Einst wurden pro Tag Milliarden SMS versendet. Doch mit dem Siegeszug von WhatsApp begann der Niedergang des Short Message Services. Zu wenig flexibel, zu teuer waren die auf 160 Zeichen beschränkten Kurzmitteilungen.

Doch nun wurde der SMS-Dienst ordentlich aufgebohrt. Mit dem Nachrichtenstandard «RCS» sollen wir schon bald so umfangreich chatten können, wie wir uns das von Whatsapp und Co. gewöhnt sind. Entwickelt wurde RCS dabei schon 2012, doch erst jetzt wird die Verbreitung im grossen Stil vorangetrieben. Dahinter stecken vor allem die Mobilfunkanbieter und Google.

1. Was kann RCS?

RCS ist nicht wie WhatsApp oder Telegram eine Chat-App, sondern wie die SMS ein Nachrichtenstandard. Damit ist RCS theoretisch auf jedem Handy nutzbar, das den Standard unterstützt, ohne, dass man eine neue App installieren muss.

RCS soll dabei alles bieten, was man sich von vielen modernen Messengern bereits gewöhnt ist:

  • Keine Limitierung auf 160 Zeichen pro Nachricht
  • Versenden von Stickern, GIFs, Videos, Sprachnachrichten und Dateien
  • Videochats
  • Emojis
  • Statusanzeigen, ob eine Nachricht versendet und gelesen wurde
  • Gruppenchats

Interessant ist RCS vor allem auch für Firmen, die mit ihren Kunden über SMS kommunizieren. Wegen der zuverlässigen Erreichbarkeit werden beispielsweise Links für eTickets oder Paket-Tracking noch immer per SMS versendet.

Solche Nachrichten gehören bald der Vergangenheit an.

Solche Nachrichten gehören bald der Vergangenheit an.

Mit RCS können Elemente wie eTickets direkt in der Anwendung angezeigt werden. Das Öffnen eines Links ist nicht mehr nötig. Selbst interaktive Elemente, wie das Auswählen der Mahlzeit für den nächsten Ferientripp, sind möglich.

2. Wie kann ich RCS nutzen?

Damit Sie RCS nutzen können, braucht es zwei wichtige Voraussetzungen:

  1. Das Betriebssystem deines Smartphones muss RCS unterstützen.
  2. Dein Mobilfunkanbieter muss RCS auf seinem Netz aufgeschaltet haben.

Google hat RCS bereits in das Android-System integriert. Dort kann man den Dienst theoretisch mit der normalen SMS-Anwendung «Google Messages» nutzen – vorausgesetzt, das Handynetz unterstützt RCS.

Auch Microsoft wird den RCS-Standard unterstützen, genauso wie viele grosse Smartphone-Hersteller, welche RCS in ihre eigenen SMS-Apps integrieren.

Apple hingegen hat noch nicht bekannt gegeben, ob man den Standard unterstützen wird oder nicht.

Diese Unternehmen haben angekündigt, RCS zu unterstützen:

3. Wie sieht RCS aus?

Grundsätzlich gibt es keine einheitliche Benutzerobefläche von RCS, da vor allem bei Android, je nach Hersteller, jede SMS-App etwas anders aussieht.

Die Standard-SMS-App «Google Messages» sieht mit der RCS-Funktionen wie folgt aus:

4. Was sind die Vorteile?

Wird RCS einmal von allen wichtigen Smartphone-Herstellern und Netzbetreibern unterstützt, gibt es durchaus einige Vorteile gegenüber Whatsapp und Co.

  1. Man muss nicht extra eine App installieren, um mit jemandem zu chatten.
  2. Man kann Nachrichten einfach schreiben, ohne vorher abklären zu müssen, ob der Chatpartner überhaupt die passende App installiert hat.
  3. RCS ist abwärtskompatibel. Wird eine Nachricht an ein nicht RCS-fähiges Handy geschickt, wird die Mitteilung automatisch in eine SMS oder MMS umgewandelt.

5. Und die Nachteile?

  1. iPhone-User werden wohl vorläufig nicht von RCS profitieren, da Apple sonst sein eigenes System iMessage kannibalisieren würde. Damit wird es RCS vor allem hierzulande schwer haben, da die Schweiz noch immer eine Apple-Hochburg ist.
  2. RCS-Nachrichten werden nicht verschlüsselt verschickt. Theoretisch könnten Netzbetreiber Nachrichten so ganz einfach mitlesen.
  3. Die Abwärtskompatibilität zu nicht RCS-fähigen Geräten ist limitiert. Zwar werden Texte und Bilder in SMS und MMS umgewandelt, doch Elemente wie Sticker, Dateien oder Videos gehen verloren.

6. Ab wann ist RCS in der Schweiz verfügbar?

In der Schweiz kann man RCS im Moment noch nicht nutzen, da keiner der drei grossen Netzbetreiber den Standard unterstützt. Swisscom hat vor wenigen Tagen verkündet, dass man RCS bis Ende Jahr aufschalten wird. Sunrise und Salt sagten auf Anfrage von watson, dass man die Entwicklung von RCS beobachte und den Dienst bei Bedarf aufschalten werde.

Deutsche Mobilfunkanbieter versuchten seit Jahren, den Standard RCS unter dem Markennamen Joyn im Markt zu etablieren. Diese Versuche verliefen aber weitgehend erfolglos.

7. Was kostet RCS?

Anders als bei SMS wird RCS nicht mehr pro Nachricht abgerechnet, sondern via Datenvolumen. Ausser natürlich, man verschickt etwas an ein nicht RCS-fähiges Smartphone, wodurch die Nachricht als normale, kostenpflichtige SMS oder MMS versendet wird.