Die schrille und füllige Sängerin Netta bekam für ihren ungewöhnlichen Song "Toy", der zeitgenössischen mit typisch koreanischem Pop, Hip-Hop und orientalischen Klängen verbindet, die meisten Punkte - und zwar 529. Die 1993 geborene Israelin Netta Barzilai galt auch bei den Wetten im Vorfeld als eine der Top-Favoritinnen.

Es ist der vierte Sieg Israels beim ESC - nach 1978, 1979 und 1998. Zuletzt gewann für Israel vor 20 Jahren die Sängerin Dana International.

Auf Platz zwei kam in diesem Jahr das Land Zypern (Eleni Foureira mit "Fuego"). Rang drei belegte Österreich (Cesár Sampson mit "Nobody But You"). Danach kamen Deutschland und Italien (Ermal Meta & Fabrizio Moro mit "Non mi avete fatto niente").

Der Sieger-Song:

Ernstes Thema gut verpackt

Das von dem israelischen Komponisten Doron Medalie und dem Texter Stav Beger geschriebene überwiegend englischsprachige Gewinnerlied "Toy" sei eine Antwort auf die #MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung in der Unterhaltungsbranche, so die Sängerin. Die Botschaft an junge Frauen: Nehmt Euch an, so wie Ihr seid und seid stolz auf Euch selbst. Ihr seid nicht das Spielzeug (toy) von Männern.

Beim Auftritt der britischen Kandidatin SuRie stürmte ein Störer die Bühne und entriss der Sängerin das Mikrofon, er wurde von Sicherheitsleuten weggebracht. Die souverän weitersingende SuRie lehnte eine Wiederholung ihres Auftritts ab. Sie kam am Schluss auf Rang 24.

Kommendes Jahr in Jerusalem

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gratullierte umgehend der israelischen Sängerin Netta zu ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest gratuliert. "Netta, Du bist ein echter Schatz", schrieb Netanjahu in der Nacht zum Sonntag bei Twitter. "Du hast dem Staat Israel viel Ehre eingebracht! Nächstes Jahr in Jerusalem!" Damit machte Netanjahu klar, dass der Wettbewerb 2019 voraussichtlich in der israelischen Hauptstadt stattfinden wird.

Zudem rief Netanjahu die Sängern Netta nach ihrem Sieg in Lissabon an, um ihr persönlich zu gratulieren. "Netta, Du bist wunderbar!", sagte er. Auf seine Frage, wie es ihr gehe, sagte sie: "Das ist ein verrücktes Event hier."

Netanjahu sagte der Sängerin, sie sei "Israels beste Botschafterin". Er habe den Eurovision Song Contest gemeinsam mit seiner Familie gesehen und für einen Sieg Nettas gefiebert. "Wir warten auf Dich, wir lieben Dich", sagte er. Netta antwortete: "Danke, Bibi, danke!" Bibi ist Netanjahus Spitzname.

Der Moment der Entscheidung:

Schweiz im Halbfinal ausgeschieden

Die Schweiz war beim diesjährigen Wettbewerb bereits im Vorfeld ausgeschieden. Insgesamt nahmen am 63. ESC in Lissabon dieses Jahr 43 Länder teil. 17 Beiträge wurden in den beiden Semifinals (Halbfinals) am Dienstag und Donnerstag aussortiert.

ZiBBZ mit «Stones»

Im Halbfinal ausgeschieden: ZiBBZ mit «Stones»

 

Im vergangenen Jahr hatte der Portugiese Salvador Sobral mit dem stillen Lied "Amar pelos dois" gewonnen und so den Grand Prix in sein Heimatland geholt. Den ESC gibt es seit 1956. Zum vierten Mal war auch Australien als Ehrengast dabei, weil es dort so viele ESC-Fans gibt.

Mit dem ESC-Sieg ist kein Geld, sondern nur eine Trophäe für die Komponisten verbunden – ausserdem die Austragung der Veranstaltung im Folgejahr.