Powerjazz der besonderen Art versprach in Willisau der Auftaktabend mit dem Konzert von James Blood Ulmer und dem schwedisch-norwegischen Trio The Thing. Der amerikanische Gitarrist und Sänger ist in Ornette Colemans Free-Funk-Phase berühmt geworden und gilt auf der Gitarre als der wichtigste Vertreter von Colemans Harmolodics, bei der die melodische Entwicklung nicht einem harmonischen Ablauf folgt, sondern der inneren Logik der Melodie. Ulmer ist nicht bekannt für seine filigrane Technik, in Willisau schien der 78-jährige Gitarrist aber einfach nicht richtig in die Gänge zu kommen. Rätselhaft blieb auch der Gesang von Ulmer: ein konstantes, undefinierbares Grummeln und Brummen.

Verloren war Ulmer erst recht, als Saxofonist Mats Gustafson einsetzte. Der 44-jährige Schwede ist ein Brachial-Honker. Ein Saxofonist, dem es nicht um die melodische Entfaltung geht, sondern um die Erzeugung von Intensität. Gustafsons Energie ist beeindruckend, doch wenn seine Hörner losfrästen, in Willisau das Alto und das Tenor – deckten sie alles zu. Dass es auch anders geht, hat das Trio schon mit der Sängerin Neneh Cherry bewiesen. Ulmer konnte dieser puren Gewalt aber nichts entgegensetzen. Eine Interaktion war gar nicht möglich. So fragt es sich schon, ob diese Kombination Sinn macht.

Besser harmonierte die europäisch-amerikanische Kollaboration des Schweizer Saxofonisten Christoph Erb (45) mit den Amerikanern Jim Baker (Klavier, Synthesizer) und Frank Rosaly (Schlagzeug). Erb hat die beiden während eines Atelieraufenthalts in Chicago kennen gelernt, wo er sich intensiv mit Improvisation auseinandersetzte. In Willisau präsentierte der Saxofonist insofern die Früchte dieser jüngsten Anstrengungen – eine beeindruckende Palette an Ausdrucksmöglichkeiten. Klanglich hat Erb die ganze Geschichte des Tenorsaxofons verinnerlicht. Von Coleman Hawkins bis Albert Ayler und mehr: Er verfügt neben den verschiedensten Sounds, über ein beeindruckendes Repertoire an Mehrklängen und perkussiven Spielereien. Erb flattert, schnattert, haucht, brüllt und flüstert. Die Band groovte nicht im eigentlichen Sinn. Vielmehr bereiteten die beiden Amerikaner dem Schweizer Bandleader den Boden für seine kurzweilige, einfallsreiche Show der Sounds.

Jazzfestival Willisau: Noch bis 2.9.