Es geht nicht recht voran mit öffentlichem WLAN in den Schweizer Städten. In Bern hat der Stadtrat die Forderung nach einem kostenlosen flächendeckenden WLAN (kabelloser Internetzugang) im Januar abgelehnt. In Zürich hat ein Jahr zuvor das Elektrizitätswerk EWZ entschieden, ihr Pilotprojekt für Gratis-WLAN in der Innenstadt nicht weiterzuführen. In Basel gibt es Hotspots, die nur Touristen mit Gästekarte zur Verfügung stehen. Und die WLAN-Hotspots von Genf, Lausanne und Luzern stehen zwar allen offen, beschränken sich aber auf gut frequentierte öffentliche Plätze.

Offensichtlich hält sich das Bedürfnis nach einer höheren WLAN-Abdeckung bei den schätzungsweise sechs Millionen Smartphonenutzern der Schweiz in Grenzen. Hauptgrund ist, dass viele Nutzer mit Flatrate-Abos unabhängig von WLAN über das Telefonnetz surfen. Die Datenübertragungsraten sind inzwischen hoch genug, um auch grosse Dateien zu versenden und Youtube-Videos zu schauen.

Und doch – die bestehenden öffentlichen WLAN-Spots sind beliebt. «Wir verzeichnen weiterhin eine Zunahme bei der Nutzung», lässt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig verlauten. An den achtzig Bahnhöfen mit kostenlosem Internetzugang würden monatlich rund 110'000 Nutzer verbucht.

Wer sind diese Nutzer? Daten dazu erfassen die SBB keine. Doch viele davon dürften ausländische Reisende ohne Schweizer Mobilfunkabo sein, die so Roaminggebühren vermeiden. Das deckt sich mit den Erfahrungen des EWZ in Zürich, dessen WLAN im Pilotprojekt stark von Touristen genutzt wurde. Zwar bieten fast alle Hotels ihren Gästen WLAN, aber die Besucher wollen auch tagsüber, wenn sie unterwegs sind, Informationen abfragen und Bilder teilen.

Ähnlich wie Internetcafés wird öffentliches WLAN aber auch von Menschen genutzt, die ihre Ausgaben tief halten wollen. «Auch in der Schweiz gibt es viele Prepaid-Kunden ohne Flatrate», sagt Ralf Beyeler, Telekom-Experte beim Vergleichsdienst Moneyland. «Oder im Abo ist nur eine relativ kleine Datenmenge inbegriffen.» Mit solchen Abos lassen sich problemlos Nachrichten per Whatsapp versenden, aber für datenintensive Nutzung – etwa Streaming von Filmen – ist aus Kostengründen eine WLAN-Verbindung wünschenswert.

Nebst Bahnhöfen bieten unter anderem Cafés und Restaurants, Supermärkte, Postautos sowie sämtliche Fahrzeuge von Flixbus kostenlose WLAN-Hotspots. Auch in den SBB-Zügen soll es bald einen Gratis-Internetzugang geben (wenn auch mit einer anderen Technologie).

Würden mehr Nutzer via WLAN surfen, wäre dies eine Entlastung für die Mobilfunknetze, die ohne zusätzliche Antennen an ihre Kapazitätsgrenzen zu stossen drohen. Doch vielen ist es zu umständlich, sich jeweils per SMS-Code einzuloggen. Seit dem 1. März sind professionelle WLAN-Betreiber jedoch per Gesetz dazu verpflichtet, die Identität ihrer Nutzer zu erfassen.