Wer in eine Crowdfunding-Kampagne investiert, erwartet dafür eine Gegenleistung. Wenn diese trotz erfolgreicher Finanzierung des Projekts nie ankommt, ist das nicht nur mühsam, sondern auch teuer: Häufig investieren Unterstützer Hunderte Franken in ein Produkt. Dass dieses unter Umständen gar nie gebaut wird, geht dabei häufig vergessen.

Nie vergessen geht diese Möglichkeit hingegen in den Nutzungsbedingungen der grossen Crowdfunding-Plattformen. Dort steht überall, dass die Betreiber der Internetseiten jegliche Verantwortung – und damit auch jede Haftung – für den Erfolg des Projekts ablehnen. So ist es bei internationalen Seiten wie «Kickstarter» und «Indiegogo», aber auch
bei den Schweizer Plattformen «wemakeit» und «100-Days». Sobald ein Projekt erfolgreich finanziert und das Geld überwiesen ist, ist es für die Crowdfunding-Plattform abgeschlossen.

Wer eine Entschädigung einfordern will, muss sich deshalb direkt an die Projektinitianten wenden. Teilweise hat man so Erfolg – häufig aber auch nicht. Denn in vielen Fällen handelt es sich dabei nicht um etablierte Firmen, sondern um ambitionierte Hobby-Bastler.
Der einzige Weg zur Entschädigung führt dann über eine Klage, wofür die meisten Unterstützer jedoch nicht die nötigen Ressourcen haben.

Trotzdem wurden in Einzelfällen amerikanische Projekt-Initianten bereits des Betrugs schuldig gesprochen und zur Rückzahlung des gesamten Geldes verurteilt. Darauf meldeten die meisten von ihnen jedoch Insolvenz an und die Unterstützer erhielten nur einen Bruchteil ihres Einsatzes zurück.

Schweizer werden beraten

Auch in der Schweiz wird Crowdfunding immer beliebter. Mit den Schattenseiten hat man hierzulande jedoch noch keine Erfahrungen gemacht: Sowohl «wemakeit» als auch «100-Days» und mehrere Branchenkenner sagten gegenüber der «Nordwestschweiz», dass es bisher keine vergleichbaren Fälle gab. Damit das auch so bleibt, prüfen die erwähnten Schweizer Plattformen alle eingereichten Projekte detailliert, bevor sie online gestellt werden.

«Dabei geht es hauptsächlich um Qualitätssicherung», schreibt eine Vertreterin von «wemakeit» auf Anfrage. «Wir schicken den Projekten Tipps und Verbesserungsvorschläge, wenn das nötig ist. Dazu erlauben wir es uns auch, Projekte abzulehnen, deren Ziele wir für völlig unrealistisch halten oder die trotz formaler Korrektheit stark an Professionalität mangeln.»

Nach diversen gescheiterten Projekten (siehe Bildergalerie oben) haben auch die grossen internationalen Plattformen ihre Prüfung intensiviert. «Kickstarter», der wohl wichtigste Crowdfunding-Anbieter, fordert unterdessen sogar einen funktionierenden Prototypen, damit das Projekt zugelassen wird.

So weit gehen die Schweizer Anbieter zwar noch nicht, dafür legen sie Wert auf eine persönliche Betreuung der Projekte. «100-Days» gibt beispielsweise an, dass man Initianten in der Vergangenheit schon mehrfach Kontakte zur Industrie vermittelt habe. Zusätzlich verfügen die beiden erwähnten Anbieter über Partnerprogramme, welche die Initianten bei der Umsetzung ihrer Projekte unterstützen.

An solchen Angeboten könnten sich auch die globalen Plattformen ein Beispiel nehmen, schliesslich liessen sich so viele gescheiterte Projekte verhindern. Und das ist wichtig. Denn das Finanzierungsmodell Crowdfunding ist schlicht zu gut, als dass man es sich von einigen undurchdachten Projekten ruinieren lassen dürfte.