Die Fundschicht stammt aus der Zeit der sogenannten K-T-Grenze (Kreide-Tertiär oder aktueller K-P – Kreide-Paläogen), einer Epoche, die durch einen plötzlichen Wandel von Flora und Fauna gekennzeichnet ist. Lange tappte die Forschung im Dunkeln, was für diesen Wandel verantwortlich sein könnte.

1979 stellten Walter und sein Vater Luis Walter Alvarez die Theorie auf, die Erde könnte damals von einem gewaltigen Brocken aus dem All getroffen worden sein. Darauf deutete die grosse Menge an Iridium hin, ein Metall, das auf der Erde selten, in Einschlagkratern aber häufig vorkommt, die überall an Stätten der K-T-Grenzen gefunden wurden. Dazu passte der vor der Halbinsel Yucatán gelegene Chicxulub-Krater. Er musste von einem Asteroiden mit einem Durchmesser von rund 10 Kilometern stammen.

Der Dino-Killer

Der Chicxulub-Einschlag wurde dann auch für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich gemacht. Oberhalb der K-T-Grenze fanden sich keine Dino-Fossilien mehr. Die Echsen hatten 160 Millionen Jahre den Planeten beherrscht, jetzt gab es Platz für die Säugetiere und für uns. Mit den Dinos starben rund 75 Prozent aller Pflanzen- und Tierarten aus. Denn dem katastrophalen Einschlag folgte ein wahrscheinlich jahrelanger Winter, der die Lebensgrundlagen der meisten Tiere und Pflanzen zerstörte.

Den grossen Knall gab es, da ist sich die Forschung weitgehend einig. Aber ob er auch der Täter war, blieb umstritten, denn es fehlten die Leichen. Es kursierten auch Theorien, die eine Überstrapazierung der Ökosysteme sahen und ein langsameres Aussterben.

Was Robert Palma, Doktorand der Kansas University, und sein Team gefunden haben, stützt nun die Theorie des zerstörerischen Asteroiden. Denn die Paläontologen stiessen auf einen versteinerten Knäuel von verkohlten Baumstrünken, Fischen, Säugetieren und Saurierteilen, darunter Meeressaurier, Muscheln und Ammoniten. Alle gleichzeitig tot.

Die Stelle war offenbar eine Flussmündung in ein Binnenmeer. Den Hinweis auf den Todeszeitpunkt lieferten tote Störe die von einer Flut an Land geschleudert wurden. In ihren Kiemen fanden sich Tektite, verglaste Steinkügelchen. Sie kamen vom Himmel herunter. Sie entstehen, wenn verdampftes Gestein sich in der Atmosphäre wieder verfestigt.

Beim Einschlag war der ausserirdische Brocken sofort verdampft, schleuderte aber einige tausend Kubikkilometer Gesteinsmaterial in die Atmosphäre. Der Fundort in North Dakota liegt 3000 Kilometer entfernt von Mexiko. Die Tiere kamen auch nicht durch einen Tsunami ums Leben, der 10 bis 12 Stunden nach der Katastrophe eintraf, sondern durch seismische Wellen, sogenannte Seiche (ausgesprochen «saysh»). Auch die verursachten eine rund 10 Meter hohe Wasserwand.

Ein Museum der K-T-Grenze

Das Ereignis lässt sich jetzt einigermassen rekonstruieren: Der Gesteinsregen muss ungefähr 45 Minuten nach dem Einschlag über Nordamerika niedergegangen sein. Eine erste Welle musste vorher über das Gelände gegangen sein, denn im versteinerten Schlamm sieht man noch die Trichter, welche die Glaskügelchen hinterlassen haben.

Eine zweite Welle begrub dann das Ganze unter einer erneuten Schicht von Schlamm und Sedimenten. «Niemand hat diese Trichter bisher gesehen», sagt Mark Richards, emeritierter Professor für Erd- und Planetenkunde der Universität Berkeley. Er und Walter Alvarez wurden gerufen, um die Sache mit den Glaskügelchen zu klären.

«Es sieht aus wie ein Museum des Endes der Kreidezeit in einer Schicht, die rund anderthalb Meter dick ist», beschreibt Richards die Szene. «Als wir die Impakt-Theorie vorschlugen, um das Massenaussterben zu erklären, hatten wir nur die Iridiumschicht», sagt Walter Alvarez, «seither hat sich die Sache erhärtet, aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass wir ein solches Leichenfeld finden könnten.»