Label oder der Musiker definiert, was eine Single ist. Das ist umstritten und in anderen Ländern gibt es diese Einschränkung nicht. Im Extremfall kann also ein Song noch so populär sein. Wenn er nicht als Single deklariert wurde, wird er für die Hitparade nicht gezählt.

Sie denken, das gibt’s nicht? Eben doch! «Alperose», der Song von Polo Hofer und Hanery Amman aus dem Jahr 1995, ist einer der populärsten Schweizer Hits. Weil er damals nicht als physische Single veröffentlicht wurde, war er auch nicht in der Hitparade platziert. Das könnte sich wiederholen.

Doch mit der Streamingrealität schreitet die Segmentierung und Personalisierung der Popmusik sowieso voran. Personalisierte, massgeschneiderte Playlists führen zu einer Demokratisierung und Individualisierung des Musikhörens und mindern die Bedeutung der Hitparade. Jeder stellt sich seine eigene Hitparade, seine eigene Playlist zusammen. Auch ich bin mein eigener Hitmaker. Hier ist sie, die Playlist meiner Schweizer Lieblingssongs 2018 aus den verschiedensten Genres.

Zeal & Ardor: Gravedigger’s Chant

Sophie Hunger: Coucou

Richard Koechli: Le Jardin de tes sens

Pablo Infernal: Honey Bee

Dani Thürler: American

Monotales: Summer’s Almost Gone

Hanery Amman: Waldgeischt

Cinzia Catania: Anatomy of Melancholy

Len Sander: I Give It Away

JPTR: Eye

Ungfell: Raubnest ufm Üetliberg

Fatima Dunn: This Night

Steiner & Madlaina: Das schöne Leben

Crimer: First Dance

Long Tall Jefferson: Yonder is a Mountain