Ist Google böse?

Gerd Leonhard: Ich glaube nicht, dass Google böse Absichten hat. Der Konzern ist auch veränderungsfähig. Es braucht aber einen Anstoss, damit sich die Firma bewegt.

Druck vom EU-Parlament?

Die Motion, die das EU-Parlament verabschieden will, ist ein guter Denkanstoss und eröffnet eine wichtige Diskussion. Das Hauptproblem ist aber nicht, dass bei Google Suchmaschine und kommerzielle Angebote unter einem Dach vereint sind.

Was dann?

Der Konzern ist auf dem Weg, von einer Suchmaschine zu einem System der künstlichen Intelligenz zu werden. Google will ein persönlicher Assistent werden, der alles über mich weiss und antizipiert, was ich im nächsten Moment tun werde.

Können Sie ein Beispiel machen?

Google zeigt mir künftig nicht mehr, wo das beste Sushi-Restaurant ist, wenn ich danach suche. Viel mehr erkennt der persönliche Assistent künftig bereits im Voraus, dass ich heute Abend Sushi essen will, und macht mir den entsprechenden Vorschlag unaufgefordert.

Google wird noch mächtiger?

Der Konzern wird in allen Bereichen unseres Lebens vertreten sein. Google wird unser Auto steuern, unsere Telekommunikationssatelliten lenken und unsere Gesundheitsdaten managen.

Klingt beunruhigend.

Es zeigt, dass wir als Gesellschaft reagieren müssen. Google macht einen guten Job. Aber wir dürfen die Amerikaner nicht einfach gewähren lassen. Es braucht globale Standards, um Daten zu erfassen und zu verwalten. Big Data muss genau so reguliert werden, wie das Geschäft der grossen Ölkonzerne reguliert worden ist. Das wird Google dazu veranlassen, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Müssen nicht auch die Nutzer mehr Verantwortung übernehmen? Es gibt ja auch Alternativen zu Google.

Nein, nicht wirklich. Keine andere Suchmaschine ist so gut wie jene von Google. Und die eingeschlagene Entwicklung zeigt: Google wird noch besser.