Dabei hat der Berliner "Poet für das Hier und Jetzt" mit einer starken Neigung zur französischen Lebensart kein Verhältnis zu solch nackten Zahlen. Schon zum offiziellen Rentenalter sagte der dreifache Vater: "Das ist mir völlig schnurzpiepe. Es gibt viel einschneidendere Dinge, zum Beispiel, wenn ein Kind aus dem Haus geht."

Der gelernte Industriekaufmann Mey hatte seine Musiker-Karriere als "Barde mit der Gitarre" ("Ich wollte wie Orpheus singen") in den 60er Jahren in Frankreich als Frédérik Mey begonnen, später vor allem in West-Berliner Szene-Lokalen, als auch Kollegen wie Hannes Wader oder Klaus Hoffmann ihre ersten "Kneipen-Auftritte" hatten.

Mey blieb aber der grosse Einzelgänger unter den deutschen Liedermachern. Schon 1962 vertonte er Balladen von François Villon. Zu seinen späteren Erfolgen gehören Songs wie "Ankomme Freitag, den 13.", "Diplomatenjagd" und "Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu geh'n". Den grössten Hit landete der leidenschaftliche Amateurpilot allerdings mit dem Evergreen "Über den Wolken".

Viel Glück und ein Schicksalsschlag

"Ich habe Grund zu Dankbarkeit, dass ich mit heilen Knochen und ohne straffällig zu werden, so alt geworden bin", schreibt Mey auf seiner Webseite: "Keine Mega-Party, kein Aufriss, kein Fernsehen, kein Radio, keine Interviews. Ich habe euch mein Leben in meinen Liedern erzählt".

Das Leben habe ihn "mit Geschenken überhäuft, mit Glück und Liebe überschüttet und, wie, um Gleichgewicht und Gerechtigkeit wiederherzustellen, auch mit dem grössten Schmerz".

Meys damals 27-jähriger Sohn Maximilian war 2009 bei einem Auslandsaufenthalt schwer erkrankt. Der Vater teilte das seinerzeit der Öffentlichkeit mit, wahrt seitdem aber Stillschweigen, um die Privatsphäre der Familie zu schützen.

Auf seinem 2010 erschienenen Album "Mairegen" heisst es: "Hast dein Licht an beiden Seiten angezündet, nun ringt es flackernd um seinen Schein, mein fernes, mein geliebtes Kind, schlaf ein."

Neuer Mey im Mai

Der am 21. Dezember 1942 in Berlin geborene Mey ("Als die ersten Bomben fielen, kam ich grade auf die Welt") entwickelte eine Art Hassliebe zu seiner Vaterstadt, die er aber nie endgültig verliess. An der Mauer rannte er sich nach eigenen Worten "immer wieder den Kopf ein".

Kritiker warfen ihm gelegentlich eine musikalisch zunehmende Gleichförmigkeit vor, andere lobten ihn als "stille, ehrliche Kraftquelle" für den Alltag.

Auch nach Jahrzehnten sind seine Tourneen immer noch ausverkauft. Die nächste 60-Städte-Tour ist für 2014 geplant. Schon im Mai 2013 - wie immer ein neuer Mey im Mai - erscheint das nächste Album. Titel: "Dann mach's gut".