Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die Streaming-Portale Spotify & Co. stellen nicht nur die Musikindustrie auf den Kopf, sie verändern auch unsere Hörgewohnheiten fundamental. Die gesamte Musikgeschichte lagert in einem Portal und ist sofort und jederzeit abrufbar. Ein Paradies für Musikfreaks.

Mein bevorzugter Streamingdienst Spotify kennt meine musikalischen Vorlieben und serviert mir regelmässig und ungefragt Playlisten nach meinem Musikgeschmack. Langwieriges und mühsames Stöbern und Suchen im Platten- und CD-Regal wird überflüssig. Spotify weiss, was ich will. So hat mir der Streamingdienst in diesen Tagen «Deine Top-Tracks aus 2017» zusammengestellt. Eine Playlist jener Songs, die ich in diesem Jahr am meisten gehört habe. Es ist eine Art musikalischer Jahresrückblick mit meinen Lieblingssongs des Jahres aus den verschiedensten Sparten.

Aus der Rocksparte finde ich «The Way You Used To Do» von Queens of the Stone Age, «Run» von den Foo Fighters sowie «Give Us A Reason» der Schweizer Band Death By Chocolate. Aber auch «Devil Is Fine» von Zeal & Ardor, die faszinierende neue Mischung aus Metal, Spiritual und Work-Song made in Basel. Meine kubanische Affinität bestätigt «Cubafonia» von Dayme Arocena und «Me Voy» von Ibeyi. Dazu die wunderbare Avantgarde-Popsängerin Camille mit «Seeds».

Klassiker aus Jazz, Blues und Soul dokumentieren mein musikhistorisches Interesse. Cameron Graves und Schweizer Echo-Gewinnerin Lucia Cadotsch repräsentieren den Jazz des Jahres 2017. Aber wo sind Andreas Schaerer und seine Stücke aus «The Wig», meinem absoluten Lieblingsalbum? Wo Childish Gambino, der mit «Awaken, My Love» das wohl spannendste Album aus dem aktuellen R’n’B-Universum ablieferte? Gregg Allmans berührendes Vermächtnis fehlt auf ebenso wie meine aktuelle Lieblingsband Tedeschi Trucks und mein persönlicher Sommerhit «Waiting On The World To Change» von Taj Mahal und Keb Mo.

Zweifel kommen auf. Ist Spotify doch nicht allwissend? Und dass auf meiner Jahresliste auch «Spoken Word» von Stiller Has fehlt, mein Lieblingssong des Jahres, beruhigt mich sogar irgendwie. Die Algorithmen sind also fehlbar, und Denken ist weiterhin gefragt.

Queens of the Stone Age: The Way You Used To Do

Foo Fighters: Run

Death By Chocolate: Give Us A Reason

Zeal & Ardor: Devil Is Fine

Dayme Arocena: Cubafonia

Gibt es hier auf Spotify.

Ibeyi: Me Voy

Camille: Seeds

Cameron Graves: Planetary Prince

Gibt es hier auf Spotify.

Lucia Cadotsch: Some Other Spring

Andreas Schaerer: Zeusler

Childish Gambino: Me And Your Mama

Gregg Allman: Song For Adam

Tedeschi Trucks: Don’t Know

TajMo: Waiting On The World To Change

Stiller Has: Spoken Word