Die Apollo-11-Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins sind mit der Computerleistung eines Taschenrechners zum rund 400 000 Kilometer entfernten Mond geflogen: «Mit einem HP 67», sagt Men J. Schmidt von der Firma Spacescience.

1955 treffen sich Wissenschafter aus Ost und West an einem Kongress mit der Idee, «einen künstlichen Mond zu realisieren», einen Satelliten. Die Absichtserklärung der Amerikaner bringt aber in erster Linie die Russen in Fahrt. Zwar hatten die USA unter dem genialen Raketenbauer Wernher von Braun eine Tausend-Meilen-Rakete entwickelt. Doch der Paukenschlag gelingt den Sowjets. 1957 schicken sie mit Sputnik 1 den ersten Satelliten rund um die Erde und bereits einen Monat später mit dem Hund Laika ein erstes Lebewesen ins Weltall. Der Hund überlebt zwar nur einige Stunden, der Schock bei den Amerikanern aber sitzt tief. Umso mehr als im Dezember das erste Satellitenprojekt der USA total misslingt. Die Rakete auf Cape Canaveral schafft es genau 40 Zentimeter über Boden und explodiert dann – vor versammelter Weltpresse. Die Russen dagegen verschweigen ihre Misserfolge und bejubeln die Siege über den Feind aus dem Westen.

Nun setzt sich von Braun in Szene. Im Januar 1958 startet Hitlers ehemaliger Raketenbauer den ersten US-Satelliten Explorer One. 1958 wird aus US-Army, Navy und Airforce eine zivile Raumfahrtorganisation gegründet, die Nasa. Aus 2000 Bewerbern werden die ersten sieben Astronauten ausgewählt, die später beim Wettlauf zum Mond Entscheidendes leisten werden, beispielsweise John Glenn und Alan Shepard. «In einer Zeit, in der noch jede zweite Rakete beim Start explodiert ist», wie Schmidt erklärt.

Kennedy verleiht Flügel

Noch sind die Amerikaner nicht auf Volllast. Dann umkreist der russische Astronaut Juri Gagarin am 12. April 1961 als erster Mensch die Erde. Nun werden in den USA alle Kräfte aktiviert. Präsident John F. Kennedy erklärt vor dem US-Kongress, die USA würden vor Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond senden und zurückbringen.

Kennedys Enthusiasmus verleiht den amerikanischen Wissenschaftern und Raketenbauern Flügel. 1964 umkreist John Glenn drei Mal die Erde, im Projekt Gemini erprobt man die für einen Mondflug entscheidenden Andock-Manöver. Doch 1965 gelingt zuerst den Russen der Ausstieg ins All. «Noch sind die Russen ein bisschen voraus», sagt Schmidt. Doch bald schaffen auch die Amerikaner den ersten Ausstieg. Gleichzeitig wird das Apollo-Programm in die Wege geleitet.

Das Blatt wendet sich. Die Amerikaner bauen die Apollo-Kapseln und die gigantische Rakete Saturn V. Am 27. Januar 1967 soll die erste bemannte Apollo-Kapsel mit drei Astronauten an Bord in die Erdumlaufbahn starten. Doch ein Stromunterbruch in der Kapsel zerstört die Sauerstoffzufuhr, die Luke lässt sich nicht entriegeln, die drei Astronauten verbrennen.

Kennedys Ziel gerät nicht ins Wanken. Im Frühling 1968 startet Apollo 7 den ersten erfolgreichen 11-tägigen Flug um die Erde. Kopplungs- und Annäherungsversuche werden getestet und die Instrumente auf Herz und Nieren geprüft. Gerüchte über russische Mondannäherungen beflügeln die Nasa-Ingenieure weiter. Apollo 8 fliegt bis zum Mond, und im Januar 1969 erfolgt mit Apollo 9 die Generalprobe. Apollo 10 fliegt im Mai bis 15 Kilometer an den Mond heran, und am 21. Juli landet die Fähre der Apollo 11.

Die USA haben den Wettlauf gewonnen, die Russen setzen nie einen Fuss auf den Erdtrabanten. «Möglich gemacht hat das eine noch nie da gewesene Zusammenarbeit zwischen Forschung, Industrie und Politik», sagt Schmidt. Die USA starten sechs weitere Apollo-Missionen. Sie fahren ab Apollo 15 mit Autos 35 Kilometer weit und sammeln insgesamt 300 Kilogramm Mondgestein für die Forschung. Es werden keine Stoffe und Elemente gefunden, die es auf der Erde nicht gibt. Das Interesse am Mond erlischt, das Geld fehlt, das 24-Milliarden-Dollar-Programm wird 1972 nach Apollo 17 abgebrochen.