Die 1960er Jahre waren eigentlich die Zeit der Beat-Gruppen. Die Bands bestanden aus Freunden oder mindestens Kollegen, meist mit einer gemeinsamen Geschichte oder mindestens gemeinsamen Interessen. Grosses Vorbild waren die Beatles, die zusammen in Liverpool mit dem Musik machen begonnen hatten. Einzig Schlagzeuger Ringo Starr kam etwas später hinzu, aber der Erfolg zeichnete sich erst ab. Als die Rakete losging, war er dabei. Und die Fab Four blieben zusammen, bis sie die Beatles beerdigten.

Anders Procol Harum. Für die Aufnahme von "A Whiter Shade of Pale" suchte Pianist und Sänger Gary Brooker deshalb Musiker, die bei den Aufnahme-Sessions mitmachten. Eigentliche Session-Musiker waren es auch nicht, die den Track einspielten, aber sie waren sehr kurzfristig zusammengestellt worden. Besonders turbulent die Besetzung des Drummer-Postens.

Die Produzenten damals hielten den Schlagzeuger für einen entscheidenden Mann, der einem Song den richtigen Drive geben konnte. So verbannte man auch Ringo bei der ersten Beatles-Platte (Love Me Do) vom Schlagzeug und gab ihm das Tamburin. Und bei Procol Harum stand zwar mit Bobby Harrison, den man am Tag vor der Aufnahme verpflichtet hatte, ein Schlagzeuger bereit, aber er wurde noch durch den erfahreneren Bill Eyden ersetzt. Harrison glaubte, dass die schliesslich veröffentlichte Version mit ihm war, musste dann aber enttäuscht erfahren, dass Eyden getrommelt hatte.

Das Line-up für "A Whiter Shade of Pale" war dann Gary Brooker (Piano und Gesang), Matthew Fisher (Hammond-Orgel), Ray Royer (Gitarre), Dave Knights (Bass) und Bill Eyden (Schlagzeug).

Das Management war ähnlich chaotisch. Um die Platte zu promoten hatte Manager Jonathan Weston so viele Gigs wie möglich gebucht, zum Teil auch an unmöglichen Orten. "Wir fuhren in Limousinen, die 200 Pfund am Tag kosteten, in einen kleinen Nachtclub, um dort für 60 Pfund zu spielen", erinnert sich Matthew Fisher. "Die Manager rieben sich die Hände beim Gedanken: Toll, wir haben eine Nummer-1-Band für 60 Pfund."

Das machte offensichtlich keinen Sinn. Aber auch die Idee, ein Album aufzunehmen, um auf der Erfolgswelle mitzureiten, war nicht viel besser. Es funktionierte nicht und Royer und Harrison wurden leise gebeten, die Band zu verlassen - während ihre Platte noch Nummer 1 war. "Willst du bei einer Nummer-1-Band mitmachen?" soll Gary Brooker dann die alten Paramount-Kumpels Robin Trower (Gitarre) und BJ Wilson (Schlagzeug) gefragt haben.

Das war schliesslich die Besetzung, welche das Album und die zweite Single "Homburg" einspielten. Nach "Shine on Brightly" und "A Salty Dog" verliess Matthew Fisher auf eigenen Wunsch die Band, weil er sich beim Touren nicht wohl fühlte. Im Studio war er gerne dabei, er kam auch wieder zurück, als man ihn fragte. Die Verblüffung, als er 2004 gegen Reid, Brooker und OnwardsMusic, die damalige Produktionsfirma, klagte, muss gross gewesen sein.

Auf "Homburg" steuert Fisher schöne Orgellinien bei, einige Songs, besonders Instrumentals, komponierte er selbst. Ungeachtet, wer im Recht ist beim Orgel-Intro von "A Whiter Shade of Pale", hat er massgeblichen Einfluss auf den Erfolg der Band.

Procol Harum-Homburg (Beat Club 1968)

Procol Harum's bester Song ist "A Salty Dog". Ein eindringlicher Text, eine eindringliche Melodie und hervorragend integrierte Streicher zeigen, dass Procol Harum das Prinzip des Classic-Rock, den man oft mit AWSoP beginnen lässt, beherrschten wie vielleicht keine andere Band. 1972 wurde zusammen mit dem Edmonton Symphony Orchestra eine Live-Platte aufgenommen - ebenfalls ein Meilenstein. Hier imponiert die Band mit "Conquistador", einem der ersten Songs, die Gray Brooker nach den Paramounts komponierte.

Procol Harum - A Salty Dog (1969)

Robin Trower startete eine erfolgreiche Solo-Karriere, kam aber auch hin und wieder wieder zurück. Die anderen Musiker wechselten durch die Jahre hindurch auch. Keith Reid und Gary Brooker hielten Procol Harum am Leben. Den Riesen-Erfolg von "A Whiter Shade of Pale" erreichten sie nicht mehr. Aber musikalisch und textlich blieb das Niveau immer sehr hoch und ist es noch. Und live waren Procol Harum immer wieder gefragt - ob mit Symphonie-Orchester oder ohne.