Rock und Rap sind auch Jahrzehnte nach Joan Jett, Blondie oder Salt ’n’ Pepa mehrheitlich in Männerhand. Das ist bekannt. Wie das Geschlechterverhältnis in Basler Proberäumen aussieht, war bis anhin jedoch unerforscht. Das ändert sich nun dank einer Studie, die der RFV Basel zusammen mit Basler Ämtern erstellt hat.

Dabei wurden die Daten von 898 Bands und Solomusikerinnen und Solomusikern ausgewertet. Untersucht wurden die Geschlechterverhältnisse und die Förderbeiträge. Treibende Kraft hinter dieser Arbeit ist Seline Kunz.

Sie sorgt seit einigen Monaten für frischen Wind in der Geschäftsstelle des Basler Popfördervereins und hat sich schon in ihrem Studium mit Genderfragen beschäftigt. Als Singer-Songwriterin ist sie unter dem Pseudonym Lena Fennell selber aktiv in der Szene. All diese Erfahrungen bringt sie nun in den jahrelang klar männlich dominierten RFV ein. Und mit der Studie trifft der Verein den Nerv der Zeit. Seit Monaten ist eine Diskussion über den Frauenanteil auf Konzertbühnen im Gang. Die britische Initiative «Keychange» will ein Zeichen setzen gegen die Unterrepräsentation von Frauen in der Musikbranche: Projektziel ist es, bis 2022 eine Geschlechtergleichheit auf internationalen Popkonzertbühnen zu erreichen.

Starkes Engagement

Dass das Ungleichgewicht auch in den Proberäumen besteht, offenbart die Studie. Der Frauenanteil in der Basler Popszene beträgt lediglich zehn Prozent. Die 286 Frauen sind jedoch sehr aktiv: In fast jeder vierten Band der Region Basel spielen eine oder mehrere Frauen mit, das heisst einige Frauen sind in mehr als nur einer Formation tätig. Daraus wiederum lässt sich ein hohes Engagement schliessen.

Ansehnlich ist auch die Erfolgsquote: Denn Bands mit Frauenanteil sind im Durchschnitt nicht nur stärker um Fördergelder bemüht, sondern auch erfolgreicher darin, solche zu erhalten. Eine Diskriminierung von Frauen könne daher ausgeschlossen werden. Auch sei der Frauenanteil der über die letzten zehn Jahre geförderten Bands gleichbleibend.

Aus diesen Erkenntnissen zieht man in der Studie den Schluss, dass Frauenförderung eine Professionalitäts- und Qualitätssteigerung bedeutet und dass die Massnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in der Popszene deshalb weiter ausgebaut werden müssen. Diese Herleitung ist allerdings auch gewagt. Denn aus welchen Gründen Bands mit Frauen öfter Fördergelder erhalten, bleibt offen. Es könnte ja sein, dass eine Jury, die fünf qualitativ gleichwertige Popbands beurteilt, sich für jene mit einer Sängerin entscheidet. Gerade weil sich diese Band durch ihre weibliche Note vom Gros abhebt.

Zugleich aber muss man betonen, dass es sich hier um eine Vorstudie handelt, eine Pionierleistung, auf die weitere und genauere Erhebungen folgen sollen. Eine detailliertere Analyse wäre wünschenswert: Etwa bezüglich der Instrumentenwahl. Ist E-Bass bei Frauen beliebter als E-Gitarre? Und warum? Auch wären Vergleiche mit anderen Städten oder Kultursparten interessant. Weitere Erkenntnisse durch Studien könnten dazu beitragen, entsprechende Massnahmen zu ergreifen und die Vielfalt zu erhöhen.