Was ist passiert?

Der Wirtschaftskrieg der USA gegen China eskaliert. Die US-Regierung hat wichtige US-Tech-Unternehmen dazu gebracht, die Geschäftsbeziehungen mit Huawei zu unterbrechen. Konkret geht es um Liefer-Stopps für US-Produkte.

  • Die Alphabet-Tochter Google hat Lieferungen an Huawei ausgesetzt, das heisst, die Chinesen erhalten vorerst keine neue Hardware und Software aus Amerika.
  • Laut Reuters-Bericht wurden alle Geschäfte gestoppt, die die «Übertragung von Hardware, Software und technischen Dienstleistungen» betreffen, mit Ausnahme derjenigen, die über Open-Source-Lizenzen öffentlich zugänglich sind.
  • Intel, Qualcomm und Broadcom, drei der weltweit führenden Chipdesigner und -lieferanten, sollen ihre Geschäftsbeziehungen mit Huawei ebenfalls unterbrechen.
  • Qualcomm gilt als einer der wichtigsten Lieferanten von Huawei. Zudem sollen zukünftige Huawei-Smartphones wichtige Android-Updates nicht erhalten.
  • Die Auswirkungen der nicht zeitlich befristeten Strafmassnahmen, die US-Präsident Donald Trump zu verantworten hat, sind noch nicht absehbar.
  • Auch Windows-Anbieter Microsoft könnte zu einem Lieferstopp gezwungen werden.

Was sagen Huawei und Google?

Huawei schreibt:

«Huawei hat weltweit bedeutende Beiträge zur Entwicklung und zum Wachstum von Android geleistet. Wir haben als einer der globalen Key-Partner von Android eng mit ihrer Open Source Plattform gearbeitet, um ein Ecosystem zu entwickeln, von dem sowohl die Nutzer als auch die Industrie profitieren. Huawei wird weiterhin Sicherheitsupdates und Services für alle bestehenden Huawei und Honor Smartphones sowie Tablets zur Verfügung stellen. Das betrifft verkaufte und lagerhaltige Geräte weltweit. Wir werden weiter daran arbeiten ein sicheres und zukunftsfähiges Software-Ecosystem zu entwickeln, um die bestmögliche Nutzererfahrung weltweit zu bieten.»

Google, respektive der Mutterkonzern Alphabet, hat ebenfalls Stellung genommen und die von der US-Regierung veranlassten Schritte bestätigt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. «Wir befolgen den Auftrag und überprüfen die Auswirkungen», wird ein Google-Sprecher zitiert.

Noch liegen keine offiziellen Stellungnahmen seitens der US-Regierung vor.

Wie schlimm ist es?

Das kommt auf die Perspektive an.

Huawei ist der weltweit zweitgrösste Smartphone-Hersteller, was die Stückzahlen betrifft: Auf den Mobilgeräten der Chinesen läuft das Android-Betriebssystem des US-Konzerns Google. Und auf den Huawei-Notebooks ist das Microsoft-Betriebssystem Windows installiert.

Zur User-Sicht: siehe weiter unten.

In US-Medienberichten ist nun von einer dramatischen Eskalation des Handelskrieges zwischen den USA und China die Rede. Doch ganz so schlimm ist es (noch) nicht.

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob US-Präsident Donald Trump ernst macht und mit welchen Vergeltungsmassnahmen China auf die Strafaktion reagiert.

Für Huawei stehe viel auf dem Spiel, berichtete welt.de am Freitag, als bekannt wurde, dass Donald Trump den chinesischen Konzern auf eine schwarze Liste gesetzt hat.

Als abschreckendes Beispiel wird ZTE genannt. Als die US-Regierung 2018 gegen den chinesischen Netzausrüster ZTE einen Zuliefererstopp verhängt habe, seien Schockwellen durch die gesamte Techbranche gegangen. Damals lauteten die US-Anschuldigungen, dass das Unternehmen die Sanktionen gegen den Iran und Nordkorea verletzt habe.

Nach nur einem Monat liess ZTE verlauten, dass es den Betrieb mit 80'000 Mitarbeitern weitgehend einstellen müsse. Dass es ZTE heute überhaupt noch gebe, liegt laut «Welt»-Bericht an einer Einigung zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping. «Am Ende musste ZTE eine Milliardenstrafe zahlen und sämtliche Mitglieder im Verwaltungsrat auswechseln.»

Betrifft mich das?

Unter Umständen schon, ja. Wenn auch nicht sofort.

Nun gilt es kühlen Kopf zu bewahren und erst einmal abzuwarten, bis sich der Pulverrauch verzogen hat.

Sicher ist: Bereits gekaufte Huawei-Smartphones sollen weiterhin Google-Updates erhalten (siehe nächster Punkt).

Funktioniert mein Huawei-Smartphone bald nicht mehr?

Doch doch.

Besitzer aktueller Huawei-Smartphones mit Google-Apps sollen auch weiterhin in der Lage sein, die von Google bereitgestellten App-Updates zu nutzen und herunterzuladen. Dies erklärte ein Google-Sprecher laut Reuters.

«Für die Nutzer unserer Dienste werden Google Play und die Sicherheitsvorkehrungen von Google Play Protect auf bestehenden Huawei-Geräten weiterhin funktionieren», wird der Sprecher zitiert, ohne weitere Details zu nennen.

   

Huawei sagt, man werde «weiterhin Sicherheitsupdates und After-Sales-Services für alle bestehenden Huawei- und Honor Smartphone- und Tablet-Produkte bereitstellen, die weltweit verkauft wurden oder noch auf Lager sind.» In einer ersten Reaktion heisst es weiter, man werde «weiterhin ein sicheres und nachhaltiges Software-Ökosystem aufbauen, um allen Anwendern weltweit das beste Erlebnis zu bieten.»

Ob Huawei in Zukunft schnell und zuverlässig grosse Android-Updates für seine Mobilgeräte bereitstellen kann, auch ohne Google-Unterstützung, wird sich erst zeigen.

Falls Google keine Android-Sicherheitsupdates mehr an Huawei ausliefert, wären Hunderte Millionen User in Gefahr. Dies würde Hackerangriffen natürlich Tür und Tor öffnen.

Ist es riskant, jetzt ein neues Huawei-Gerät zu kaufen?

Abwarten kann nicht schaden.

Kann ich mein gekauftes Huawei-Gerät zurückgeben?

Warum sollten Sie das tun? Noch sind die konkreten Auswirkungen nicht absehbar. Die Lage kann sich jederzeit wieder ändern.

Was tut Huawei wegen des Software-Boykotts?

Das ist die grosse Frage.

Huawei werde nur noch «die öffentliche Version von Android» nutzen können und keinen Zugang zu proprietären Apps und Diensten von Google erhalten, zitierte Reuters einen Informanten.

Auf Huawei-Geräten würde demnach künftig nur noch die Open-Source-Version von Android laufen. Damit könnten Huawei-Geräte nicht mehr auf Google-Apps und -Dienste wie das E-Mail-Programm Gmail zugreifen. Ausserdem soll Huawei ab sofort keine Updates mehr erhalten.

Die Folgen sind noch nicht absehbar.

Fakt ist auch: Die Chinesen arbeiten schon seit Jahren an einem Ersatz für Android und für Windows:

«Wir haben ein eigenes Betriebssystem vorbereitet. Sollte es einmal dazu kommen, dass wir diese Systeme nicht mehr nutzen können, wären wir also gewappnet. Das ist unser Plan B.»

– Huaweis Topmanager Richard Yu

Bislang seien jedoch alle Smartphone-Betriebssysteme mit Ausnahme von Apples iOS und Googles Android gescheitert, ruft welt.de das aktuelle Duopol in Erinnerung. Der Vorsprung der beiden US-Unternehmen sei kaum aufholbar.

Was tut Huawei wegen des Chip-Lieferstopps?

Wie oben erwähnt, liegt noch keine offizielle Reaktion seitens Huawei vor. Von früheren Medienberichten wissen wir:

  • Huawei hat seine Tochterfirma HiSilicon in den vergangenen Jahren zu einem grösseren Chipproduzenten herangezogen.
  • In den Top-Smartphones von Huawei stecken häufig die hauseigenen Chips mit der Bezeichnung Kirin.

Doch unabhängig sei Huawei deswegen noch lange nicht, hielt welt.de fest. Der Konzern habe nach eigenen Angaben im letzten Jahr 11 Milliarden Dollar für Komponenten von US-Lieferanten ausgegeben. Von Huaweis wichtigsten Zulieferern komme jeder dritte aus den USA, darunter seien Firmen wie Qualcomm, Nvidia, Intel und Seagate.

Sind auch Huawei-Zulieferer ausserhalb Chinas betroffen?

Noch sei nicht klar, ob vom US-Bann auch Huawei-Zulieferer betroffen seien, die zwar ihren Sitz im Ausland haben, aber ihrerseits US-Technologie beziehen. Dazu würden Unternehmen wie TSMC, aber auch Japan Display, Sony und der Speicherhersteller Nanya Technology zählen.

Huawei entwickelt zwar einen Teil seiner Prozessoren selbst, doch produziert werden sie zu einem grossen Teil von TSMC in Taiwan.

Wie trifft das die US-Unternehmen?

Die grossen US-Chiphersteller müssten beträchtliche Einbussen hinnehmen, falls die Lieferstopps längere Zeit anhalten würden: Qualcomm mache mit Huawei etwa fünf Prozent seines Umsatzes, bei Broadcom seien es sechs Prozent, berichtete welt.de.

Bekanntlich lässt Apple seine iPhones in chinesischen Fabriken von Foxconn zusammenschrauben. Auch viele andere US-Unternehmen lassen in China billig produzieren.

TSMC ist auch ein wichtiger Apple-Partner und nach Intel und Samsung der weltweit drittgrösste Chiphersteller.

Warum gehen die USA ausgerechnet gegen Huawei vor?

Huawei ist nicht nur der grösste und am schnellsten wachsende chinesische Smartphone-Hersteller, sondern auch der weltweit führende Entwickler von Infrastruktur für Mobilfunknetze. Huawei soll insbesondere bei der wichtigen 5G-Technologie einen Vorsprung gegenüber Rivalen wie Ericsson, Nokia (beide Europa) und Cisco (USA) haben. Ihre Technologie gilt als technologisch fortschrittlich und kostengünstig. Huawei liefert, wartet und betreibt die Technologie für Mobilfunknetze von Telekomfirmen auf der halben Welt, unter anderem auch von Sunrise. US-Firmen wie Cisco hingegen geraten im 5G-Markt ins Hintertreffen.

Trumps Trumpf: Huawei braucht nicht nur für seine Smartphones, sondern insbesondere für seine 5G-Basisstationen Hochfrequenzchips von zwei US-Firmen, gefertigt aus Siliziumkarbid. Die Chinesen sind also ausgerechnet bei ihrem Hauptgeschäft, der Mobilfunktechnologie, von den USA abhängig.

Trump wirft Huawei vor, mit seiner Netzwerktechnik könne China Spionage betreiben. Europäische Regierungen lehnten die Forderung der USA bislang jedoch ab, ebenfalls Sanktionen gegen Huawei zu erlassen bzw. auf die 5G-Technologie der Chinesen zu verzichten. Trump läuft somit Gefahr, seinen Feldzug gegen Huawei zu verlieren. Als Reaktion darauf zieht er die Schraube nun nochmals massiv an, um im Handelskrieg mit China den Druck zu verstärken.

Wie geht es weiter?

Die Auswirkungen lassen sich noch nicht abschätzen.

Das Worst-Case-Szenario lässt nichts Gutes erhoffen: Die chinesische Regierung könnte Vergeltungsmassnahmen ergreifen gegen grosse US-Unternehmen, die sie empfindlich treffen, und so die Weltwirtschaft negativ beeinflussen.

Was war der Auslöser?

Am vergangenen Freitag hat die US-Regierung Huawei und 70 seiner Tochterfirmen auf eine schwarze Liste gesetzt.

Damit ist es US-Firmen untersagt, ohne Genehmigung der US-Regierung Geschäfte mit Huawei und Co. zu tätigen.

Die Ankündigung folgte einem Dekret von US-Präsident Donald Trump, der am Mittwoch den nationalen Telekommunikationsnotstand ausgerufen hatte. Trump wirft Huawei vor, mit seinen Produkten könne Chinas Regime Spionage betreiben. Das Unternehmen weist dies zurück.

Die USA haben bislang keine konkreten Beweise vorgelegt, dass Huawei-Hardware nicht sicher ist, respektive Hintertüren («Backdoors») aufweist für chinesische Spione.

Mit einer angeblich auf US-Geheimdienst-Angaben basierenden Enthüllungsstory schreckten Bloomberg-Journalisten im Oktober 2018 die Techbranche auf. Doch die angeblich betroffenen US-Konzerne dementierten vehement. Apple und Amazon wiesen mit Nachdruck den Bericht zurück, wonach sie Spionage-Chips aus China in ihren Servern entdeckt hätten. Auch weitere Akteure bezweifelten den Bericht.

Spiegel Online berichtete bereits 2014, dass die NSA Huawei ausspioniert hatten. Der US-Geheimdienst hegte seit Jahren ein tiefes Misstrauen gegen den Tech-Giganten.

Spiegel Online stützte sich dabei auf vertrauliche Dokumente, die NSA-Whistleblower Edward Snowden publik machte.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA